Magisterarbeit, 2010
112 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Vorbemerkungen
2.1 Vom Kolonialismus zur Globalisierung
2.1.1 Europäische Expansion und Entstehung des Nord-Süd-Gefälles
2.1.2 Dekolonisierung und strukturelle Ungleichheit
2.1.3 Globalisierung und das Ende der westlichen Vorherrschaft
2.2 Indiens Weg von der Kolonie zur aufstrebenden Wirtschaftsmacht
2.2.1 Kolonialherrschaft und Folgen für die indische Wirtschaft
2.2.2 Indische Unabhängigkeit und Abschottungspolitik
2.2.3 Indien seit 1991: Aufstieg einer asiatischen Wirtschaftsmacht
2.3 Entwicklung der deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen
3. Orientalismuskritik
3.1 Vorbemerkungen
3.1.1 Theoretischer Rahmen
3.1.2 Orientalismusbegriff
3.2 Das orientalistische Indienbild nach Said und Inden
3.2.1 Die „Erfindung“ des Orients
3.2.2 Der Orient als überholter Ursprung Europas
3.2.3 Der Orient als „Anderer“ des Westens
3.2.4 Wissen, Macht und Kontinuität
3.3 Kritik und Wirkung
3.3.1 Kritik an der Kritik
3.3.2 Wirkungsgeschichte
4. Deutschland im postkolonialen Diskurs über Indien
4.1 Der deutsche Orient bei Said und Inden
4.2 Überprüfung der Sonderstellung des deutschen Orients
4.2.1 Der deutsche romantische Orient
4.2.2 Deutschland und der Kolonialismus
4.3 Reaktionen der Indologie auf die Orientalismuskritik
4.4 Folgerungen
5. Orientalismus in deutschen Business-Guides für Indien
5.1 Fragestellung und Auswahl der Datenbasis
5.2 Vorstellung der Business-Guides
5.3 Operationalisierung
5.4 Analyse der Business-Guides
5.4.1 „Beruflich in Indien“
5.4.2 „Business-Guide Indien“
5.4.3 „Praxishandbuch Indien“
5.4.4 „Geschäftserfolg Indien“
6. Untersuchungsergebnisse und Reflexion
6.1 Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
6.2 Grenzen der Untersuchung und Forschungsausblick
6.3 Normative Implikationen
7. Zusammenfassung und Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern das von Edward Said und Ronald Inden skizzierte orientalistische Indienbild in aktuellen deutschen Business-Guides für Indien fortbesteht und sich an die veränderten globalen Machtverhältnisse angepasst hat. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, ob eine Kontinuität dieses Indienbildes innerhalb der deutsch-indischen Wirtschaftszusammenarbeit existiert.
3.2.3 Der Orient als „Anderer“ des Westens
Wie bereits erwähnt, besteht eine zentrale Annahme Saids und Indens darin, dass die geographische Größe „Orient“ ein vom Westen imaginiertes Konstrukt ist. Weiterhin argumentieren sie nun, dass der Orient als „Anderer“, als „Gegenteil“ des Westens konstruiert wurde, was zur Identitätsstiftung Europas selbst beitragen sollte. Dem Orient seien immer wieder Attribute und Eigenschaften zugeteilt worden, die im exakten Gegensatz zu dem standen, wie man sich in Europa selbst sah – oder sich sehen wollte.
Zur Veranschaulichung des oft postulierten Gegensatzes westlicher Rationalität und orientalischer Irrationalität zitiert Said Lord Cromer aus dessen Werk „Modern Egypt“:
„The European is a close reasoner; his statements of fact are devoid of any ambiguity; he is a natural logician, albeit he may not have studies logic, he is by nature skeptical and requires proof before he can accept the truth of any proposition; his trained intelligence works like a piece of mechanism. The mind of the Oriental, on the other hand, like his picturesque streets, is eminently wanting in symmetry. His reasoning is of the most slipshod description. Although the ancient Arabs acquired in a somewhat higher degree the science of dialectics, their descendants are singularly deficient in the logical faculty. They are often incapable of drawing the most obvious conclusions from any simple premises of which they may admit the truth.”
