Diplomarbeit, 2012
114 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Terminologie und verwendeter Ansatz
3. Ausschnitt analytischer Ansätze zum Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine
4. Außenpolitische Doktrinen russischer Föderation
4.1 Die Anfänge außenpolitischen Denkens im neuen Russland
4.2 Zwischen 1994 und 2000
4.3 Unter Putin und Medwedew
5. Russische Energiepolitik
5.1 Determinanten des Ausbaus des russischen Energiesektors
5.2 Der Sicherheitsfaktor
6. Russisch-ukrainischer Gaskonflikt
6.1 Chronik des Gasstreits
6.2 Typus des russisch-ukrainischen Gaskonflikts
7. (Politische) Erpressung und der Zwang zur Vertragsunterzeichnung
8. Situationsstruktureller Ansatz
8.1 Politische Erpressung - ein defektives Konfliktverhalten
8.2 Machtverteilung zwischen den beteiligten Akteuren
8.2.1 Russland vs. Ukraine: (A)-symmetrie der Machtverteilung im Gaskonflikt
8.2.2 Chronik des gegenseitigen Kräftemessens
8.3 Politische Erpressung und „shadow of the future“
8.4 Der Mechanismus der synchronen Iteration
8.5 Qualität der Gesamtbeziehungen
8.5.1 Politische Dimension
8.5.2 Wirtschaftliche Dimension
9. Das Zwangsphänomen bei Friedrich von Hayek
9.1 Der Zweck und die Struktur des Zwanges
9.2 Die Intention Russlands im Gaskonflikt
9.3 Segmente der Zwangsstruktur
9.3.1 Schadensandrohung im Konflikt
9.3.1.1 Zahlungs- und Preisforderungen als Zwangsgegenstand
9.3.1.2 Russlands Monopolstellung
9.3.1.3 Schweregrad des Zwangs
9.3.1.4 Temporäre Reihenfolge im Zwangsmechanismus
9.3.1.5 Schadensandrohung im Konflikt
9.3.1.5.1 Der Begriff „Drohung“
9.3.1.5.2 Glaubwürdigkeitskriterien der Drohung
9.3.1.5.3 Sekundäre Kriterien der glaubwürdigen Drohung
9.3.1.5.4 Der Glaubwürdigkeitskriterium des Kommunikationsabbruchs
9.3.1.6 Synchrone Iteration und Kommunikationsfaktor-Wechselwirkung
9.3.1.6.1 Effizienz der synchronen Iteration 2008 - 09
9.3.1.6.2 Kommunikative Dimension des Konflikts
9.3.1.7 Russlands Schadensandrohung der Ukraine: nicht vorhanden
9.3.2 Lenkung des Verhaltens des Gezwungenen
9.4 Analysebilanz
10. Schlussbemerkungen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die russisch-ukrainischen Gasdispute im Zeitraum von 2005 bis 2011, um die zentrale Forschungsfrage zu klären, ob Russlands Handeln im bilateralen Gasgeschäft als politische Erpressung zu klassifizieren ist oder ein adäquates Konfliktverhalten darstellt. Dabei wird das russische Vorgehen auf Basis theoretischer Ansätze zur Erpressung und Machtverteilung kritisch hinterfragt.
1 EINLEITUNG
Die Staaten-Energieressourcenproduzenten stehen gelegentlich dem Vorwurf einer Instrumentalisierung eigener Energieressourcen für politische Zwecke gegenüber. Auch Russland geriet wegen der angeblichen Verwendung seiner Energieressourcen als illegitime Instrumente für politische Interessenpositionierung im Gasdisput mit der Ukraine in 2005 - 06 auf die Anklagebank. Dieser Disput endete im Januar 2006 in einem Gaslieferstopp für die Ukraine. Russland wurde des Schürens eines Gaskrieges, der Anwendung der „Energiewaffe“ und der „imperialen Ambitionen“ beschuldigt.
Im Januar 2009 geriet Russland erneut unter heftige Kritik, nachdem es auf die Praktik des Lieferstopps für ukrainische Gaskunden wiederholt zurückgegriffen hatte. Die Russische Föderation (RF) sah sich wieder mit den Vorwürfen der Verwendung des Gases als Waffe und somit der politischen Erpressung der Ukraine konfrontiert.
Der Gaskonflikt mit der Ukraine ist in Russlands Gasgeschäften der am längsten andauernde (aktuell noch nicht abgeschlossene) und (wegen seiner Folgen für Dritte) mit weltweiter Resonanz ablaufende Disput. Diese zwei Indikatoren des Gasdisputs determinierten eine enorme Aufmerksamkeit von Seiten Dritter. Vor diesem Hintergrund bietet sich der russisch-ukrainische Gasdisput als Materie an, mittels derer das Problem der Nutzung von Energieressourcen als Instrument für politische Erpressung objektiviert werden kann.
