Magisterarbeit, 2007
108 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
I. Das Internierungslager Darmstadt im Kontext der amerikanischen Internierungspolitik
I.1. Planung und Durchführung der Internierung
I.1.1. Gesamtalliierte Planungen
I.1.2. Der amerikanische Internierungsansatz
I.1.3. Amerikanische Planung des Internierungsprogramms
I.1.4. Durchführung und Ausmaß von Verhaftung und Internierung
I.2. Das Internierungslager Darmstadt
I.2.1. Das Lager unter US-Verantwortung
I.2.2. Die Übergabe von Entnazifizierung und Internierung an die Deutschen
I.2.3. Das Lager unter deutscher Verantwortung
I.2.4. Die Lagerspruchkammern
I.2.5. Abwicklung des Internierungslagers
I.2.6. Das Arbeitslager
I.2.7. Das Frauenlager
I.2.8. Belegungsstärken und Sozialprofil der Insassen
II. Die Gestaltung der Lebensumstände als praktische (indirekte) Demokratisierung
II.1. Innere Organisation des Lagers: Die Lagerselbstverwaltung (LSV)
II.2. Versorgung der Internierten
II.2.1. Unterbringung
II.2.2. Ernährung
II.2.3. Medizinische Versorgung und Hygiene
II.3. Behandlung der Internierten
II.4. Arbeit
II.5. Kontakte zur Außenwelt
II.5.1. Postwesen
II.5.2. Besuchsregelung
II.5.3. Beschaffungsfahrten und Urlaube
II.6. Betreuung der Internierten
II.6.1. Unterhaltung
II.6.2. Lagerseelsorge
II.6.3. Soziale Betreuung
II.6.4. Bildung
II.6.5. Informationen von außerhalb des Lagers
II.7. Die Wirkung der praktischen Demokratisierung auf die Lagerinsassen
III. Direkte Demokratisierung der Internierten
III.1. Amerikanische Planungen
III.2. Durchführung in Bayern und Württemberg-Baden
III.3. Das Demokratisierungsprogramm in Hessen
III.3.1. Planungen der hessischen Verantwortlichen
III.3.2. Die Umsetzung der Aufklärungs- und Bildungsarbeit
III.3.3. Ergebnis der bisher geleisteten Arbeit
III.3.4. Erweiterung auf das Arbeits- und Frauenlager
III.3.5. Das Ende des Programms
Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht das Internierungslager Darmstadt nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Aspekt der Demokratisierungsbemühungen. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwiefern sowohl eine praktische, indirekte Demokratisierung durch die Vermittlung positiver Lebensumstände als auch ein gezieltes Programm zur direkten Demokratisierung die politische Einstellung der Internierten beeinflussen konnten.
I.1.4. Durchführung und Ausmaß von Verhaftung und Internierung
Die Ausführung der in den Direktiven und Handbüchern festgelegten Verhaftungsbestimmungen oblag dem Counter Intelligence Corps (CIC). Dieser militärische Geheimdienst unterstand G-2, SHAEF und war ursprünglich zuständig für die Aufdeckung und Verhinderung subversiver Aktivitäten gegen die US-Armee. Im Zuge der Besetzung Deutschlands fiel ihm nun die Aufgabe zu, Personen, die unter die Bestimmungen des Automatischen Arrests fielen, mutmaßliche War Criminals und Security Suspects/Security Threats zu suchen und in Gewahrsam zu nehmen.
Während er Angehörige der letzten beiden Gruppen anhand von im Vorfeld erstellter „Schwarzer Listen“ ermittelte, wurden die Verhaftungen im Rahmen des Automatischen Arrests in erster Linie mittels der durch die US-Truppen erbeuteten Zentralkartei der NSDAP durchgeführt. Daneben erhielt der CIC beachtliche Unterstützung durch Denunziationen seitens der Bevölkerung, setzte aber auch gezielt Deutsche als verdeckte Ermittler ein, die wertvolle Informationen für das Aufspüren gesuchter Personen lieferten. Aufgrund seiner Vorgehensweise bei der Arretierung der betroffenen Personenkreise zog sich der CIC schnell Kritik zu: Verhaftungen ohne Haftbefehle, undurchsichtige Überprüfungsverfahren, Bedrohung und Erpressung der Betroffenen sowie nächtliche Zugriffsaktionen empörten nicht nur die deutsche Bevölkerung, sondern wurden auch von den vorgesetzten amerikanischen Stellen getadelt, die eine sofortige Änderung dieser „Gestapo-Verhaftungspraxis“ verlangten.