Inden ist der Überzeugung, dass in indologischen Texten häufig deskriptive Anteile (beispielsweise von religiösen Ritualen), die auf den ersten Blick seltsam und scheinbar unerklärbar anmuten, mit Kommentaren versehen wurden, die den Zweck hatten, den jeweils beschriebenen indischen Sachverhalt als Verzerrung „normaler“ und „natürlicher“ (sprich westlicher) Denk- und Verhaltensweisen darzustellen.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des wirtschaftlichen Aufstiegs Indiens und die Relevanz der orientalistischen Fragestellung für heutige Wirtschaftsbeziehungen.
2. Vorbemerkungen: Historischer Abriss vom Kolonialismus über die Dekolonisierung bis zur wirtschaftlichen Öffnung Indiens 1991.
3. Orientalismuskritik: Theoretische Auseinandersetzung mit den Werken von Edward Said und Ronald Inden sowie deren Wirkung auf die Indologie.
4. Deutschland im postkolonialen Diskurs über Indien: Untersuchung der Sonderrolle Deutschlands im orientalistischen Diskurs und der Frage der Einbeziehbarkeit in die postkoloniale Kritik.
5. Orientalismus in deutschen Business-Guides für Indien: Empirische Untersuchung anhand von vier ausgewählten Business-Guides unter Anwendung der entwickelten Thesen.
6. Untersuchungsergebnisse und Reflexion: Zusammenfassung der Befunde, Reflexion der methodischen Grenzen und Erörterung der normativen Implikationen.
7. Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Arbeit und Beantwortung der zentralen Forschungsfrage zur Kontinuität des orientalistischen Indienbildes.
Orientalismus, Indien, Postkolonialismus, Business-Guides, Edward Said, Ronald Inden, Wirtschaftszusammenarbeit, Indologie, Stereotype, Essentialisierung, Differenzwahrnehmung, Globalisierung, Kulturstandards, Postkoloniale Theorie, Identitätsstiftung.
Die Arbeit untersucht, ob das von Edward Said und Ronald Inden kritisierte „orientalistische“ Indienbild – das den Orient als dem Westen unterlegen konstruiert – auch heute noch in deutscher Literatur für Geschäftsleute präsent ist.
Die Themenfelder umfassen die postkoloniale Theorie, die indische Wirtschaftsgeschichte, die Geschichte der deutschen Indologie und die diskursanalytische Untersuchung moderner Business-Ratgeber.
Das Ziel ist festzustellen, ob sich das durch koloniale Machtverhältnisse geprägte Indienbild an die veränderte, multipolare Weltordnung angepasst hat oder ob weiterhin Kontinuitäten bestehen.
Die Autorin nutzt die Textanalyse, um in vier ausgewählten Business-Guides für Indien gezielt nach orientalistischen Mustern wie Differenzkonstruktionen und Essentialisierungen zu suchen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einbettung der Orientalismuskritik, die Überprüfung von Indiens Sonderstellung im deutschen Diskurs und die konkrete Analyse der ausgewählten Wirtschafts-Guides.
Die zentralen Begriffe sind Orientalismus, Indien, Postkolonialismus, Business-Guides, Essentialisierung und Identitätsstiftung.
Die Arbeit hinterfragt kritisch, ob das Argument, Deutschland sei aufgrund fehlender Kolonialmacht-Geschichte vom orientalistischen Diskurs ausgenommen, angesichts der ideengeschichtlichen Verflechtungen haltbar ist.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass trotz eines neutralen Anspruchs viele Ratgeber durch die Betonung von kultureller Differenz und Essentialisierung das Risiko bergen, Klischees zu verstärken, anstatt eine echte Kommunikation auf Augenhöhe zu fördern.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

