Examensarbeit, 2012
74 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Migrantinnen und Migranten in der Bundesrepublik Deutschland
2.1 Begrifflichkeiten
2.2 Wer sind Migrantenkinder?
2.3. Daten und Fakten
3 Bildungsbeteiligung von Grundschülern mit Migrationshintergrund
3.1 Zusammensetzung der ausländischen Schülerschaft
3.2 Die vorschulische Bildung – Zur Bedeutung des Besuchs vorschulischer Betreuungseinrichtungen
3.3 Der Besuch der Grundschule und der Übertritt von der Primar- in die Sekundarstufe I
4 GrundschülerInnen mit Migrationshintergrund im Blick der Internationalen Studien
4.1 Die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU)
4.1.1 Ergebnisse der IGLU 2001
4.1.2 Ergebnisse der IGLU 2006
4.2 Die Trends in International Mathematics and Science Study (TIMSS) 2007 – Grundschule
5 Erklärungen für die Bildungsbenachteiligung von SchülerInnen mit Migrationshintergrund in der Grundschule
5.1 Erklärung der Benachteiligung durch familiale Faktoren
5.1.1 Die Herkunfts- und Lernkultur der Eltern
5.1.2 Unterschichtskultur als defizitäres Sozialisationsumfeld
5.1.3 Humankapitalinvestitionen
5.2 Erklärung der Benachteiligung durch individuelle Merkmale der Migrantenkinder
5.2.1 Zur Rolle der Sprachkenntnisse
5.2.2 Zur Rolle des Geschlechts
5.3 Erklärung der Bildungsbenachteiligung durch Merkmale der Institution Schule
5.3.1 Effekte der Schulform
5.3.2 Effekte der Klassenzusammensetzung
5.3.3 Kompetenzen der Lehrpersonen in den Bereichen Beurteilung und Diagnostik
5.3.4 Erklärung durch institutionelle Diskriminierung
6 Multikulturalität und Mehrsprachigkeit als Chance
7 Zusammenfassung und Fazit
Die Arbeit untersucht Erklärungsmodelle für die Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Grundschulsystem. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse von Ursachen, die sich aus familialen Faktoren, individuellen Merkmalen der Kinder sowie institutionellen Merkmalen des Schulsystems ableiten lassen, um die bestehende Chancenungleichheit zu beleuchten.
5.1.1 Die Herkunfts- und Lernkultur der Eltern
Kinder entwickeln beim Heranwachsen in ihren Familien eine sogenannte Basispersönlichkeit, welche durch das Verhalten und die Kultur der Eltern geprägt wird (vgl. Diefenbach 2008:91). Kinder, die in zugewanderten Familien aufwachsen, erlernen die Herkunftskultur der Eltern bzw. die Kultur, die ihnen vorgelebt wird. Dieser Prozess wird auch Sozialisation genannt. Zum Zeitpunkt des Besuchs des Kindergartens oder der Einschulung werden die Migrantenkinder mit der deutschen Kultur konfrontiert, die voller neuer Inhalte und für sie fremd ist. Das Kind kann durch das Aufeinanderprallen von zwei verschiedenen Kulturen, eine die sie von ihren Eltern kennen, die andere neue, stark belastet werden und in einen Konflikt geraten (vgl. Schrader, Nikles & Griese 1976:11). Wenn also ein Konflikt zwischen der Basispersönlichkeit der Kindes und der ihn umgebenden Kultur besteht, ist es anzunehmen, dass es Schwierigkeiten hat sich in dieser Umgebung zurechtzufinden. In dieser neuen, kulturell anders geprägten Gesellschaft, ist die Basispersönlichkeit des Kindes defizitär (vgl. Diefenbach 2008:91).
In der Forschung existiert das kulturell-defizitäre Erklärungsmodell, welches den zentralen Grund für den mangelnden Schulerfolg von Migrantenkindern der Herkunft ihrer Eltern aus vormodernen Gesellschaften und den damit einhergehendem kulturellen Erbe zuschreibt.