I. Das Internierungslager Darmstadt im Kontext der amerikanischen Internierungspolitik: Dieses Kapitel bettet das Lager historisch ein, erläutert die Planung und Durchführung der Internierung durch die US-Behörden und beschreibt die Lagergeschichte bis zur Übergabe an deutsche Stellen.
II. Die Gestaltung der Lebensumstände als praktische (indirekte) Demokratisierung: Hier wird analysiert, wie die Lebensumstände – von der Selbstverwaltung über Versorgung bis zur Betreuung – als Vorbild für demokratisches Handeln dienten und wie die Internierten auf diese Maßnahmen reagierten.
III. Direkte Demokratisierung der Internierten: Dieses Kapitel widmet sich der aktiven politischen Aufklärungsarbeit und Bildungsmaßnahmen, mit denen die Internierten gezielt für eine demokratische Gesellschaft gewonnen werden sollten.
Internierungslager Darmstadt, Entnazifizierung, Amerikanische Besatzungspolitik, Demokratisierung, Automatische Arrest, Spruchkammern, Lagerselbstverwaltung, Umerziehung, Politisches Lagerleben, Nationalsozialismus, Besatzungszonen, Internierte, Politische Säuberung, Re-education, Entlassungsverfahren.
Die Arbeit analysiert die Internierungspraxis in Darmstadt nach dem Zweiten Weltkrieg und untersucht, wie amerikanische und deutsche Behörden versuchten, die Lagerinsassen durch praktische Lebensgestaltung und gezielte Bildungsprogramme zu demokratisieren.
Zentrale Themen sind die Geschichte der Internierung in der US-Zone, die Rolle der Lagerselbstverwaltung, die materiellen Lebensbedingungen der Insassen sowie die spezifischen Maßnahmen zur politischen Neuorientierung und Bildung.
Die Forschungsfrage ist, ob und inwiefern die praktische (indirekte) und direkte Demokratisierung im Internierungslager Darmstadt erfolgreich waren und wie sich diese auf die politische Einstellung der Internierten auswirkten.
Es handelt sich um eine historische Arbeit, die primär auf der Auswertung von Aktenbeständen des Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden (insbesondere Bestände des Ministeriums für politische Befreiung und des Lagers) sowie relevanter Forschungsliteratur basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Kontextualisierung der amerikanischen Internierungspolitik, eine detaillierte Analyse der Lebensbedingungen und der Binnenverwaltung im Lager sowie eine kritische Untersuchung der direkten Demokratisierungsprogramme und deren Umsetzung in Hessen.
Internierungslager Darmstadt, Entnazifizierung, Demokratisierung, Umerziehung, Spruchkammern und Politische Säuberung.
Die Analyse der Organisationszugehörigkeit der Internierten im März 1947 zeigt einen hohen Anteil an ehemaligen Mitgliedern der Waffen-SS und Allgemeinen SS, was das Lager nach Einschätzung des Autors als SS-Lagertyp charakterisiert.
Die LSV sollte den Internierten ein Forum bieten, demokratische Strukturen im kleinen Maßstab zu üben. Sie erwies sich jedoch teilweise als Einfallstor für ein Patronagesystem ehemaliger NS-Funktionäre, die ihre Position zur eigenen Begünstigung nutzten.
Die Internierten nahmen die Bemühungen oft nicht als Vorbild an, sondern sahen sich als Opfer einer Siegerjustiz. Faktoren wie prekäre Lebensbedingungen, Unsicherheit über die Zukunft und die Herausbildung einer Günstlingswirtschaft im Lager erschwerten eine erfolgreiche demokratische Neuorientierung massiv.
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