Diplomarbeit, 2002
185 Seiten, Note: 2,0
1. Einführung: Heutige Relevanz der Konzepte von Nation und nationalen Bewegungen
1.1. Ziele der Arbeit
1.2. Problemskizzierung und Fragestellungen
1.3. Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Ansätze
2.1. Staaten, Nationen und Regionen
2.1.1. Objektiver und subjektiver Nationenbegriff
2.1.2. Regionen als Subeinheiten der Nation
2.1.3. Die Klassifizierung Spaniens anhand der Gesellschaftstypen von Haller
2.2 Typologische Unterscheidung des nationalen Selbstverständnisses: Ethnos – Demos – Konzept nach Francis
2.2.1. Der Ethnos (nationalistisches Modell)
2.2.1.1.Ethnischer Nationalismus
2.2.1.2.Regionalismus
2.2.2. Der Demos (patriotisches Modell)
2.2.3. Zusammenfassende Diskussion und Kritik
2.3. Identitätskonzepte
2.3.1. Identitätsbegriff und kollektive Identität als Teilbereich der sozialen Identität
2.3.2. Nationale und regionale Identität
2.4. Historische Entwicklung und heutige Situation in Spanien
2.4.1. Historischer Befund bis zum Franco- Regime
2.4.2. Autoritäres Franco-Regime
2.4.3. Wandel in einen demokratischen EU-Staat und eine neue Verfassung
2.4.4. Kompetenzverteilung innerhalb Spaniens
2.5. Entwicklungen der Nationalismen und Regionalismen
2.5.1. Periphere Nationalismen in Katalonien und im Baskenland
2.5.1.1.Katalanischer Nationalismus
2.5.1.2.Baskischer Nationalismus
2.5.2. Weitere spanische Nationalismen
2.5.2.1.Galizischer Nationalismus
2.5.2.2.Andalusischer Regionalismus
2.5.2.3.Valencianischer Regionalismus
2.5.3. Zusammenfassende Darstellung der Nationalismen
2.6 Überblick über den gegenwärtigen empirischen Forschungsstand zu nationaler/ regionaler Identität
2.7. Hypothesen
3. Methodische Vorgehensweise: Vorstellung des Datensatzes
3.1. Spezifika der erhobenen Daten in Spanien
3.2 Untersuchte Regionen der Auswertung
3.3. Operationalisierung von kollektiver Identität sowie des Ethnos und Demos - Konzeptes
3.3.1. Unabhängige Variable: Ethnische Selbstbeschreibung
3.3.2. Abhängige Variablen: ethnisches vs. demotisches Nationenverständniss und Demokratie
4. Empirischer Teil
4.1. Deskriptive Statistik: Kollektive Identität(en) in Spanien und objektive Ausprägungen
4.1.1. Die Identifikation mit Spanien und subnationalen Einheiten im Jahr 1996
4.1.2. Soziodemographische Trägermerkmale ethnischer Selbstbeschreibung
4.1.3. Geburtsort
4.1.4. Zu Hause gesprochene Sprache
4.1.5. Gewählte Parteien in Gesamtspanien
4.1.6. Spaniens Rechte und Linke
4.2. Induktive Statistik
4.2.1. Prüfung der Hypothesen eins und zwei und Zusammenfassung der kollektiven Identitäten anhand objektiver Merkmale
4.2.2. Kollektive Identifikation und Nationalstolz / Landesverteidigung
4.2.2.1. Nationalstolz in Spanien im Zeitverlauf
4.2.2.2. Nationalstolz nach Regionalgefühl
4.2.3. Überprüfung der Hypothese drei
4.2.4. Demotische oder ethnische Identitäten
4.2.4.1. Ausgrenzende Haltungen – Fremdenfeindlichkeit und ausländische Waren
4.2.4.2. Toleranz
4.2.4.3. Verfassungspatriotische Werte: Freiheit vs. Ordnung
4.2.5. Überprüfung der Hypothesen vier und fünf
4.2.6. Demokratische Einstellungen
4.2.6.1. Bewertungen des demokratischen Systems
4.2.6.2. Demokratieverständnis
4.2.7. Prüfung der Hypothese sechs
4.2.8. Haltung zu zentralstaatlichen Institutionen
4.2.8.1. Vertrauen in spanische Institutionen im Zeitverlauf
4.2.8.2. Vertrauen in Institutionen: Regionenvergleich
4.2.8.3. Identitätenvergleich
4.2.8.4. Zufriedenheit mit der zentralstaatlichen Regierung
4.2.9. Prüfung der Hypothese sieben
5. Ergebnisse für die spanischen Regionen
5.1. Die baskische Situation anhand des WVS
5.2. Einschätzung der Aussagekraft der Daten für das Baskenland
5.3. Die katalanischen Situation anhand des WVS
5.4. Einschätzung der Aussagekraft der Daten für Katalonien
5.5. Die Galizische Situation nach Daten des WVS
5.6. Einschätzung der Aussagekraft der Daten für Galizien
5.7. Situation in Andalusien und Valencia
5.8. Einschätzung der Aussagekraft der Daten für Andalusien und Valencia
5.9. Gesamtkritik am Fragebogen des Word Values Survey
6. Gesamtspanische Situation und zukünftige Probleme der gesamtspanischen Politik
Die Arbeit untersucht, ob in Spanien eine national einende kollektive Identität existiert oder ob regionale Identitäten vorherrschen, und wie sich diese Identitäten zum nationalen Selbstverständnis sowie zur Demokratie verhalten.
