Doktorarbeit / Dissertation, 2012
218 Seiten
1 Einleitung
2 Das Streben nach Gleichheit versus Präferenz der Ungleichheit
2.1 Der grundlegende Gegensatz zwischen Egalitarismus und Non-Egalitarismus
2.2 Zum Stand der Forschung
2.3 Abstufungen innerhalb des (non-)egalitaristischen Denken
3 Philosophische Positionen zur sozialen Gerechtigkeit
3.1 Egalitaristen
3.1.1 John Rawls
3.1.2 Richard Arneson
3.1.3 Stefan Gosepath
3.2 Non-Egalitaristen
3.2.1 Friedrich Nietzsche
3.2.2 Robert Nozick
3.2.3 Harry Frankfurt
4 Norberto Bobbio – Übergang von der theoretischen Debatte zum empirischen Teil
5 Soziale Gerechtigkeit in der BRD – Begriffliche und empirische Annäherung
5.1 Zur Begriffsgeschichte der sozialen Gerechtigkeit
5.2 Gesellschaftliche Beziehungsformen und soziale Gerechtigkeit
5.3 Studien und Zahlen zur Thematik
5.3.1 Experimente zur Egalitarismusforschung
5.3.2 Umfragen und Einstellungen zur sozialen Gerechtigkeit
5.3.3 Zustimmung zum Egalitarismus und Individualismus
5.3.4 Das Sozialwesen in Deutschland
5.3.5 Empirische Daten zur Wahrnehmung sozialer Gerechtigkeit in Deutschland unter Parlamentariern
6 Historischer Exkurs: Gerechtigkeitsvorstellungen im Nationalsozialismus (1933–1945)
6.1 Rassische Vorstellungen, die Ungerechtigkeit legitimieren
6.1.1 Hitlers rassisch-elitäres Denken
6.1.2 Kulturschaffende Völker
6.1.3 Kulturtragende Völker
6.1.4 Kulturzerstörende Völker
6.2 Begriff der „sozialen Gerechtigkeit“ bei Hitler
6.3 Rosenbergs Vorstellungen
6.4 Goebbels Ansichten
6.5 Konsequenz aus der grundlegenden Ungleichheit der Menschen
6.6 Recht unter dem Hakenkreuz
6.6.1 Juristen als Helfer des Bösen
6.6.2 Nürnberger Gesetze – Recht ohne Gerechtigkeit
6.7 Zusammenfassung der NS-Gerechtigkeitsvorstellung
7 Gerechtigkeitsvorstellungen in den deutschen Parteien nach dem 2. Weltkrieg
7.1 Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands
7.1.1 Geschichte der SPD bis 1945
7.1.2 Die SPD seit 1945
7.2 Bündnis 90/Die Grünen
7.3 DIE LINKE
7.4 CDU/CSU
7.5 FDP
8 Abschließende Betrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld der sozialen Gerechtigkeit im Deutschland des 20. und 21. Jahrhunderts durch eine Verknüpfung philosophischer Theorien mit empirischen Daten und politischer Praxis. Ziel ist es, die Positionen der im Bundestag vertretenen Parteien entlang einer Achse zwischen Egalitarismus und Non-Egalitarismus einzuordnen und zu analysieren, wie gerechtigkeitstheoretische Grundannahmen in das politische Handeln einfließen.
3.1.1 John Rawls
Interessanterweise weicht gerade der bedeutendste egalitaristische Denker der Neuzeit, John Rawls (1921–2002), vom Konzept der Ausgleichsbedürftigkeit gesundheitlicher Mängel als eines unverschuldeten Handicaps ab. In seiner Grundgüterlehre spielen soziale, ökonomische und freiheitliche Grundrechte eine zentrale Rolle. Hinsichtlich dieser Güter soll Gleichheit hergestellt werden. Es kann demnach seiner Konzeption als Manko angerechnet werden, dass Gesundheit als unverschuldeter Mangel nicht vorkommt. Die Gesundheit bildet in seinem Denken keine eigenständige, ausgleichsbedürftige Grundgutkategorie und wird nicht expressis verbis als Maßstab für die Herstellung von Gerechtigkeit genannt. Dennoch spricht er in seinem Aufsatz über Verteilungsgerechtigkeit davon, dass es eine „Unverletzlichkeit“ gibt, die „nicht einmal durch das Wohlergehen aller anderen außer Kraft gesetzt werden kann.“ Dies bedeutet zum Beispiel, dass man körperliche Leiden nicht dergestalt ausgleichen darf, dass man einem Todgeweihten die Organe entnimmt und sie transplantiert, um einem anderen Menschen das Weiterleben zu ermöglichen.
