Diplomarbeit, 2003
83 Seiten, Note: 1,3
I. Gegenstand der Arbeit
II. Die Asienkrise – Ablauf und Folgen
2.1 Die Vorgeschichte der Krise
2.2 Der Ablauf der Krise
2.3 Die Folgen der Krise
III. Die Ursachen der Krise
3.1 Finanz- und Währungskrisen – eine Definition
3.1.1 Finanzkrisen und die Gefahr von Bank Runs
3.1.2 Währungskrisen und die Problematik fixer Wechselkurse
3.2 Traditionelle Erklärungsansätze
3.2.1 Modelle der ersten Generation
3.2.2 Modelle der zweiten Generation
3.3 Neuere Erklärungsansätze I: Die mikroökonomische Ebene
3.3.1 Strukturelle Schwächen und die Instabilität des Finanzsystems
3.3.2 Die Entstehung der Finanzkrise
3.3.3 Von der Finanz- zur Währungskrise
3.4 Neuere Erklärungsansätze II: Finanzmarktpanik
3.5 Die Ausbreitung der Krise
3.5.1 Krisenausbreitung aufgrund ökonomischer Interdependenzen
3.5.2 Krisenausbreitung aufgrund von Ansteckungseffekten
3.5.3 Empirische Bedeutung der Ausbreitungskanäle
3.6 Fazit und wirtschaftspolitische Konsequenzen
3.6.1 Wechselkurspolitik und Kapitalverkehrskontrollen
3.6.2 Reform des Finanz- und Unternehmenssektors
3.6.3 Die internationale Ebene
IV. Reaktionen auf die Krise I: Die Makroebene
4.1 Die IWF-Länder: Indonesien und Südkorea
4.1.1 Grundlagen der IWF-Programme
4.1.2 Umsetzung und Erfolg der Programme
4.1.2.1 Indonesien – politische Probleme
4.1.2.2 Südkorea – schnelle Stabilisierung
4.1.3 Bewertung der Programme
4.1.3.1 Geld- und Fiskalpolitik
4.1.3.2 Finanzsektorpolitik
4.1.3.3 Fazit
4.2 Sonderfall Malaysia?
4.2.1 Die Stabilisierungsstrategie
4.2.2 Bewertung der Strategie
4.2.2.1 Theoretische Wirkungen von Kapitalverkehrskontrollen
4.2.2.2 Die Erfahrungen Malaysias
4.3 Fazit
V. Reaktionen auf die Krise II: Die Mikroebene
5.1 Restrukturierung des Finanzsektors
5.1.1 Schließung insolventer Banken
5.1.2 Rekapitalisierung schwacher Banken
5.1.3 Behandlung notleidender Kredite
5.1.4 Einbeziehung des Unternehmenssektors
5.2 Institutionelle Reformen im Finanzsektor
5.3 Die Erfahrungen der Länder
5.3.1 Indonesien – späte Reaktion
5.3.2 Südkorea – rasche Restrukturierung
5.3.3 Malaysia – präventive Bewältigung
5.4 Vergleich und Bewertung der Strategien
VI. Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit analysiert und bewertet die wirtschaftspolitischen Reaktionen ausgewählter südostasiatischer Länder (Indonesien, Südkorea und Malaysia) auf die Asienkrise ab 1997. Dabei wird untersucht, wie unterschiedliche Stabilisierungsansätze auf makroökonomischer und mikroökonomischer Ebene zur Bewältigung der Krise beigetragen haben und inwiefern diese Strategien durch politische Rahmenbedingungen beeinflusst wurden.
3.3.1 Strukturelle Schwächen und die Instabilität des Finanzsystems
Tatsächlich wiesen die Finanzsysteme der asiatischen Länder erhebliche Schwächen auf. Wie in vielen Entwicklungsländern nahm auch in den Krisenländern das Bankensystem eine zentrale Rolle in der Finanzmarktstruktur ein. Dies ist vor allem auf die Existenz erheblicher Informationsasymmetrien und die damit einhergehende geringe Bedeutung von Wertpapiermärkten zurückzuführen. Die ungleiche Informationsverteilung zwischen den Akteuren bietet den Kapitalnehmern nämlich die Möglichkeit, das Kapital nicht im Sinne der Kapitalgeber zu verwenden (Moral Hazard) und ihre wahren Absichten im Vorfeld der Kapitalvergabe zu verheimlichen. Diese Umstände veranlassen den einzelnen Kapitalgeber aus Vorsichtsgründen dazu, nur wenig Kapital zur Verfügung zu stellen, so dass es zu einer tendenziellen Unterversorgung des Systems mit finanziellen Mitteln kommt. Banken sind nun darauf spezialisiert, die Informationsasymmetrien zu überwinden und so von vornherein die „guten“ von den „schlechten“ Kapitalnehmern zu unterscheiden. Darüber hinaus pflegen Banken in der Regel langfristige Geschäftsbeziehungen mit ihren Kreditnehmern und können deren Verhalten dadurch besser überwachen und, z.B. durch die Nichtverlängerung von Kreditverträgen, auch besser sanktionieren als individuelle Kapitalgeber.
