Essay, 2011
11 Seiten, Note: 1,0
1. Wie privat ist das Politische noch? Oder: Kann Freundschaft noch als politische Kategorie gedacht werden?
2. Derrida und die vernachlässigten Aspekte der Freundschaft
3. Kritik der Postmoderne: Derridas Freundschafts-Lesart als "eleganter Unsinn"?
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial einer Repolitisierung des Privaten durch eine Auseinandersetzung mit Jacques Derridas Denken der Freundschaft, wobei sie das Spannungsfeld zwischen klassischer Konzeption und moderner gesellschaftlicher Aporie analysiert.
Derrida und die vernachlässigten Aspekte der Freundschaft
Möchte man im Anspruch des philosophischen Programms von Derrida ein zentrales Motiv ausmachen, so ist dies wohl die Kritik gegenüber dem Logozentrismus in der europäischen Philosophie. Die berühmte dekonstruktivistische Methode kann als Instrumentarium dieses kritischen Anspruchs verstanden werden, um Kategorien wie Sprache, Wahrheit und Schrift neu zu denken. Was nun aber bringt Derrida zum Nachdenken über die Freundschaft?
Derrida konstatiert zunächst, dass die europäisch-westliche Philosophietradition die Freundschaft stets im Zusammenhang mit Tugend, Moral, Gerechtigkeit und politischer Vernunft in Verbindung gebracht hat. Derrida sieht hier eine weitgehend konsistente Linie von Aristoteles und Platon über Cicero bis zu Montaigne und schließlich Hegel. Er interessiert sich besonders für die Brüche und Paradoxien, die in den klassischen Konzeptionen von Freundschaft liegen. Ausgehend von Aristoteles berühmter Antwort auf die Frage "Was ist ein Freund?", die auch für Montaignes Essai "Über die Freundschaft" leitmotivisch ist, ("Eine einzige Seele, die in zwei Körpern wohnt"), fragt sich Derrida nach den unheimlichen und beunruhigenden Implikationen dieser vielzitierten Vorstellung. Die Antwort impliziert für Derrida, dass ein Freund nie einen eigenen Ort der Intimität besitzt, denn stets könnte der Körper des Freundes oder wiederum er selbst der Körper des Freundes sein.
1. Wie privat ist das Politische noch? Oder: Kann Freundschaft noch als politische Kategorie gedacht werden?: Dieses Kapitel beleuchtet die aktuelle Spannung zwischen der Privatisierung der Freundschaft und ihrer möglichen Rolle als politisches Instrumentarium unter Bezugnahme auf verschiedene philosophische Ansätze.
2. Derrida und die vernachlässigten Aspekte der Freundschaft: Das Kapitel dekonstruiert klassische Freundschaftsmodelle durch Derridas Perspektive und untersucht dabei besonders die Paradoxien der Intimität und des "Wir"-Begriffs.
3. Kritik der Postmoderne: Derridas Freundschafts-Lesart als "eleganter Unsinn"?: Dieses Kapitel setzt sich mit der Kritik am poststrukturalistischen Denken auseinander und verteidigt Derridas Methode der produktiven Lektüre als wertvollen Beitrag zum gegenwärtigen politischen Denken.
Jacques Derrida, Freundschaft, Politik des Privaten, Dekonstruktion, Aristoteles, Montaigne, Carl Schmitt, Intersubjektivität, Politische Kategorie, Gemeinschaft, Identität, Logozentrismus, Differenz, Ethik, Postmoderne.
Die Arbeit untersucht das philosophische Verständnis von Freundschaft und hinterfragt, ob und wie diese als politisch relevante Kategorie jenseits ihrer rein privaten Bedeutung gedacht werden kann.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Privatem und Politischem, die Dekonstruktion klassischer Freundschaftsbegriffe sowie die Frage nach Inklusion und Exklusion innerhalb politischer Gemeinschaftsbildungen.
Das Ziel ist die Repolitisierung des Privaten durch Derridas Denken, um eine alternative Form der Verbundenheit aufzuzeigen, die ohne einen ausgrenzenden "Feind" auskommt.
Die Arbeit nutzt die dekonstruktivistische Methode Derridas, um durch gezielte Lektüre klassischer Texte verborgene Paradoxien und Aporien in der philosophischen Tradition aufzudecken.
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Freundschaft bei Denkern wie Aristoteles und Montaigne, deren Gegenüberstellung mit Carl Schmitts Politikbegriff und der kritischen Reflexion von Derridas Ansatz.
Die zentralen Begriffe sind Dekonstruktion, Repolitisierung des Privaten, Intersubjektivität, Freund-Feind-Unterscheidung und der Derrida'sche Begriff der Gemeinschaft ohne Gemeinschaft.
Derrida bricht mit dem Ziel der Identität oder Einheit ("Eine Seele in zwei Körpern") und betont stattdessen die radikale Differenz, Asymmetrie und die Unmöglichkeit einer geschlossenen Identität.
Schmitt dient als negativer Referenzpunkt, da er das Politische zwingend über die Ausgrenzung eines Feindes definiert, was Derrida als Gegenmodell zur politischen Freundschaft adressiert.
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