Bachelorarbeit, 2012
41 Seiten, Note: 1,00
1 EINLEITUNG
2 LÄNDERSPEZIFISCHE ENTWICKLUNGEN
2.1 England
2.2 Frankreich
2.3 Deutschland
2.4 Die Weltausstellung der Industrie von 1851
3 RESTRUKTURIERUNG DER WIRTSCHAFT
3.1 Handwerk und Zünfte
3.2 Kapitalakkumulation des Frühkapitalismus und dessen Expansionsbestrebung
4 ORGANISATION DES DETAILHANDELS
4.1 Übernahme industrieller Formen in den Handel
4.2 Der Handel
4.3 Transport und Lage als Erfolgsfaktoren des Warenhauses
4.4 Stilisierte Globalisierung
5 DIE GESELLSCHAFT DER MODERNE
5.1 Theoretische Betrachtungen
5.1.1 Innengerichteter Konsum
5.1.2 Demonstrativer Konsum
5.1.3 Konsum der Individualisierung
5.2 Moderne Gesellschaft: ein Ort der „Gleichberechtigung“?
5.2.1 Demokratisierung des Konsumierens
5.2.2 Schaffung neuer Geschlechterverhältnisse
6 DIE ARCHITEKTUR DES WARENHAUSES
6.1 Warenpräsentation
6.2 Technik der Moderne
7 QUELLENINTERPRETATION : PAUL GÖHRE ÜBER DAS WARENHAUS
8 MODERNE RELIGION
9 RESÜMEE
Die vorliegende Arbeit untersucht das frühe Warenhaus als zentrales Symbol und Motor der Moderne zwischen 1850 und 1910. Ziel ist es, die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und architektonischen Bedingungen zu analysieren, die zur Etablierung des Warenhauses als "Tor zur Moderne" führten und inwiefern es die Transformation zur kapitalistischen Konsumgesellschaft manifestiert.
Die Architektur des Warenhauses
So, wie die Organisationsstruktur des Waren- oder Kaufhauses sich aus überdachten Markhallen entwickelte, kann analog dazu die genealogische Veränderung seiner architektonischen Form gesehen werden. Eingebettet in zeitgenössische Bauweisen war das Warenhaus immer ein Ort der Warenpräsentation und Schaulust. Durch die Betrachtung der frühen Gebäudeformen europäischer Departmentstores und Grand Magazins wird zum einen klar, welche Wichtigkeit die Gesellschaft diesen Tempeln der Kauflust, andererseits sich selbst beimaß; spiegeln sie doch die Anfänge gekonnter Selbstinszenierung und beabsichtigter Selbsterhöhung wider.
Mittels historisierender Inszenierung wurde das Warenhaus baulich in die zeitgenössische Moderne eigegliedert, welche für Museen, Regierungsgebäude und Brücken bezeichnend war. So avancierte es zu einem Zentrum technischer und organisatorischer Innovation sowie der Konsumentendemokratisierung – und schließlich zu einem Fixum im modernen Stadtbild. Auch die Reflektionen und Betrachtungen der Zeitgenossen geben Einblick in die tiefen Veränderungen, die ihren real erlebbaren Ausdruck in der Installierung der großen Warenhäuser in den Metropolen Europas fanden. So heißt es in Paul Göhres früher Auseinandersetzung mit der europäischen Kultur der Jahrhundertwende über die Eingangshalle des Kaufhauses „Wertheim“ in Berlin:
[Man] denke an den herrlichsten und größten Versammlungssaal in Deutschland, an die mächtige Einfahrtshalle des modernen Zentralbahnhofs, an den prunkvollsten Krönungssaal unserer Fürstenschlösser, an das dämmrige Riesenschiff des Kölner Doms: von allen diesen Räumen ist etwas in ihm, mit ihnen allen ist er verwandt; ihnen allen erscheint er gleichwertig und ebenbürtig.
1 EINLEITUNG: Die Einleitung etabliert das Warenhaus als gesamtheitliches Selbstzeugnis der Moderne und formuliert die Forschungsfrage nach den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen für dessen Etablierung.
