Bachelorarbeit, 2012
126 Seiten
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
I) Einleitung
II) Goebbels' Liebe für das Radio
1. Rundfunkpolitik der NSDAP vor 1933
2. „Säuberung“ der Rundfunksender nach der Machtergreifung
III) Von der WERAG zum „Reichssender Köln“
IV) Pressepolitik im Dritten Reich
1. Das „Klavier“ der Regierung
2. Tod der Pressefreiheit
3. Die drei Ebenen der „Gleichschaltung“
V) Die Kölner Presse wird in Fesseln gelegt
1. Der Blätterwald in Köln vor 1933
2. Der Aufstieg der NSDAP im Spiegel der lokalen Presse
3. Die Kölner Zeitungen in den ersten Stunden unter Hitler
4. Alle Zeitungen auf Kurs? Reaktionen auf den Nazi-Terror
5. Wie die „Kölnische Zeitung“ im Dritten Reich überlebte
VI) Journalistischer Widerstand
VII) Schlussbetrachtung
VIII) Anhang
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der „Gleichschaltung“ der Kölner Medienlandschaft – Presse und Rundfunk – nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie es der NSDAP gelang, die vormals unabhängige und teils oppositionell geprägte Medienwelt in ein zentral gesteuertes Propagandainstrument zu verwandeln und welche Rolle ökonomischer Druck sowie politische Repression dabei spielten.
Die drei Ebenen der „Gleichschaltung“
Die Aufhebung der Pressefreiheit und die damit verbundenen Verbote oppositioneller Zeitungen bedeuten nur einen ersten Schritt auf dem Weg zur Kontrolle des Pressewesens. Was folgen musste, war eine Umgestaltung des redaktionellen Inhalts aller noch bestehenden bürgerlichen Zeitungen im Sinne der Partei. Diese vollzog sich in den ersten Monaten der NS-Herrschaft auf drei sich gegenseitig überlagern- den Ebenen.
Der juristische Grundstein wurde am 4. Oktober 1933 durch den Beschluss des sogenannten „Schriftleitergesetzes“ gelegt. Es verschaffte Goebbels in erster Linie Einfluss auf Personalfragen im Pressewesen. „Die Möglichkeit zur Berufsausbildung hing nun von der gesetzlich verordneten Konformität des Journalisten ab.“ Schriftleiter durfte nun nur der werden, der sich in eine Berufsliste eintragen ließ. In §5 wurden die entsprechenden Rasse- und Gesinnungs-Kriterien für die Aufnahme genau festgelegt.
Zum anderen wurde das Verhältnis zwischen Staat und Presse neu geordnet. Durch die vermeintliche Befreiung des Journalisten vom politischen Weisungsrecht des Verlegers, trat der Staat an dessen Stelle und überwachte nun die inhaltliche Gestaltung der Zeitungen. In der Folge standen die Schriftleiter unter ständiger Kontrolle und wurden getadelt oder von ihrer Position entbunden, wenn sie gegen Anweisungen des RMVP verstießen. Faktisch bedeutete dies das endgültige Ende der freien Meinungsäußerung. „Damit wurde dieses Gesetz zum wichtigsten Werkzeug der totalitären Presseführung.“
I) Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Zäsur vom 30. Januar 1933 ein und umreißt die medienpolitische Forschungsfrage zur „Gleichschaltung“ der Kölner Presse.
II) Goebbels' Liebe für das Radio: Dieses Kapitel thematisiert die frühe Erkenntnis der NSDAP, dass der Rundfunk als Massenmedium ein zentrales Steuerungsinstrument der Meinung ist, und beschreibt die anschließende Säuberung der Sendeanstalten.
III) Von der WERAG zum „Reichssender Köln“: Hier wird der Prozess der Verstaatlichung des lokalen Senders WERAG bis hin zur Unterordnung unter die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft detailliert nachgezeichnet.
IV) Pressepolitik im Dritten Reich: Der Abschnitt erläutert die ideologischen und praktischen Grundlagen der NS-Pressepolitik, insbesondere die Rolle des RMVP und die Unterdrückung oppositioneller Stimmen.
V) Die Kölner Presse wird in Fesseln gelegt: Dieses umfangreiche Kapitel analysiert die spezifischen Anpassungsprozesse der Kölner Zeitungslandschaft an die NS-Ideologie sowie das Überleben einzelner Verlage unter staatlichem Druck.
VI) Journalistischer Widerstand: Das Kapitel setzt sich kritisch mit dem Begriff des „Widerstands zwischen den Zeilen“ auseinander und hinterfragt die Möglichkeiten journalistischer Opposition unter der Diktatur.
VII) Schlussbetrachtung: Hier werden die Ergebnisse zur totalen Umgestaltung der Medienlandschaft in Köln zusammenfassend gewürdigt und bewertet.
VIII) Anhang: Diese Zusammenstellung enthält konkrete Beispiele für Propagandaanweisungen aus dem Alltag der Pressekonferenzen im Dritten Reich.
Gleichschaltung, Nationalsozialismus, Kölner Presse, NS-Propaganda, Rundfunk, Joseph Goebbels, Pressefreiheit, Schriftleitergesetz, NS-Diktatur, Widerstand zwischen den Zeilen, Medienkontrolle, DuMont Schauberg, Köln, Machtergreifung, Presseanweisungen.
Die Arbeit analysiert die systematische Umgestaltung der Kölner Medienlandschaft – insbesondere der Presse und des Rundfunks – nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933.
Die Schwerpunkte liegen auf der Rundfunkpolitik, der juristischen Kontrolle der Presse, der Rolle des Kölner Zeitungsmarktes und der kritischen Auseinandersetzung mit journalistischem Widerstand.
Das Ziel ist es, den Prozess der „Gleichschaltung“ in Köln zu verstehen und zu beantworten, ob dieser ein erzwungener Prozess oder eine bereits begonnene Entwicklung war.
Der Autor nutzt die Analyse von zeitgenössischen Zeitungsartikeln, Anweisungen der Reichspressekonferenzen sowie eine Auswertung der relevanten Fachliteratur und Memoiren.
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Instrumentalisierung von Radio und Presse sowie die konkrete Untersuchung der Reaktionen und des Anpassungsverhaltens der Kölner Verlage.
Wichtige Begriffe sind Gleichschaltung, NS-Propaganda, Pressefreiheit, Schriftleitergesetz und der mediale Umbau Kölns in den 1930er Jahren.
Der Verlag nahm eine Sonderstellung ein, da er als einer der wenigen in privater Hand blieb, sich jedoch durch Anpassung und ideologische Annäherung an das NS-Regime vor der totalen Zerschlagung retten konnte.
Die Arbeit bewertet diesen „Widerstand“ kritisch als eine Form der Selbsttäuschung oder moralischen Beruhigung, die unter den gegebenen Zensurbedingungen meist keine reale Wirkung entfalten konnte.
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