Diplomarbeit, 2010
145 Seiten, Note: Gut
1 Einleitung
2 Zielsetzung der Arbeit
3 Die Funktion der Sozialistischen Einheitspartei (SED)
3.1 Die Leistungssportbeschlüsse des Politbüros der SED
3.2 Verlautbarungen der Leistungssportbeschlüsse
4 Die Gründung des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport
5 Der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB)
6 Die Deutsche Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK)
6.1 Das Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS)
6.2 Der Sportmedizinische Dienst (SMD)
7 Talentsichtung
7.1 Kreis- sowie Bezirksspartakiaden
7.2 Die drei Kaderstufen
7.3 Die drei Förderstufen
8 Der Einsatz von sogenannten UM (Unerlaubte Mittel) zur Leistungssteigerung im Rahmen des Staatsplanthemas 14.25 und deren Auswirkungen
8.1 Die Definition von Doping
8.2 Verabreichung der UM an Minderjährige
8.3 Das Dopinglabor in Kreischa
8.4 Körperliche Schäden an Sportlern durch Einsatz von UM
9 Das Ministerium für Staatssicherheit im DDR-Sport
10 Die Finanzierung
11 Interview mit einer Zeitzeugin
12 Resümee
13 Literaturverzeichnis
Die Diplomarbeit untersucht die sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung des DDR-Sports unter besonderer Berücksichtigung des staatlich organisierten Dopings. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, wie das Regime durch den Sport internationale Anerkennung und innenpolitische Systemstabilität zu erreichen versuchte und welche Rolle dabei staatliche Institutionen, das Ministerium für Staatssicherheit und eine systematische Nachwuchsförderung einnahmen.
8.2 Verabreichung der UM an Minderjährige
Die Verabreichung von Dopingsubstanzen an Minderjährige ist ein äußerst düsteres Kapitel der DDR-Sportgeschichte. Jedes Mittel war dem Regime recht, um durch Siege das internationale Ansehen zu steigern - und sei es auf den Rücken der Kinder.
Das DDR-Zwangsdoping geschah in der Regel unter dem Vorwand von Lügen. Jugendliche Sportler sowie deren Eltern wurden praktisch nie über die Dopingpraktiken aufgeklärt.
Medikamente wurden den jungen Sportlern mit der Begründung weitergegeben, dass es sich um Vitaminpräparate handeln würde. Meistens wurden die Tabletten vom Trainer an die Sportler übergeben. Eine ehemalige Sportlerin erinnert sich:
„Also in der Regel haben wir die Sachen vom Trainer bekommen. Es gab ein paar wenige Momente, wo wir Sachen von Ärzten bekommen haben. Das ist auch bis heute ein sehr unklares Feld, was wir da gegriegt haben. Mir wurde immer gesagt, dass es sich um Mineralien und Vitamine handelt. Wir brauchen das um fit zu bleiben, dies wurde auch meinen Eltern gesagt“.
1 Einleitung: Diese gibt einen historischen Überblick über die Nachkriegssituation in Deutschland und die Entwicklung der DDR als Staat.
2 Zielsetzung der Arbeit: Das Ziel der Arbeit wird definiert als die Aufarbeitung des staatlich organisierten Dopings in der DDR sowie der beteiligten Institutionen.
3 Die Funktion der Sozialistischen Einheitspartei (SED): Es wird erläutert, wie die SED als Führungspartei den Sport als ideologisches Instrument zur Machtausübung und Legitimierung einsetzte.
3.1 Die Leistungssportbeschlüsse des Politbüros der SED: Dieses Kapitel beschreibt die zentralen politischen Beschlussfassungen, die den Sport strukturell und inhaltlich steuerten.
3.2 Verlautbarungen der Leistungssportbeschlüsse: Hier wird der Prozess der Vermittlung und Durchsetzung dieser Beschlüsse an die Sportfunktionäre und Trainer dargelegt.
4 Die Gründung des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport: Die Etablierung einer zentralen staatlichen Kontrollinstanz für den Sport wird detailliert dargestellt.
5 Der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB): Die Rolle des DTSB als Massenorganisation zur Lenkung der sportlichen Aktivitäten wird analysiert.
6 Die Deutsche Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK): Die Funktion der zentralen Ausbildungsstätte für das DDR-Sportpersonal wird beleuchtet.
6.1 Das Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS): Es wird die geheimdienstlich gelenkte Forschung zur Leistungssteigerung thematisiert.
6.2 Der Sportmedizinische Dienst (SMD): Dieses Kapitel behandelt die medizinische Überwachung und die Rolle der Sportärzte im Doping-System.
