Masterarbeit, 2006
120 Seiten, Note: 5.5 (aus 6)
1.Einleitung
2.Die unheimliche Erzähltechnik E. T. A. Hoffmanns
3.Die textuelle Manifestation des Unheimlichen in den „Nachtstücken“
Das gestaltlose Auftauchen des Unheimlichen im Heimischen
Unheimliches Spiel mit Zahlen, Zeiten und Zeitpunkten
Zweifelhafte Identitäten
Schaurige Gesichtszüge, Anatomien, Sprachen und Stimmen
Die abenteuerliche Aufmachung des Bösen
Verwunschene Topographien, verzerrte Räume und ihre Ausleuchtung
4.Der automathafte Erzähltext
Dunkle Schicksalsahnungen
Zauberische Artefakte
Wiederholung - Eine Struktur des Unheimlichen
Der Text im Text des Textes - Das Spiegelkabinett der „Nachtstücke“
Am Ende der „Nachtstücke“ - Am Ende der Nacht?
5.Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzähltechnik in E. T. A. Hoffmanns „Nachtstücken“ und analysiert, wie durch spezifische sprachliche und strukturelle Mittel ein unheimliches Leseerlebnis erzeugt wird, das die Grenze zwischen Realität und Imagination auflöst.
Die abenteuerliche Aufmachung des Bösen
Gestaltlosigkeit, Zeit- und Zahlbezogenheit, doppelte oder fehlende Identitäten, widrige Gesichtszüge, eigentümliche Reden und Furcht erregende Stimmen sind die bisher erläuterten Zeichen, die die formale Gestalt des Unheimlichen in den „Nachtstücken“ prägen und die für das sprachlich und motivisch dicht gewobene Netz sorgen, das den Erzähltexten unterliegt. In diesem Abschnitt kommt ein weiteres semiotisches System dazu: Dasjenige der Ausstaffierung der schauerlichen Figuren in auffällige Kleidung mit nicht bedeutungsloser Farbe.
Vater und Sohn Trabacchio gleichen sich notwendigerweise in den Gesichtszügen, sie tun dies aber auch über ihre Kleidung - mindestes dann, wenn Ignaz Denner nicht als Kaufmann im grauen Mantel, sondern als Räuberhauptmann mit einem gar veränderten Gesicht auftritt. In diesem Masse hat sich seine Kleidung gewandelt: „Statt der grauen schlichten Kleidung und des Mantels“ (61) oder dem „grauen Kaufmannshabit“ (70) trägt er „[...] ein dunkelrotes Wams und einen breiten ledernen Gurt, in dem ein Stilett und vier Pistolen staken; ausserdem war er noch mit einem Säbel bewaffnet [...].“ (61)
Da seinem Vater intensivierte Gesichtszüge zu eigen sind, trägt er entsprechend noch seltsamere und eben doch ähnliche Kleidung wie sein Sohn, die bei seinem ersten Auftritt in der Erzählung, bei Andres in der Zelle, beschrieben wird: „[...] die Kleidung fremd und abenteuerlich [...] Ein feuerroter mit Gold stark verbrämter weiter Mantel hing in bauschichten Falten der Gestalt über die Schultern, ein breiter niedergekrempter spanischer Hut mit herabhängender roter Feder sass schief auf dem Kopfe, ein langer Stossdegen hing an der Seite [...].“ (81f.)
1.Einleitung: Einführung in die Faszination für das Unheimliche und Vorstellung des Forschungsfokus auf die Erzähltechnik in Hoffmanns „Nachtstücken“.
2.Die unheimliche Erzähltechnik E. T. A. Hoffmanns: Analyse der poetologischen Grundlagen und des Umgangs mit dem Wunderbaren in Hoffmanns Rahmengesprächen.
3.Die textuelle Manifestation des Unheimlichen in den „Nachtstücken“: Untersuchung der Mittel wie Zeit- und Raumdarstellung, Figurenkonstellationen und Symbolik, durch die das Unheimliche textuell greifbar wird.
4.Der automathafte Erzähltext: Untersuchung der narrativen Strukturen wie Wiederholungen, Spiegelungen und Intertextualität, die den Erzähltext selbst als künstliches, unheimliches Konstrukt erscheinen lassen.
5.Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der hoffmannschen Erzählweise als bewusstes Verwirrspiel, das den Leser im Unheimlichen zurücklässt.
E. T. A. Hoffmann, Nachtstücke, Unheimliches, Groteskes, Erzähltechnik, Phantastik, Wiederholung, Spiegelung, Simulacrum, Wahnsinn, Poetik, Literaturwissenschaft, Automate, Ambivalenz
Die Arbeit analysiert die Erzähltechnik in E. T. A. Hoffmanns Erzählzyklus „Nachtstücke“ und zeigt auf, wie der Autor durch Sprache und Struktur ein unheimliches Leseerlebnis erzeugt.
Im Zentrum stehen die poetologische Gestaltung des Fantastischen, die Rolle des Unheimlichen im Alltag, die Charakterisierung unheimlicher Figuren sowie der bewusste Einsatz von Spiegelungen und Wiederholungen im Text.
Ziel ist es zu belegen, dass die beängstigende Wirkung von Hoffmanns Geschichten primär aus seiner spezifischen Erzähltechnik – etwa der Perspektivierung und sprachlichen Verdichtung – resultiert, statt nur aus den thematischen Inhalten.
Der Autor führt eine detaillierte textuelle Analyse durch, die insbesondere die narrative Struktur, die Verwendung von Motiven und die poetologischen Hinweise innerhalb der Texte in den Vordergrund stellt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der textuellen Manifestationen des Unheimlichen (Zeit, Raum, Figuren) und eine Analyse der „automathaften“ Natur des Erzähltexts, insbesondere durch Spiegel- und Wiederholungsstrukturen.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Ambivalenz, Simulacrum, Intertextualität, Groteske und die „Poetik des Simulacrums“ aus.
Zeitpunkte wie Mitternacht oder Mittag werden als prototypische „Geisterstunden“ genutzt, während Räume wie Wälder oder nächtliche Schlösser durch spezifische Beleuchtung und Atmosphäre als Bedrohungskulissen inszeniert werden.
Spiegel fungieren nicht als Abbilder der Realität, sondern als Generatoren von Trugbildern, die die Wahrnehmung der Figuren und des Lesers verunsichern und die Künstlichkeit der Textwelt unterstreichen.
Dieser Begriff beschreibt Hoffmanns Technik, seinen Text wie eine Maschine zu konstruieren, die den Leser durch kalkulierte Brüche, Wiederholungen und Verrätselungen in einen Zustand der Unsicherheit versetzt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