Als einer der längsten Gasdispute Russlands, vereint er in sich die Verhaltensmuster, auf die Russland mehr oder weniger in seinen weiteren Gaskonflikten, wie z. B. mit Georgien, Polen, Belarus, zurückgegriffen hatte. Deswegen fokussiert sich die Analyse der vorliegenden Arbeit auf den Gasdisput zwischen Russland und der Ukraine, um basierend auf den Ergebnissen dieser Fallanalyse eine Generalisierung für Russlands Verhalten in weiteren Gasdisputen abzuleiten.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Gaskonflikte zwischen Russland und der Ukraine und Darlegung der zentralen Forschungsfrage zur politischen Erpressung.
2. Terminologie und verwendeter Ansatz: Definition grundlegender Begriffe wie Energieressourcen und Erpressung sowie Einführung des theoretischen Analyserahmens.
3. Ausschnitt analytischer Ansätze zum Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine: Kritische Auseinandersetzung mit bisherigen, häufig tendenziösen Analysen des Gasdisputs durch verschiedene Experten.
4. Außenpolitische Doktrinen russischer Föderation: Untersuchung der Entwicklung russischer außenpolitischer Konzepte seit dem Zerfall der UdSSR bis zur Ära Medwedew.
5. Russische Energiepolitik: Analyse der energiepolitischen Ziele Russlands und der Bedeutung des Sicherheitsfaktors in der Energieversorgung.
6. Russisch-ukrainischer Gaskonflikt: Chronologische Darstellung der Gasstreitigkeiten und Bestimmung des Konflikttyps.
7. (Politische) Erpressung und der Zwang zur Vertragsunterzeichnung: Theoretische und völkerrechtliche Einordnung des Begriffs der politischen Erpressung in zwischenstaatlichen Verhältnissen.
8. Situationsstruktureller Ansatz: Anwendung des Modells von Michael Zürn zur Analyse der Machtverteilung und der strategischen Dynamiken im Gaskonflikt.
9. Das Zwangsphänomen bei Friedrich von Hayek: Tiefergehende theoretische Untersuchung der Zwangsstruktur, der Intention Russlands und der spezifischen Segmente des Zwangsmechanismus.
10. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfrage, ob von einer Erpressung Russlands gesprochen werden kann.
Russland, Ukraine, Gaskonflikt, Energiepolitik, politische Erpressung, Machtverteilung, Erdgas, Gazprom, Energiesicherheit, Zwang, Friedrich von Hayek, Michael Zürn, Geopolitik, Transit, Gaslieferstopp
Die Diplomarbeit untersucht, ob Russland seine Energieressourcen (Erdgas) systematisch als Instrument politischer Erpressung gegen die Ukraine einsetzt oder ob die Konflikte auf rational begründeten Interessen basieren.
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der russischen Außenpolitik und Energiepolitik, der rechtlichen und theoretischen Definition von Zwang und Erpressung sowie der detaillierten Fallstudie des russisch-ukrainischen Gasstreits.
Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob das Handeln Russlands im bilateralen Gasgeschäft mit der Ukraine tatsächlich die Qualitäten einer politischen Erpressung aufweist oder ob es sich um ein den Umständen entsprechendes, rationales Konfliktverhalten handelt.
Die Arbeit stützt sich auf eine systematische Fallanalyse. Sie nutzt den situationsstrukturellen Ansatz von Michael Zürn sowie den Zwangsbegriff nach Friedrich von Hayek, um das Konfliktverhalten wissenschaftlich fundiert zu bewerten.
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der historischen Entwicklungen der russischen Außenpolitik, die Analyse der Gasdispute (insb. 2005-2009), die Untersuchung der machtpolitischen Asymmetrien und die Anwendung der theoretischen Konzepte von Zwang auf die spezifischen Ereignisse des Gasstreits.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Russland, Ukraine, Gaskonflikt, Energiepolitik, politische Erpressung, Machtverteilung, Gas-Transit und Energiesicherheit.
Die Arbeit identifiziert die Verknüpfung von Sachfragen (Issue-Linkage) als eine von beiden Seiten genutzte Methode, um Verhandlungspositionen zu stärken, wobei die Ukraine versucht hat, Themen wie die Schwarzmeerflotte in die Gasverhandlungen einzubringen.
Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass das russische Konfliktverhalten nicht als Erpressung nach den Kriterien von Hayek definiert werden kann, da die notwendigen Komponenten für einen Zwang (Schadensandrohung zur Willensunterwerfung in Kombination mit einer effektiven Lenkung) nicht eindeutig nachweisbar sind.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