2 LÄNDERSPEZIFISCHE ENTWICKLUNGEN: Dieses Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Ursprünge der Warenhäuser in England, Frankreich und Deutschland unter Einbeziehung der Weltausstellung von 1851.
3 RESTRUKTURIERUNG DER WIRTSCHAFT: Hier wird der Übergang von traditionellen Handwerks- und Zunftstrukturen hin zu kapitalistischen Produktions- und Finanzverhältnissen beleuchtet.
4 ORGANISATION DES DETAILHANDELS: Das Kapitel analysiert die Übernahme industrieller Organisationsformen in den Einzelhandel, die Rolle von Fixpreisen sowie die Bedeutung von Transport und Standortwahl.
5 DIE GESELLSCHAFT DER MODERNE: Dieser Teil befasst sich mit soziologischen Theorien zum Konsum, der Individualisierung und der Rolle des Warenhauses als Ort der vermeintlichen gesellschaftlichen Demokratisierung.
6 DIE ARCHITEKTUR DES WARENHAUSES: Hier wird die bauliche Gestaltung als Mittel der Inszenierung und die Bedeutung technischer Innovationen für das Warenhaus untersucht.
7 QUELLENINTERPRETATION : PAUL GÖHRE ÜBER DAS WARENHAUS: Eine Analyse von Paul Göhres zeitgenössischem Werk, das die "Lücke" in der Warenhausbeschreibung zu füllen suchte und das Warenhaus in einen sozialpsychologischen Kontext einordnete.
8 MODERNE RELIGION: Dieses Kapitel diskutiert die Transformation des Konsums zur "Religion des Marktes" und die sakrale Überhöhung der Ware im modernen Kontext.
9 RESÜMEE: Die abschließende Zusammenfassung reflektiert das Warenhaus als Schnittstelle zwischen Individuum und Gesellschaft und bestätigt dessen Rolle als Denkmal der modernen Gesellschaftsform.
Warenhaus, Moderne, Konsumgesellschaft, Kapitalismus, Industrialisierung, Detailhandel, Selbstinszenierung, Gesellschaftsstruktur, Warenpräsentation, Globalisierung, Individualisierung, Demokratisierung, Konsum, Architektur, Sozialgeschichte.
Die Arbeit untersucht das frühe Warenhaus (1850–1910) als zentralen Angelpunkt und Symbol der Moderne, das die Transformation menschlicher Gesellschaften hin zum Konsumkapitalismus maßgeblich prägte.
Die Arbeit deckt die wirtschaftliche Restrukturierung des Handels, die Rolle gesellschaftlicher Normen, die Bedeutung von Architektur und Technik sowie soziologische Aspekte des Konsumverhaltens ab.
Die Arbeit fragt danach, inwiefern das Warenhaus als "Tor zur Moderne" zu verstehen ist und welche gesamtgesellschaftlichen Veränderungen es widerspiegelt.
Es wird ein sozialgeschichtlicher Ansatz gewählt, der theoretische Modelle mit einer historischen Analyse zeitgenössischer Quellen und Diskursen kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der länderübergreifenden Entwicklung, die wirtschaftliche Organisation des Detailhandels, soziologische Theorien des Konsums, die Bedeutung der Warenhausarchitektur und eine quellenkritische Interpretation von Paul Göhre.
Die wichtigsten Begriffe sind Warenhaus, Moderne, Konsumkapitalismus, Individualisierung, industrielle Organisation und gesellschaftliche Transformation.
Göhres 1907 veröffentlichtes Buch gilt als eine der ersten systematischen Beschreibungen des Warenhauses und bietet einen direkten Einblick in den zeitgenössischen sozialpsychologischen Diskurs.
Die Arbeit argumentiert, dass durch die "Entzauberung der Welt" im Zuge der Aufklärung Konsum und Marktprozesse eine sakrale Position einnahmen und somit die Waren zu Objekten eines neuen Glaubens wurden.
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