So wird zum Beispiel argumentiert, dass türkische Familien eine eher konservative Einstellung zum Lernen und zur Schule einnehmen, bei der der Lehrer als absolute Autoritätsperson angesehen wird. Diese traditionelle Haltung zum Wissenserwerb sei autoritativ-sachgebunden, im Gegensatz zur modernen in Deutschland vorherrschenden instrumentellen und individualistischen Einstellung. Die Migranteneltern stehen der Schule mit einer skeptischen Haltung gegenüber, welche den Kindern weitergegeben wird (vgl. Diefenbach 2004:231). Die Kinder können entweder die elterliche Einstellung zur Schule und zum Lernen reproduzieren und damit verminderte Chancen auf einen Schulerfolg annehmen, oder sie platzieren sich selbst im deutschen Schulsystem. Im Prozess der Selbstplatzierung müssen die Kinder einen Kultur- und Generationskonflikt austragen, um sich von der ablehnenden Einstellung der Eltern zu lösen und eine konträre Einstellung anzunehmen. Sie müssen ihre Interessen gegenüber schulischer Instanzen selber vertreten, ihre Berufs- und Bildungsziele selber festlegen und die damit einhergehenden Umsetzungsentscheidungen selbstständig treffen. Es wird deutlich, dass der Prozess der Selbstplatzierung nur unter Voraussetzung eines großen Maßes an Selbstständigkeit stattfinden kann. Demzufolge können Migrantenkinder ausschließlich dann erfolgreich in der Schule sein, wenn sie diese genannten kulturellen Defizite überwinden (vgl. Diefenbach 2004:232).
1 Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf den Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg und führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein.
2 Migrantinnen und Migranten in der Bundesrepublik Deutschland: Dieses Kapitel definiert wichtige Begriffe wie Migration und Migrationshintergrund und liefert statistische Daten zur Bevölkerungssituation.
3 Bildungsbeteiligung von Grundschülern mit Migrationshintergrund: Hier werden die Beteiligung an vorschulischen Angeboten und die Herausforderungen beim Übergang in das Schulsystem analysiert.
4 GrundschülerInnen mit Migrationshintergrund im Blick der Internationalen Studien: Die Ergebnisse von Studien wie IGLU und TIMSS werden ausgewertet, um Leistungsunterschiede zu verdeutlichen.
5 Erklärungen für die Bildungsbenachteiligung von SchülerInnen mit Migrationshintergrund in der Grundschule: In diesem Hauptteil werden verschiedene Erklärungsansätze (familiale Faktoren, individuelle Merkmale, institutionelle Einflüsse) kritisch diskutiert.
6 Multikulturalität und Mehrsprachigkeit als Chance: Das Kapitel plädiert dafür, Mehrsprachigkeit nicht als Defizit, sondern als wertvolle Ressource im Bildungskontext zu begreifen.
7 Zusammenfassung und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und Forderungen zur Verbesserung der Bildungssituation.
Migrationshintergrund, Grundschule, Bildungschancen, Bildungsbenachteiligung, Schulerfolg, Sprachförderung, IGLU-Studie, TIMSS-Studie, Humankapital, institutionelle Diskriminierung, Sozialisation, kulturelle Differenz, Übergang, Mehrsprachigkeit, Chancengleichheit.
Die Arbeit thematisiert die Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Grundschulsystem und analysiert die Ursachen für diese Bildungsdisparitäten.
Die Themen umfassen die demografische Entwicklung, die vorschulische Bildung, internationale Vergleichsstudien zur Leistung sowie soziologische Erklärungsansätze für Bildungserfolg und -misserfolg.
Ziel ist es, Erklärungsmodelle für die Bildungsbenachteiligung zu systematisieren und die Komplexität der Faktoren zu beleuchten, die den Schulerfolg von Migrantenkindern beeinflussen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien, empirischer Befunde und bildungspolitischer Berichte, um die unterschiedlichen Erklärungsansätze kritisch zu diskutieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse familialer Faktoren, individueller kindbezogener Merkmale sowie struktureller Merkmale der Institution Schule, einschließlich des Aspekts der institutionellen Diskriminierung.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Migrationshintergrund, Chancengleichheit, institutionelle Diskriminierung, Bildungsbeteiligung und Sprachförderung.
Sprachkenntnisse werden als zentrale Voraussetzung für schulischen Erfolg betrachtet, wobei die Arbeit die Bedeutung einer koordinierten Förderung von Deutsch und der Muttersprache betont.
Die Arbeit hinterfragt kritisch, inwieweit das System selbst durch Selektionsprozesse und institutionelle Strukturen benachteiligend auf Kinder mit Migrationshintergrund wirkt, anstatt nur die individuelle Verantwortung bei den Familien zu suchen.
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