Forschungsarbeit, 2010
31 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung: Glanz und Elend der Universitätsidee
2. Der Mythos Humboldt als Erfindung des 20. Jahrhunderts
3. Universität und Krise der Geistesaristokratie
4. Versuch einer Rehabilitierung der „Gralsburg“
5. Max Scheler und das Ernüchterungspotential des soziologischen Realismus
6. Der Streit um die Universität in der „verwissenschaftlichten Zivilisation“
7. Das kommunikative Potential der Universität und seine systemtheoretische Hinterfragung
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Streit um den normativen Gehalt der Universität im 20. Jahrhundert und analysiert, wie verschiedene wissenschaftstheoretische und bildungspolitische Entwürfe auf die Krise der klassischen Universitätsidee reagierten.
1. Einleitung: Glanz und Elend der Universitätsidee
Im April 1998 hält Jacques Derrida im Rahmen der „Presidential Lectures“ an der Stanford University einen international vielbeachteten Vortrag zur Zukunft der Universität. Es ist in diesem Zusammenhang vielleicht kein Zufall, dass Derrida von einer kalifornischen Eliteuniversität eingeladen wird, deren Siegel ein Satz des deutschen Humanisten Ulrich von Hutten ziert: „Die Luft der Freiheit weht“. Denn auch im überfüllten Hörsaal geht es an diesem Tag um nichts Geringeres als die Verteidigung der Freiheit der Universität als Prinzip.
Der Begründer der besonders an renommierten US-Literaturinstituten zu Einfluss gelangten dekonstruktivistischen Methode zeichnet in seiner Rede das Bild einer „université sans condition“, in den den auch an US-Hochschulen unter Legitimationsdruck geratenen humanities ein zentraler integrierender Stellenwert für die gesellschaftliche Funktion der Universität zukommt. In den Vereinigten Staaten stößt der Vortrag auf Begeisterung in den geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Auf Einladung seines alten Rivalen in der Kontroverse um den Begriff der Postmoderne, Jürgen Habermas, wiederholt Derrida den Vortrag 2001 in Frankfurt am Main und weiß seine Zuhörer auch dort in den Bann zu schlagen.
1. Einleitung: Glanz und Elend der Universitätsidee: Einführung in die aktuelle Problematik der Universität am Beispiel von Jacques Derridas Vortrag und Darstellung der Ambivalenz zwischen Ideal und Wirklichkeit.
2. Der Mythos Humboldt als Erfindung des 20. Jahrhunderts: Untersuchung der historischen Genese des Humboldt-Begriffs als ideologische Konstruktion des 20. Jahrhunderts.
3. Universität und Krise der Geistesaristokratie: Analyse der soziologischen Krise des Bildungsbürgertums und des Verhältnisses von klassischem Bildungsideal zu neuen gesellschaftlichen Eliten.
4. Versuch einer Rehabilitierung der „Gralsburg“: Betrachtung der Bemühungen von Akteuren wie C.H. Becker, die Universität als Ort zweckfreier Wissenschaft zu verteidigen.
5. Max Scheler und das Ernüchterungspotential des soziologischen Realismus: Darstellung der radikalen Kritik Max Schelers am Einheitsprinzip von Forschung und Lehre.
6. Der Streit um die Universität in der „verwissenschaftlichten Zivilisation“: Analyse der Auseinandersetzung zwischen Idealismus und Realismus im Kontext der Nachkriegszeit.
7. Das kommunikative Potential der Universität und seine systemtheoretische Hinterfragung: Diskussion von Habermas' Ansatz zur Rettung der Universität gegenüber der systemtheoretischen Kritik von Niklas Luhmann.
8. Fazit: Zusammenfassende Einordnung der Debatte um den normativen Gehalt der Universität als dauerhafte Herausforderung.
Universitätsidee, Humboldt, Bildung, Forschung, Lehre, Geisteswissenschaften, Soziologie, Max Scheler, Jürgen Habermas, Niklas Luhmann, Bildungsbürgertum, Normativität, Systemtheorie, Wissenschaftspolitik, Elite.
Die Arbeit analysiert den Diskurs über das Selbstverständnis und den normativen Gehalt der Universität im 20. Jahrhundert, insbesondere im Spannungsfeld zwischen klassischem Ideal und gesellschaftlichem Wandel.
Zentrale Felder sind die Bedeutung des Neuhumanismus, die soziologische Kritik an der akademischen Institution, das Verhältnis von Forschung zu Lehre und die Suche nach einer zeitgemäßen Identität der Universität.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie verschiedene Denker und Epochen mit der krisenhaften Wahrnehmung der Universität umgegangen sind und ob ein normativer Kern gegen rein funktionale Anforderungen bestehen kann.
Die Arbeit nutzt eine ideengeschichtliche und diskursanalytische Methode, um die Argumentationsmuster führender Theoretiker wie Humboldt, Scheler, Habermas und Luhmann vergleichend gegenüberzustellen.
Der Hauptteil beleuchtet die historischen Konstruktionen des Humboldt-Mythos, die Kritik der Geistesaristokratie und die Debatten um eine „verwissenschaftlichte Zivilisation“ und systemtheoretische Ansätze.
Die wichtigsten Begriffe sind Universitätsidee, Bildung, Forschung, Normativität, Systemtheorie und der soziologische Realismus.
Die Arbeit legt dar, dass die heute populäre Lesart des Humboldt-Modells erst in den 1920er Jahren ideologisch geformt wurde, um in einer krisenhaften Zeit eine zeitlose Legitimation für die Institution zu gewinnen.
Habermas versucht, die Universität als Ort des kommunikativen Handelns und der Selbstreflexion zu bewahren, während systemtheoretische Ansätze (Luhmann) die institutionelle Ausdifferenzierung als unumkehrbar betrachten.
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