Bachelorarbeit, 2012
56 Seiten, Note: 1,3
1. EINLEITUNG
2. RATINGAGENTUREN IM SYSTEM DER FINANZMÄRKTE
2.1 Historische Entwicklungsgeschichte
2.2 Kreditratings
3. ZUR RELEVANZ VON RATINGS
3.1 Emittenten
3.2 Investoren
3.3 Regulatoren
4. DIE ROLLE DER REPUTATION
4.1 Der regulierungsfreie Reputationsmechanismus
4.2 Kritik des Modells von Mathis
5. INTERESSENKONFLIKTE
5.1 Negative Effekte der Zertifizierungsfunktion
5.2 Marktstruktur und Wettbewerb
5.3 Einseitigkeit des Erlösmodell
5.4 Prozyklizität
6. METHODEN DER PERFORMANCEMESSUNG
6.1 CAP-Kurven und das Accuracy Ratio
6.2 Der Zielkonflikt zwischen Präzision und Stabilität
7. SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Arbeit untersucht die fundamentale Rolle von Ratingagenturen auf internationalen Finanzmärkten sowie die Auswirkungen von Interessenkonflikten und regulatorischen Rahmenbedingungen auf die Qualität der Ratings. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen Reputationsmechanismen, dem "Issuer-pays"-Geschäftsmodell und der Notwendigkeit objektiver Bonitätsbeurteilungen zu analysieren.
4.1 Der regulierungsfreie Reputationsmechanismus
Neben der Ansicht, dass regulatorische Maßnahmen die Reputation und Qualität von Ratings aufrechterhalten können, wird in der Literatur vielfach die Perspektive der Selbstregulierung durch Reputation diskutiert. Reputation wird als abstraktes über die Zeit akkumuliertes Kapital („reputational capital“) verstanden. Ausgehend vom Bestand einer gewissen Reputation, kann deren Kontrollmechanismus unter nachfolgenden drei Bedingungen seine interessenausgleichende Wirkung entfalten. Die erste Bedingung ist, dass die Reputation in direkter Beziehung zur Glaubwürdigkeit der Ratingagentur steht. Verringert sich die Glaubwürdigkeit, so erleidet die Agentur einen Verlust an Reputation. Die zweite Bedingung ist, die Existenz eines anreizkompatiblen Entscheidungskalküls der Ratingagentur. Die Ratingagentur hat die Wahl, hochwertige oder eigensinnige Ratings zu produzieren. Abwandernde Kunden auf Investoren- und Emittentenseite verursachen einen Schaden, in Form entgangener Erlöse, im Falle eigensinniger Ratings. Demgegenüber existiert ein realisierbarer Vorteil für die Ratingagentur temporäre Erlöse zu erzielen. Nur wenn in jeder Situation der zu erwartende Schaden die temporären Vorteile übertrifft, wird die Ratingagentur hochwertige, anreizkompatible Ratings vergeben. Die dritte Bedingung betrifft die Erwartungen der Investoren. Die Dienstleistung der Erstellung des Ratings muss als kostenintensiv wahrgenommen werden und sich inhaltlich mit der Informationsasymmetrie auf Seiten des Emittenten beschäftigen. Relevant ist, dass interne Informationen verarbeitet werden, die am Markt nicht bekannt sind. Das Verhalten der Ratingagenturen ist nun darüber eingeschränkt, dass sie bemüht sind, die Erwartungshaltung der Investoren zu erfüllen. Verlieren Investoren das Vertrauen in Ratings, so würde, aufgrund der antizipierten Informationsasymmetrie, bei einer Emission ohne Rating, die Nachfrage nach emittierten Schuldtiteln sinken. Für Emittenten hätten Ratings damit ihren Nutzen, Zugang zum Markt zu gewähren, verloren. Deshalb wären sie nicht mehr bereit dafür zu bezahlen. Ausgehend von dieser Perspektive bleiben langfristig nur Ratingagenturen auf dem Markt erhalten, deren Ratings einen hohen, die Reputation erhaltenden, Informationsgehalt haben. Ist dieser Mechanismus intakt, so ist eine Regulierung nicht nötig.
1. EINLEITUNG: Einführung in die Problematik von Ratingagenturen im Kontext der Finanz- und Staatsschuldenkrise sowie Überblick über die Struktur der Arbeit.
2. RATINGAGENTUREN IM SYSTEM DER FINANZMÄRKTE: Darstellung der historischen Entwicklungsphasen der Rating-Industrie und Erläuterung der methodischen Grundlagen von Kreditratings.
3. ZUR RELEVANZ VON RATINGS: Analyse der Bedeutung von Ratings für die verschiedenen Marktakteure, differenziert nach Emittenten, Investoren und Regulatoren.
4. DIE ROLLE DER REPUTATION: Untersuchung des Reputationsmechanismus als disziplinierendes Instrument und kritische Auseinandersetzung mit dem Modell von Mathis.
5. INTERESSENKONFLIKTE: Detaillierte Betrachtung verschiedener Interessenkonflikte, wie der Zertifizierungsfunktion, Marktstruktur und dem "Issuer-pays"-Erlösmodell.
6. METHODEN DER PERFORMANCEMESSUNG: Vorstellung quantitativer Ansätze wie CAP-Kurven und Accuracy Ratios zur Evaluierung der Ratingqualität.
7. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Zusammenfassende Bewertung der Rolle von Ratingagenturen und Diskussion von Lösungsansätzen zur Steigerung der Transparenz und Qualität.
Ratingagenturen, Kreditrisiko, Reputation, Interessenkonflikte, Finanzmärkte, Issuer-pays, Informationsasymmetrie, Zertifizierungsfunktion, Performancemessung, CAP-Kurve, Accuracy Ratio, Marktstruktur, Regulierung, Prozyklizität, Finanzkrise
Die Bachelorarbeit analysiert die Rolle von Ratingagenturen im Finanzsystem, beleuchtet dabei kritisch auftretende Interessenkonflikte und untersucht, inwiefern Reputation und Methoden der Performancemessung als Steuerungsinstrumente dienen.
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung, den Anreizstrukturen für Ratingagenturen, der Bedeutung von Reputation, sowie den Auswirkungen von Marktstruktur und regulatorischen Eingriffen auf die Qualität der Krediturteile.
Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie Interessenkonflikte entstehen und ob der marktinterne Reputationsmechanismus oder regulatorische Ansätze besser geeignet sind, um die Qualität und Objektivität von Ratings zu sichern.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse ökonomischer Konzepte und Modelle (insbesondere spieltheoretische Ansätze wie das Modell von Mathis) sowie der Auswertung empirischer Performancemaße wie CAP-Kurven.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Marktakteure, die Untersuchung von Reputationszyklen, die Erörterung struktureller Interessenkonflikte (z.B. Erlösmodell) und die empirische Messung der Rating-Performance.
Wichtige Begriffe sind Ratingagenturen, Reputation, Interessenkonflikte, Issuer-pays, Informationsasymmetrie, Performancemessung und Finanzmarktstabilität.
Beim "Issuer-pays"-Modell zahlen die Emittenten für ihr Rating, was laut Autor einen Interessenkonflikt hinsichtlich der Objektivität schaffen kann, während beim "Investor-pays"-Modell die Zahlungen von den Anlegern kommen, was nach dem Modell von Ponce zu einem höheren Informationsgehalt führt.
Das Modell von Mathis zeigt, dass Reputation allein nicht ausreicht, um opportunistisches Verhalten dauerhaft zu verhindern, da strategisch agierende Agenturen Reputationszyklen erzeugen können, die bei Vertrauensverlust zum Marktversagen führen.
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