Masterarbeit, 2012
86 Seiten, Note: 1,6
Einführung
1 Fragestellung
2 Bürgerschaftliches Engagement: Begriffliche Annäherung
2.1 Begriffsverwandtschaften: vom Ehrenamt zum Engagement
2.2 Definitorische Abgrenzung
2.2.1 Freiwilligkeit
2.2.2 Unentgeltlichkeit
2.2.3 Gemeinwohlorientierung
2.2.4 Abgrenzung des Bereichs: Sozialpolitische Orientierung
2.2.5 Motive
3 Bürgerschaftliches Engagement im Lichte dreier Diskurslinien
3.1 Zivilgesellschaftlicher Diskurs: Bürgergesellschaft, Zivilgesellschaft & Demokratie
3.2 Individualisierungsthese: Verantwortung & gestaltende AkteurInnen
3.3 Kommunitarismus: Sozialkapital, Demokratieförderung & Engagement
3.3.1 Sozialkapital und Demokratie
3.3.2 Sozialkapital und Engagement
3.3.3 Positive Effekte bürgerschaftlichen Engagements
3.3.4 Exkurs: Sozialkapital und Schule
3.4 Fazit
4 Theoretische Analysemodelle
4.1 Erklärungsmodell von Peter Schüll
4.2 Eingangsmotivationen von Keupp, Kraus & Straus
4.3 Der funktionale Ansatz
4.4 Wir-Sinn und fokussierte Motive
4.5 Weitere erklärende Befunde
4.6 Wahl der Analysemethode
5 Diskussion der theoretischen Erkenntnisse
6 Qualitative Untersuchung
6.1 Methode der Datenerhebung: Das problemzentrierte Interview
6.2 Erhebung der Daten
6.2.1 Vorgehen
6.2.2 InterviewteilnehmerInnen
6.3 Datenauswertung
6.3.1 Interviewprotokolle
6.3.2 Transkription
6.3.3 Auswertungsschritte
6.4 Einzelauswertung der Interviews
6.4.1 Inklusive Egalität
6.4.2 Inklusive Artikulation
6.4.3 Inklusive Kulturalität
6.4.4 Feldtranszendente Typen
7 Ergebnisdarstellung
7.1 Inklusive Egalität
7.2 Inklusive Artikulation
7.3 Inklusive Kulturalität
7.4 Feldtranszendente Typen
8 Diskussion und Ausblick
8.1 Diskussion der Ergebnisse
8.2 Diskussion des methodischen Vorgehens
8.2.1 Nennung in der Arbeit vs. Datenschutz
8.2.2 Ausschluss von der Analyse
8.3 Ausblick
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die biographischen Ursachen und Beweggründe für sozialpolitisches Erstengagement. Basierend auf einem holistischen Analysemodell wird erforscht, wie individuelle Lebensläufe und subjektive Sinnkonstruktionen dazu führen, dass Menschen aktiv Verantwortung in der Zivilgesellschaft übernehmen.
Wir-Sinn und fokussierte Motive
Michael Corsten und Michael Kauppert (2007, S. 346) vertreten in ihrem Aufsatz zu „Wir-Sinn und fokussierte Motive“ im Zusammenhang mit bürgerschaftlichen Engagement die These,
dass es keine Motive für bürgerschaftliches Engagement als solches gibt. Bürgerschaftliches Engagement wird in weiten Teilen der Forschung nicht in den Zusammenhang der Biographie und deren sinnstruktureller Verfassung gestellt, sondern als separate Handlungsoption eines rational operierenden, von Entscheidung zu Entscheidung, von Motiv zu Motiv eilenden Akteurs betrachtet. Aus dieser artifiziellen Komposition ergeben sich zum Teil Schlussfolgerungen, die als evident ausgeben, was in höchstem Maße unplausibel erscheint – etwa, wenn „Spaß haben“ als gewichtiges Motiv für die Aufnahme eines freiwilligen Engagements genannt wird.
