Magisterarbeit, 2012
58 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1 Hintergründe der Pressekritik von Karl Kraus
1.1 Gesellschaftliche Verhältnisse Österreich-Ungarns und Wiens
1.2 Das Pressewesen in Wien
2 Roland Barthes Mythen des Alltags
2.1 Einführung in das Werk
2.2 Semiotik als Wissenschaft
2.2.1 Beispiel einer semiotischen Analyse
2.3 Zeichentheoretische Grundlagen
2.4 Zum Begriff des Mythos
2.4.1 Der Mythos ist eine Aussage
2.4.2 Der Mythos als semiologisches System
2.4.3 Die Form, der Begriff, die Bedeutung
2.5 Mythen der französischen Gesellschaft
2.5.1 Einsteins Gehirn
2.5.2 Zwei Mythen des Jungen Theaters
2.5.3 Der Mythos des besessenen Schauspielers
2.5.4 Die große Familie der Menschen
3 Anwendung des Begriffs des Mythos auf Karl Kraus` Satire
3.1 Analyse einzelner Glossen
3.1.1 Die Phrase aus linguistischer Perspektive
3.1.2 Lanzen für die Marine
3.1.3 Das ist so allgemein bekannt ...
Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Pressekritik von Karl Kraus in der Zeitschrift "Die Fackel" (1899-1914) durch eine systematische Anwendung des Mythos-Begriffs von Roland Barthes, um die ideologiekritische Funktion der krausschen Sprachkritik wissenschaftlich zu präzisieren.
2.4.1 Der Mythos ist eine Aussage
Der Mythos ist (wie die Phrase) eine besondere sprachliche Form kollektiver Vorstellungen, „eine spezielle Kommunikationsform in der Gesellschaft“, eine „kollektive Verständigungsform“; eine Art und Weise, wie Dinge in einer Gesellschaft etwas bedeuten. Er ist ein „Mitteilungssystem“, als solches transportiert der Mythos bestimmte Inhalte und Botschaften, „verborgene Ideologische Zusatzbedeutungen“, also bestimmte Vorstellungen von Dingen oder Verhältnissen und was sie bedeuten. Diese Vorstellungen transportiert er in einer Weise, die den Anschein erweckt, als handele es sich um die ‚natürliche‘ Bedeutung dessen, was Gegenstand des Mythos ist; „die Funktionsweise des Mythos zielt [...] auf eine Umwandlung von Geschichte in Natur“, der Mythos ist einer der Mechanismen, „mit deren Hilfe die bürgerliche Gesellschaft im Nachkriegsfrankreich ihre partikularen Interessen [...] universalisiert und naturalisiert, d.h. jeder sozialhistorischen Bedingtheit zu entziehen sucht.“
Einleitung: Einführung in die Thematik der krausschen Pressekritik und die theoretische Verknüpfung mit dem Mythos-Begriff von Roland Barthes.
1 Hintergründe der Pressekritik von Karl Kraus: Darstellung des widersprüchlichen gesellschaftlichen Kontextes im Österreich-Ungarn der Jahrhundertwende und der Rolle des Pressewesens als politisches Instrument.
2 Roland Barthes Mythen des Alltags: Theoretische Einführung in das Werk von Barthes sowie Erläuterung der semiotischen Methode und des Mythos-Begriffs anhand von Beispielen aus der französischen Gesellschaft.
3 Anwendung des Begriffs des Mythos auf Karl Kraus` Satire: Praktische Anwendung der entwickelten semiotischen Analyse auf spezifische Glossen von Karl Kraus zur Untersuchung seiner Kritik an der zeitgenössischen Presse.
Fazit: Zusammenfassende Reflexion über die Komplexität der krausschen Sprach- und Pressekritik und die Anwendbarkeit der semiotischen Methodik.
Karl Kraus, Die Fackel, Roland Barthes, Mythen des Alltags, Pressekritik, Sprachkritik, Ideologiekritik, Semiotik, Phrase, Medienkritik, Österreich-Ungarn, Satire, kollektive Vorstellungen, Zeichen, Kommunikation.
Die Arbeit analysiert die Medien- und Sprachkritik von Karl Kraus anhand seiner Zeitschrift "Die Fackel" unter Zuhilfenahme der semiotischen Analyse-Methoden von Roland Barthes.
Die zentralen Felder sind die Gesellschaftsstruktur des alten Österreich, das Pressewesen dieser Zeit, semiotische Theoriebildung und die satirische Auseinandersetzung von Kraus mit journalistischen Phrasen.
Das Ziel ist es, die kraussche Satire, die oft als unsystematisch wahrgenommen wird, durch eine systematische semiotische Analyse (Mythos-Begriff) ideologiekritisch zu erschließen.
Es wird eine semiotische Analyse nach Roland Barthes verwendet, um "Mythen" als Bedeutungssysteme zu dekonstruieren und auf sprachliche Phänomene bei Kraus zu übertragen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Kontextualisierung, eine theoretische Ausarbeitung des Mythos-Begriffs und die konkrete Analyse ausgewählter Glossen von Kraus.
Die wichtigsten Begriffe sind Karl Kraus, Die Fackel, Ideologiekritik, Semiotik, Mythos und Sprachkritik.
Da Kraus selbst keine geschlossene wissenschaftliche Theorie hinterließ, bietet Barthes’ semiotischer Ansatz ein valides Instrumentarium, um die "unsichtbaren" ideologischen Strukturen in der Sprache der Presse aufzudecken.
Beide werden als Instrumente betrachtet, die kollektive Vorstellungen transportieren und durch die Naturalisierung von historischen Sachverhalten ideologische Funktionen erfüllen.
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