2.4.1. Historischer Befund bis zum Franco- Regime
Spanien ist durch das starke Eigenleben multipler Regionen, die sich oft als Nationen verstanden haben, gekennzeichnet. Vier Sprachen, eigene Kulturen, unterschiedliche Rechtssysteme und Institutionen sind Kennzeichen der spanischen Entwicklung. Diese geht bis zur Eroberung der islamischen Königreiche zurück, aus der sich regional unterschiedliche Institutionen und Traditionen herausbildeten (Puhle 1994: 190). Das Staatsgebilde war lange eine instabile Allianz christlicher, unabhängiger Königreiche (Navarra, (Kastilien)-León, Aragón, Katalonien) (Hettlage 1994: 148) dessen Einheitsidee auf der christlichen Opposition gegen die islamische Bedrohung beruhte. Regionale Traditionen, Identifikationen und Institutionen waren und sind nach wie vor in Spanien -vor allem durch die Personalunion der Krone seit Karl V.- von starker Wirkung und Dauer (Puhle 1994: 190).
Forciertes „state building“ durch absolutistische Vereinheitlichung, Zentralisierung, Ausbau staatlicher Lenkung und Abschöpfung der zentralen Bürokratie geschah in drei Schüben (Puhle 1994: 190):
Der erste Schub fing mit der Machtübernahme der Bourbonen Anfang des 18. Jahrhunderts an. Hier verlor Katalonien seine eigene Regierung, aber noch nicht alle Rechte und Institutionen. Die bourbonischen Reformen vertieften die Zentralisierung und den Ausbau der Bürokratie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Der zweite Schub bezieht sich auf die Wegnahme der regionalen Vor und Autonomierechte nach dem Ende der dritten Karlistenkriege 1868. Auch die deutlichen Ansätze zum Ausbau der staatlichen Interventionen in Wirtschaft und Gesellschaft bis zur Diktatur von Primo de Rivera in den 20er Jahren wirkten sich zentralisierend aus.
Der verstärkende dritte Schub vollzog sich während des Franco- Regimes. Dieses stellte die extremste Form des Zentralismus in der Neuzeit dar (Puhle 1994: 191).
1. Einführung: Heutige Relevanz der Konzepte von Nation und nationalen Bewegungen: Diese Einführung thematisiert die Zunahme nationaler und regionaler Bewegungen in Europa sowie die anhaltende Brisanz ethnoterritorialer Konflikte in Spanien seit dem Übergang vom Franco-Regime.
2. Theoretische Ansätze: In diesem Kapitel werden grundlegende Theorien zur Nation, Identität und Typologien wie das Ethnos-Demos-Modell nach Francis vorgestellt, um einen analytischen Rahmen für die Untersuchung der spanischen Situation zu schaffen.
3. Methodische Vorgehensweise: Vorstellung des Datensatzes: Der Autor beschreibt die Verwendung der World Values Survey (WVS) Datensätze und erläutert die Besonderheiten sowie die Operationalisierung der Variablen für die empirische Analyse.
4. Empirischer Teil: Hier erfolgt die deskriptive und induktive Auswertung der Daten hinsichtlich kollektiver Identitäten, politischer Einstellungen und deren Zusammenhängen mit soziodemographischen Merkmalen.
5. Ergebnisse für die spanischen Regionen: Dieses Kapitel präsentiert die spezifischen Ergebnisse für Regionen wie das Baskenland, Katalonien und Galizien und bewertet kritisch die Aussagekraft der Daten.
6. Gesamtspanische Situation und zukünftige Probleme der gesamtspanischen Politik: Abschließend wird die politische Gesamtsituation Spaniens reflektiert und die Herausforderung diskutiert, ein Gleichgewicht zwischen unterschiedlichen Zugehörigkeiten und Loyalitäten im 21. Jahrhundert zu finden.
Spanien, Nationale Identität, Regionale Identität, Nationalismus, Regionalismus, Ethnos, Demos, Demokratieverständnis, World Values Survey, Politische Kultur, Autonome Gemeinschaften, Baskenland, Katalonien, Galizien, Politische Partizipation
Die Arbeit untersucht die Struktur und Stabilität der kollektiven Identitäten in Spanien und analysiert, wie diese mit der Unterstützung demokratischer Prinzipien und der Bindung an den spanischen Zentralstaat korrelieren.
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Theoriebildung zu Nation und Identität (Ethnos-Demos), die historische Genese der Regionalismen in Spanien sowie die empirische Analyse von Umfragedaten (WVS).
Das Ziel ist zu ermitteln, ob eine national einende Identität in Spanien existiert oder ob konkurrierende regionale Identitäten überwiegen, und welchen Einfluss diese auf die Stabilität der spanischen Demokratie haben.
Es handelt sich um eine empirische Sekundäranalyse von Datensätzen der World Values Surveys (WVS), ergänzt durch deskriptive Statistik und Varianzanalysen, um Hypothesen über ethnische versus demotische Identitäten zu prüfen.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die detaillierte Darstellung der historischen Entwicklung und der heutigen Lage in Spanien sowie die umfangreiche statistische Auswertung der regionalen Daten.
Die Arbeit lässt sich am besten über die Begriffe spanische Identität, Ethnos-Demos-Konzept, Regionalismus, Nationalismus, demokratische Einstellungen und empirische Identitätsforschung charakterisieren.
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass sich das Baskenland trotz starker nationalistischer Strömungen durch ein überraschend hohes Maß an demokratischem Verständnis auszeichnet und die Identität dort eher demotisch als rein ethnisch geprägt ist.
Die katalanische Analyse ist aufgrund der kleinen Fallzahlen im Datensatz und der Divergenz zwischen dem offiziellen Bild des Katalanismus und den tatsächlichen Umfrageergebnissen methodisch anspruchsvoll und erfordert eine vorsichtige Interpretation.
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