Geleitet von dieser Annahme entwarfen die Autoren ein Modell, das bürgerschaftliches Engagement aufgrund von einem Wir-Sinn, der AkteurInnen auf die praktische Logik bestimmter sozialer Felder ausrichtet, und fokussierten Motiven, die die Beweggründe zu einem Leitkomplex bündeln, von denen sie sich biographisch bestimmen lassen. Diese Begriffe stellen die Voraussetzungen für bürgerschaftliches Engagement dar und sollen weiter erläutert werden:
Einführung: Darstellung der Relevanz bürgerschaftlichen Engagements und Einleitung in die Fragestellung nach den Gründen für sozialpolitisches Erstengagement.
1 Fragestellung: Definition des Ziels, die biographischen Gründe für sozialpolitisches Engagement anhand des Modells nach Corsten und Kauppert zu identifizieren.
2 Bürgerschaftliches Engagement: Begriffliche Annäherung: Differenzierung der Begrifflichkeiten und Festlegung der vier Kriterien Freiwilligkeit, Unentgeltlichkeit, Gemeinwohlorientierung und sozialpolitische Orientierung.
3 Bürgerschaftliches Engagement im Lichte dreier Diskurslinien: Analyse der gesellschaftlichen Debatte anhand der Zivilgesellschaft, der Individualisierungsthese und des Kommunitarismus.
4 Theoretische Analysemodelle: Vorstellung der theoretischen Grundlagen für die Untersuchung, mit Fokus auf das Modell des „Wir-Sinns“ und der „fokussierten Motive“.
5 Diskussion der theoretischen Erkenntnisse: Kritische Auseinandersetzung mit den Erwartungen an Engagementformen und der Kategorisierung von Engagementbereichen.
6 Qualitative Untersuchung: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise mittels problemzentrierter Interviews sowie deren Auswertung.
7 Ergebnisdarstellung: Zusammenführung der Einzelauswertungen und Identifikation von Typen wie „inklusiver Egalität“.
8 Diskussion und Ausblick: Zusammenfassende Diskussion der Ergebnisse und Ableitung praktischer Impulse für die Förderung von Engagement in Bildungseinrichtungen.
Sozialpolitisches Engagement, Biographie, problemzentrierte Interviews, Wir-Sinn, fokussierte Motive, Zivilgesellschaft, Sozialkapital, Demokratieförderung, Freiwilligkeit, Gemeinsinn, Partizipation, Identitätsentwicklung, politische Integrität.
Die Arbeit untersucht die biographischen Gründe, warum Menschen sich sozialpolitisch engagieren, und hinterfragt dabei die Entstehung dieser Engagements im Laufe der Lebensgeschichte.
Die Untersuchung deckt die Bereiche Zivilgesellschaft, Kommunitarismus, individuelle Lebensführung und die psychologischen Aspekte von ehrenamtlichem Engagement ab.
Ziel ist es, das "Wie" des Entstehens von sozialpolitischem Engagement zu verstehen, indem komplexe Einzelfälle anhand eines holistischen Analysemodells untersucht werden.
Die Autorin verwendet die Methode des problemzentrierten Interviews nach Andreas Witzel, um biographische Daten zu erheben und diese interpretativ auszuwerten.
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Ansätze diskutiert, gefolgt von einer empirischen qualitativen Untersuchung von zehn Personen, deren Engagementbiographien detailliert rekonstruiert werden.
Wesentliche Begriffe sind "Wir-Sinn", "fokussierte Motive", "Engagementbiographie", "Sozialkapital" und "biographische Passung".
Im Gegensatz zu Modellen, die Motive isoliert betrachten, wählt dieses Modell einen ganzheitlichen Ansatz, der das Engagement in den Kontext der gesamten Biographie stellt.
Der Wir-Sinn dient als Orientierungsmuster, das Akteure für bestimmte soziale Felder sensibilisiert und ihnen den Sinn für eine soziale Praxis vermittelt.
Die Arbeit belegt, dass sozialpolitisches Engagement nicht zufällig entsteht, sondern vollständig auf der biographischen Entwicklung und den darin verankerten Motiven beruht.
Sie empfiehlt, Engagement in Schulen durch attraktive Anreize oder freie Wahlfächer erlebbar zu machen, um die Ausbildung eines "Wir-Sinns" frühzeitig zu fördern.
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