Magisterarbeit, 2009
128 Seiten, Note: 1,35
Einleitung
I Methoden und Konzepte
1 Methoden und Datengrundlage
1.1 Vorgehensweise
1.2 Gesprächspartner
2 Identität und Ethnizität
2.1 In der Identitätskrise
2.1.1 Kritik am Konzept Identität
2.1.2 Die Lösung?
2.1.3 Ein wertvolles Konzept
2.2 Ethnizitätskriterien
2.2.1 Von objektiven Merkmalen zur Selbstzuschreibung
2.2.2 Zwischen Selbst- und Fremdzuschreibung
2.2.3 Ethnische Identität als Grenzziehungsprozess
3 Diaspora
3.1 Vom „boomenden" zum umstrittenen Konzept
3.2 Auf der Suche nach Kriterien
3.3 Klassifikationsversuche
3.4 Ethnizität und Diaspora
3.5 Entstehung der kurdischen Diaspora
II Einflussfaktoren auf die kurdische Ethnizität
1 Heimat und Herkunftsland
1.1 Das kurdische Siedlungsgebiet
1.2 Das Leben in einem repressiven Staat
1.2.1 Assimilationsbestrebungen der Türkischen Republik
1.2.2 Rolle des Militärs
1.2.3 Demokratische Aussichten?
1.3 Fremdwahrnehmung
1.4 Heimat-Orientierung und Rückkehrwunsch
1.5 Staatslosigkeit und Heimatlosigkeit
1.6 Gemeinschaft stiftende Symbole
1.7 Kurdischer Nationalismus
2 Migration und Aufnahmeland Deutschland
2.1 Kurdische Migration nach Deutschland
2.1.1 Diaspora-Kriterium der erzwungenen Migration
2.1.2 Migration vor 1960
2.1.3 Arbeitsmigration
2.1.4 Fluchtwanderung
2.1.5 Zusammensetzung der kurdischen Bevölkerung in Europa
2.1.6 Ängste und Unsicherheiten
2.2 Das Leben in der Aufnahmegesellschaft
2.2.1 Integration, Akkulturation, Assimilation
2.2.2 Struktureller Zugang zur deutschen Gesellschaft
2.2.3 Identifikatorischer Zugang zur deutschen Gesellschaft
2.2.4 Fremdwahrnehmung
2.2.5 Folgen der Fremdwahrnehmung: Diskriminierung und Konflikte
2.2.6 Effekte der Fremdwahrnehmung auf die Selbstwahrnehmung
2.2.7 Chancen und Vorteile des Lebens in Deutschland
2.2.8 Einsatz für Rechte und Anerkennung
3 Der transnationale Diaspora-Raum
3.1 Transnationalismus und Diaspora
3.2 Kurdische transnationale Netzwerke
3.3 Die vorgestellte kurdische Gemeinschaft
3.3.1 Die Erfindung der Gemeinschaft?
3.3.2 Ethnische Selbstdefinition: Wer gehört zur kurdischen Gemeinschaft?
3.3.3 Das „Kollektive Gedächtnis“
3.3.4 Beschwörung einer Schicksalsgemeinschaft
3.4 Kurdische transnationale Akteure
3.4.1 Organisationen und Parteien
3.4.2 Kurdische Medien
3.5 Fallstrick: Innerkurdische Konflikte
Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, welche Faktoren die ethnische Identität von Kurdinnen und Kurden in Deutschland beeinflussen, wobei Diaspora als Sammelbegriff für die ansässigen kurdischen Gemeinschaften konzipiert wird.
