Masterarbeit, 2000
141 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Dekadenz und Lebensphilosophie
2.1 Zur Entwicklung des Dekadenz-Begriffs
2.1.1 Der Dekadenz-Begriff in der literarischen Wiener Moderne
2.1.2 Motive und Themen der Dekadenzliteratur – Eine Übersicht
2.2 Zum Begriff des Lebens in der Philosophie der Jahrhundertwende
2.2.1 Anfänge einer Philosophie des Lebens
2.2.2 Arthur Schopenhauer
2.2.3 Sören Kierkegaard
2.2.4 Friedrich Nietzsche
2.3 Der zentrale Begriff des Erlebnisses
3. Der Wert des Lebens im Werk Arthur Schnitzlers
3.1 Kleiner Vorspann: Décadents in den frühen Erzählungen
3.2 Sterben
3.3 Der Schleier der Beatrice
3.4 Professor Bernhardi
4. Der „Wert des Lebens“: Die kritischere Sichtweise im Spätwerk
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff und den Stellenwert des Lebens im literarischen Schaffen von Arthur Schnitzler vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Strömungen von Dekadenz und Lebensphilosophie. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie Schnitzler philosophische Diskurse der Jahrhundertwende in sein Werk integriert und wie sich die Deutung des „Lebens“ über seine verschiedenen Schaffensphasen hinweg verändert.
3.2 Sterben
Das Jahr 1892 bringt in der erzählerischen Entwicklung Schnitzlers einen wichtigen Fortschritt. Die in diesem Jahr abgeschlossene kurze Novelle Sterben gilt gemeinhin als erster echter Höhepunkt im epischen Werk und ist mitunter gar als „paradigmatisch für Schnitzlers gesamtes Werk“ angesehen worden. Sie erschien zuerst 1894 in den Heften 10-12 der Zeitschrift Neue deutsche Rundschau und wurde im darauffolgenden Jahr von S.Fischer in Berlin als Buchausgabe publiziert.
Der Text wird recht ausführlich behandelt werden, da er bereits beim frühen Schnitzler die intensive Reflexion lebensphilosophisch bedeutsamer Themen zeigt. Hubert Ohl deutet dies in seiner Studie über den Einfluß Schnitzlers und Hofmannsthals auf den frühen Thomas Mann an: „Schon dieser relativ frühe Text Schnitzlers erschließt eine Dimension des Epochenbewußtseins, die man im ganzen Frühwerk Thomas Manns vergeblich sucht.“ Eben dieses Epochenbewußtsein in Bezug auf den Begriff des Lebens wird in dieser Arbeit anhand der verschiedenen Texte thematisiert.
Die Novelle kommt mit einem Minimum an handelnden Personen aus, es gibt lediglich drei. Sie alle werden nur beim Vornamen genannt, Zeichen einer absichtlich fehlenden Individualisierung der Figuren. Schnitzler interessiert nicht ein persönliches Einzelschicksal, sondern wie er später sehr selbstkritisch anmerken wird, „stammt es [Sterben] aus der Zeit, wo mich der ‚Fall‘ mehr interessiert hat als die Menschen.“ Felix, der männliche Protagonist der Erzählung, hat von Albert, seinem Arzt, erfahren, daß er auf Grund einer Tuberkuloseerkrankung nur noch ein Jahr zu leben hat. Die dritte handelnde Person ist die Freundin von Felix, Marie.
1. Einleitung: Erläutert die Ausgangslage der Schnitzler-Forschung und legt den Fokus auf eine differenziertere, diskurstheoretische Interpretation, die Schnitzlers Werk in den Kontext zeitgenössischer lebensphilosophischer Diskurse stellt.
2. Dekadenz und Lebensphilosophie: Definiert und kontextualisiert die zentralen Begriffe und deren philosophische Entwicklung durch Denker wie Schopenhauer, Kierkegaard und Nietzsche, um das geistesgeschichtliche Fundament der Jahrhundertwende zu klären.
3. Der Wert des Lebens im Werk Arthur Schnitzlers: Analysiert anhand konkreter Textbeispiele (Sterben, Der Schleier der Beatrice, Professor Bernhardi), wie Schnitzler den Wert des Lebens in seinen Erzählungen und Dramen thematisiert und dabei lebensphilosophische Ansätze verarbeitet.
4. Der „Wert des Lebens“: Die kritischere Sichtweise im Spätwerk: Untersucht die Entwicklung von Schnitzlers Sicht auf das Leben hin zu einer tieferen Skepsis im Spätwerk unter Einbeziehung des Romans Therese. Chronik eines Frauenlebens.
Arthur Schnitzler, Lebensphilosophie, Dekadenz, Jahrhundertwende, Sterben, Der Schleier der Beatrice, Professor Bernhardi, Therese, Existenzphilosophie, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Sören Kierkegaard, Wiener Moderne, Lebensbegriff, Ästhetik.
Die Arbeit analysiert, wie Arthur Schnitzler den Begriff des Lebens in seinem literarischen Werk verarbeitet und interpretiert, insbesondere im Kontext der lebensphilosophischen Strömungen der Wiener Moderne.
Zu den Schwerpunkten zählen die Auseinandersetzung mit dem Dekadenz-Begriff, die Bedeutung des Lebenswillens bei Schopenhauer und Nietzsche sowie die existenzielle Reflexion des Lebenswertes bei Kierkegaard.
Ziel ist es, Schnitzlers Werk über eine rein oberflächliche Interpretation hinaus als Produkt der theoretischen Diskurse seiner Zeit zu begreifen und eine Entwicklung im Lebensbegriff des Autors aufzuzeigen.
Die Arbeit nutzt system- und diskurstheoretische Ansätze im Sinne von Michael Titzmann, um literarische Texte als komplexe Systeme zu interpretieren, die mit kulturellem Wissen verknüpft sind.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Klärung der Begriffe und einen interpretatorischen Teil, in dem vier repräsentative Werke Schnitzlers aus verschiedenen Schaffensperioden analysiert werden.
Zentrale Schlagworte sind Dekadenz, Lebensphilosophie, Wiener Moderne, Lebensbejahung, Existenz sowie die spezifische Typisierung von Figuren.
In "Sterben" wird der Wert des Lebens kontrastierend zur lebensfeindlichen Dekadenz-Haltung der Hauptfigur Felix durch die Figur der Marie deutlich gemacht, die eine eigenständige Lebensbejahung entwickelt.
Die Figur steht im Zentrum der Diskussion über die moralische Pflicht des Arztes und die Autonomie des Individuums, wobei die Unvereinbarkeit einer rein rationalen Medizin mit den politischen Zuständen der Zeit kritisch beleuchtet wird.
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