In den Krisenländern hat das Bankensystem in der Lösung der oben beschriebenen Probleme allerdings weitgehend versagt und so eine effiziente Kapitalallokation verhindert. Hauptgrund für dieses Versagen war ein übermäßiger Staatseinfluss, der auf mehreren Ebenen zur Entstehung zusätzlicher Moral Hazard Probleme beigetragen hat. So waren auf Unternehmensebene eine Vielzahl privater Investitionsprojekte vom Staat besichert, um die Investitionsquote auf hohem Niveau zu halten und dadurch ein andauerndes Wirtschaftswachstum zu gewährleisten. Aus demselben Grund wurden Investitionen in bestimmten Bereichen auch direkt vom Staat gelenkt [vgl. Corsetti et al. (1999), S.307]. Durch die staatliche Versicherung konnten die Unternehmen die Erträge ihrer Investitionen für sich beanspruchen, während eventuelle Verluste vom Staat getragen wurden. Dieser Umstand veranlasste die Unternehmen dazu, auf Kosten des Staates eine Vielzahl risikoreicher und unrentabler Investitionen zu tätigen.
I. Gegenstand der Arbeit: Einführung in die Asienkrise und Definition der Zielsetzung der Arbeit, die darin besteht, die unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Reaktionen der Krisenländer zu analysieren und zu bewerten.
II. Die Asienkrise – Ablauf und Folgen: Überblick über den Ablauf der Krise ab Mitte 1997 sowie deren ökonomische, soziale und politische Auswirkungen in den betroffenen Ländern.
III. Die Ursachen der Krise: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Ursachenkomplex, einschließlich der Diskussion von Finanzkrisen, mikroökonomischen strukturellen Mängeln und Finanzmarktpanik als Auslöser.
IV. Reaktionen auf die Krise I: Die Makroebene: Analyse der Stabilisierungspolitik Indonesiens, Südkoreas und Malaysias unter Berücksichtigung von IWF-Programmen und alternativen Strategien.
V. Reaktionen auf die Krise II: Die Mikroebene: Untersuchung der Restrukturierung der Finanz- und Unternehmenssektoren sowie institutioneller Reformen in den Krisenländern.
VI. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Krisenbewältigung und Einschätzung des durch die Krise angestoßenen Strukturwandels in den südostasiatischen Volkswirtschaften.
Asienkrise, Finanzkrise, Währungskrise, IWF, Stabilisierungspolitik, Finanzsektorrestrukturierung, Moral Hazard, Kapitalverkehrskontrollen, Bank Runs, makroökonomische Anpassung, Unternehmenssektor, strukturelle Reformen, Indonesien, Südkorea, Malaysia.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Bewertung der wirtschaftspolitischen Reaktionen der südostasiatischen Länder Indonesien, Südkorea und Malaysia auf die Asienkrise ab 1997.
Die zentralen Felder umfassen die Ursachenanalyse der Krise, die makroökonomische Stabilisierungspolitik – insbesondere das Zusammenspiel mit dem IWF –, die mikroökonomische Restrukturierung des Finanzsektors sowie die Rolle von Kapitalverkehrskontrollen.
Das Ziel ist es, die teilweise sehr unterschiedlich ausgefallenen wirtschaftspolitischen Reaktionen der Krisenländer zu analysieren und zu bewerten, wobei der Schwerpunkt auf den zur Bewältigung ergriffenen Maßnahmen liegt.
Die Arbeit basiert auf einer vergleichenden Betrachtung der Krisenländer, wobei theoretische Erklärungsansätze (z.B. Mikroökonomik, Panik-Ansätze) mit der tatsächlichen empirischen Umsetzung und dem Erfolg der jeweiligen Maßnahmen in Beziehung gesetzt werden.
Im Hauptteil werden zunächst die Ursachen der Krise theoretisch aufgeschlüsselt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Makroebene (Stabilisierung) und der Mikroebene (Restrukturierung von Finanz- und Unternehmenssektoren).
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Asienkrise, Finanzkrise, IWF, Stabilisierungspolitik, Finanzsektorrestrukturierung, Moral Hazard und Kapitalverkehrskontrollen charakterisiert.
Südkorea wurde gewählt, da es besonders schnell, umfassend und erfolgreich auf die Krise reagierte, während Indonesien aufgrund politischer Schwierigkeiten sehr spät und unzureichend agierte.
Malaysia wich von den IWF-Empfehlungen ab und führte Kapitalverkehrskontrollen ein, um den Ringgit zu stabilisieren und einen autonomen geldpolitischen Spielraum zur Belebung der Binnenwirtschaft zu gewinnen.
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