1.2.2 Rolle des Militärs
In Fragen der Außenpolitik wie auch der nationalen Sicherheit spielt das türkische Militär nach wie vor eine große Rolle und besitzt immense Entscheidungsmacht. Die Armee sieht sich selbst als „Hüter“ des Einheitsstaates Türkei (Tezel 2000: 6). In dieser Funktion putschte sich das Militär in der Türkei in den Jahren 1960 und 1980 an die Macht, was sich jeweils verheerend auf ethnische und religiöse Minderheiten auswirkte und in großen Flüchtlingswellen mündete. So erzählt Rodi, dessen Familie ihn kurz vor dem Militärputsch 1980 nach Deutschland schickte:
„Die Familie hat das eigentlich beschlossen, ich wollte ja gar nicht nach Deutschland. Zum Glück war ich dann da, weil zwei, drei Monate später kam das Militär an die Macht und es wurden Hunderttausende verhaftet, x aufgehängt.“
Die verheerenden Zustände auch nach Ende der Militärregierung 1983 wurden von meinen Interviewpartnern bestätigt. Serxwebun schildert seine Erlebnisse in folgendem Gesprächsauszug:
S.S.: Wurde das bei euch viel kommuniziert oder hast du das durch deine eigenen Erfahrungen einfach beschlossen, dass du dich hauptsächlich über deine kurdische Identität definierst?
„Ja, also durch die Realität, die ich erlebt habe in Kurdistan an sich als Kind, war es mir bewusst, dass ich einen Unterschied zu den anderen Menschen habe. Und es ist halt sehr deutlich geworden, wenn das Militär ins Dorf kam und jedes Mal die ganzen Männer mitgenommen hat und ins Gefängnis gesteckt hat. Und dann, wenn sie zurückkamen, dass sie halbe Menschen waren, also total verprügelt, total gefoltert. Und diese Menschen waren an sich kaputt. Ja, und dadurch merkt man das schon, das nimmt einen auch mit und das erzieht einen auch. Die Realität.“
Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema der kurdischen Diaspora in Deutschland und skizziert die Fragestellung nach den Einflussfaktoren auf die ethnische Identität sowie die methodische Herangehensweise.
I Methoden und Konzepte: Dieser Teil legt die theoretischen Grundlagen durch die Definition und kritische Diskussion der Konzepte Identität, Ethnizität und Diaspora dar.
II Einflussfaktoren auf die kurdische Ethnizität: Dieser Abschnitt analysiert das Spannungsfeld zwischen Herkunftsland (Türkei), Aufnahmeland (Deutschland) und dem transnationalen Diaspora-Raum als treibende Kräfte für kurdische Identitätsprozesse.
Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Thesen zusammen und bewertet die Bedeutung der untersuchten Faktoren im Kontext der kurdischen Identität und Diaspora-Bildung.
Ethnizität, Identität, Diaspora, Kurden, Deutschland, Türkei, Transnationalismus, Assimilation, Integration, Migration, Minderheit, Nationalismus, Schicksalsgemeinschaft, Fremdwahrnehmung, Identifikationsprozesse
Die Arbeit untersucht, welche Faktoren die ethnische Identität von in Deutschland lebenden Kurdinnen und Kurden beeinflussen, und betrachtet sie dabei als Diaspora-Gemeinschaft.
Die Arbeit beleuchtet die Rolle von Herkunftsland, Aufnahmeland sowie die Bedeutung transnationaler Netzwerke für die Konstruktion kurdischer Identität.
Ziel ist es zu verstehen, wie politische Repression, Migrationserfahrungen und die Lebenssituation in Deutschland die Selbstwahrnehmung und kollektive Identitätsbildung von Kurden prägen.
Die Arbeit basiert auf einer Quellenkritik existierender Literatur sowie auf qualitativen, offenen Interviews mit sieben in Deutschland lebenden Kurden.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Konzepte (Identität, Ethnizität, Diaspora) und die Analyse von Einflussfaktoren, wie etwa die Rolle des Militärs, Diskriminierung und das Engagement kurdischer Vereine.
Zentrale Begriffe sind Ethnizität, Identität, Diaspora, Migration, Transnationalismus, Assimilation und der kurdische Nationalismus.
Die Interviewpartner stehen kriegerischen Handlungen zwar oft kritisch gegenüber, betonen aber die Bedeutung der PKK als wichtigen Identitätsstifter und Kämpfer für kurdische Rechte.
Heimat ist für viele Kurden ein vager, emotionaler Begriff, der nicht zwangsläufig mit Rückkehrwünschen, sondern mit der emotionalen Verbundenheit zu einem zerstörten oder politisch schwierigen Gebiet verknüpft ist.
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