7 Talentsichtung: Die systematische Erfassung sportlicher Potenziale bei Kindern und Jugendlichen wird analysiert.
7.1 Kreis- sowie Bezirksspartakiaden: Die Bedeutung der Spartakiaden als Instrument der Nachwuchsauslese und kommunistischen Erziehung wird aufgezeigt.
7.2 Die drei Kaderstufen: Die hierarchische Strukturierung der Sportkader wird erklärt.
7.3 Die drei Förderstufen: Der Aufbau der sportlichen Ausbildung von der Basis bis zum Spitzensport wird erläutert.
8 Der Einsatz von sogenannten UM (Unerlaubte Mittel) zur Leistungssteigerung im Rahmen des Staatsplanthemas 14.25 und deren Auswirkungen: Die systematische Implementierung von Doping zur internationalen Prestigeerhöhung steht hier im Zentrum.
8.1 Die Definition von Doping: Begriffliche Abgrenzungen und die historische Entwicklung des Dopings werden diskutiert.
8.2 Verabreichung der UM an Minderjährige: Das Ausmaß des verdeckten Dopings bei Kindern und Jugendlichen wird aufgezeigt.
8.3 Das Dopinglabor in Kreischa: Die Rolle des zentralen Dopinglabors bei der Kontrolle und Verschleierung wird geschildert.
8.4 Körperliche Schäden an Sportlern durch Einsatz von UM: Die gesundheitlichen Folgen des Dopings für die Athleten werden dokumentiert.
9 Das Ministerium für Staatssicherheit im DDR-Sport: Die systematische Unterwanderung des Sports durch die Stasi zur Überwachung und Disziplinierung wird detailliert behandelt.
10 Die Finanzierung: Die komplexen Quellen der Sportfinanzierung in einem planwirtschaftlichen System werden untersucht.
11 Interview mit einer Zeitzeugin: Ein Zeitzeugenbericht verdeutlicht die persönlichen Erfahrungen und die Auswirkungen des Systems auf das Individuum.
12 Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der Bedeutung des DDR-Sports und der Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit.
DDR-Sport, Doping, Staatsplanthema 14.25, Ministerium für Staatssicherheit, SED, Leistungssport, Talentsichtung, DTSB, DHfK, Oral-Turinabol, Zwangsdoping, Sportmedizin, Nachwuchsförderung, Sportgeschichte, politische Instrumentalisierung
Die Diplomarbeit befasst sich mit der sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklung des Sports in der Deutschen Demokratischen Republik, wobei das staatlich gelenkte Doping ein wesentlicher Untersuchungsschwerpunkt ist.
Zu den zentralen Themen gehören das Sport- und Fördersystem der DDR, die politische Instrumentalisierung des Sports durch die SED, der Einfluss der Staatssicherheit auf den Spitzensport sowie die systematische Praxis des Zwangsdopings.
Das primäre Ziel ist es, das staatlich organisierte Doping-System aufzuzeigen, die verschiedenen Institutionen zu identifizieren, die daran mitwirkten, und die Gründe für die enorme Investition in das Prestigeprojekt Sport zu analysieren.
Der Autor stützt sich auf eine umfassende Dokumentenanalyse, historische Quellen, Berichte von Zeitzeugen und die Auswertung von Stasi-Akten sowie Sekundärliteratur zur Sportgeschichte der DDR.
Im Hauptteil werden die zentralen Strukturen wie das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport, der DTSB, die DHfK, das Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport sowie die Mechanismen der Talentsichtung, Kaderstufen und die staatlich finanzierte Dopingpraxis detailliert beschrieben.
DDR-Sport, Doping, Staatsplanthema 14.25, Staatssicherheit, Leistungssport, Talentsichtung und Zwangsdoping sind die zentralen Begriffe der Publikation.
Das Doping wurde als „Staatsgeheimnis“ behandelt. Durch strenge Geheimhaltung, täuschende Bezeichnungen als „Vitaminpräparate“ und ein effizientes Kontrolllabor in Kreischa, das positive Befunde vor Auslandreisen abfing, wurde das System vor der Entdeckung geschützt.
Das MfS sicherte das Doping-System durch Überwachung, Einschüchterung und die Zersetzung von kritischen Sportlern ab, um die internationale Selbstdarstellung des DDR-Sports zu gewährleisten und die Athleten sowie das Betreuerpersonal unter totalitärer Kontrolle zu halten.
Fluchtversuche wurden als staatsgefährdend eingestuft. Das MfS betrieb eine engmaschige Überwachung durch Reisekader-Regelungen, Inoffizielle Mitarbeiter (IM) und Kontaktsperren, um Fluchtmöglichkeiten zu unterbinden oder Verräter bei geplanten Fluchten gezielt zu behindern.
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