1 Einleitung: Einführung in die historische Bedeutung der Gerechtigkeitsdebatte und Definition der zentralen Begriffe Egalitarismus und Non-Egalitarismus als analytischer Rahmen.
2 Das Streben nach Gleichheit versus Präferenz der Ungleichheit: Theoretische Auseinandersetzung mit der Begriffsdefinition von Gleichheit und dem Stand der wissenschaftlichen Forschung dazu.
3 Philosophische Positionen zur sozialen Gerechtigkeit: Detaillierte Darstellung der Positionen zentraler Denker wie Rawls, Arneson, Gosepath, Nietzsche, Nozick und Frankfurt.
4 Norberto Bobbio – Übergang von der theoretischen Debatte zum empirischen Teil: Vorstellung des Koordinatensystems von Norberto Bobbio zur Unterscheidung von linker und rechter Programmatik.
5 Soziale Gerechtigkeit in der BRD – Begriffliche und empirische Annäherung: Untersuchung der Einstellungen in der deutschen Bevölkerung und Darstellung wichtiger Studien zur Gerechtigkeitswahrnehmung.
6 Historischer Exkurs: Gerechtigkeitsvorstellungen im Nationalsozialismus (1933–1945): Analyse der rassistisch legitimierten Ungerechtigkeit und der NS-Ideologie als radikale Gegenposition zu egalitären Werten.
7 Gerechtigkeitsvorstellungen in den deutschen Parteien nach dem 2. Weltkrieg: Analyse der Programmatik der im Bundestag vertretenen Parteien und deren Einordnung in das theoretische Schema.
8 Abschließende Betrachtung: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Fazit zur aktuellen Entwicklung der politischen Parteien in Deutschland.
Soziale Gerechtigkeit, Egalitarismus, Non-Egalitarismus, Umverteilung, Leistungsgerechtigkeit, John Rawls, Robert Nozick, Sozialstaat, Deutschland, Parteiprogramme, Parteienforschung, Politische Theorie, Chancengleichheit, Wertesystem, Parteien.
Die Arbeit analysiert die gerechtigkeitstheoretischen Grundlagen politischer Begriffe wie „links“ und „rechts“ und untersucht, wie diese theoretischen Konzepte in die Programme und das Handeln deutscher Parteien einfließen.
Die Themenfelder umfassen die philosophische Debatte zwischen Egalitarismus und Non-Egalitarismus, empirische Gerechtigkeitsforschung in der Bevölkerung sowie die politische Programmatik in der Bundesrepublik Deutschland.
Das primäre Ziel ist es, die Parteien im Bundestag auf einer theoretischen Horizontalachse zwischen Egalitarismus und Non-Egalitarismus einzuordnen und zu prüfen, inwieweit ihr politisches Handeln mit diesen theoretischen Konzepten korrespondiert.
Die Arbeit verknüpft politikwissenschaftliche Theorie (insbesondere die Arbeiten von Norberto Bobbio und John Rawls) mit einer Analyse von Parteiprogrammen, Umfragedaten und historisch-politischen Diskursen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch verschiedene Philosophen, einen empirischen Teil über Einstellungen in Deutschland sowie eine detaillierte Analyse der Parteien SPD, Grüne, DIE LINKE, CDU/CSU und FDP.
Soziale Gerechtigkeit, Egalitarismus, Non-Egalitarismus, Leistungsgerechtigkeit, Umverteilung und Politische Programmatik sind die zentralen Begriffe der Untersuchung.
Während die FDP als liberale Partei primär auf individuelle Leistung und Eigenverantwortung setzt (Non-Egalitarismus), fordert DIE LINKE als radikal egalitaristische Partei eine umfassende Umverteilung und staatliche Absicherung zur Verringerung von Ungleichheiten.
Der Exkurs verdeutlicht die grausamste Ausprägung des Non-Egalitarismus, indem er zeigt, wie eine Ideologie fundamentaler Ungleichheit zur Legitimation von massiven Verbrechen genutzt wurde.
Die Untersuchung zeigt, dass die SPD sich mit dem Godesberger Programm von einer sozialistischen Arbeiterpartei hin zu einer moderat egalitaristischen Volkspartei gewandelt hat, was sich auch in den Reformen der Agenda 2010 widerspiegelt.
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