Diplomarbeit, 2009
175 Seiten, Note: 1,0
Einführung: Die Herausforderung Joseph Ratzinger
I Aspekte der Theologiegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts in der Auseinandersetzung um Evolution und Schöpfungsglaube: Denkerischer Hintergrund der Theologie Joseph Ratzingers
1 Der Ausgangspunkt: Schöpfungstheologie im Werk Joseph Ratzingers
2 Der wissenschaftsgeschichtliche Hintergrund: Darwins Evolutionslehre erschüttert die Welt
3 Wichtige kirchliche Aussagen zur Diskussion um Schöpfungslehre und modernes Menschenbild bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil
3.1 Reaktionen des Lehramts auf die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften
3.2 Das Erste Vatikanische Konzil
3.2.1 Die dogmatische Konstitution Dei Filius
3.2.2 Explizite Aussagen der Konstitution Dei Filius zur Schöpfungslehre
3.3 Die Zeit zwischen den Konzilien: Abwehr und Annäherung
4 Das Zweite Vatikanische Konzil: Die Pastoralkonstitution Gaudium et Spes – eine Neubestimmung innerhalb der Theologie
4.1 Die Grundintention von Gaudium et Spes (GS)
4.2 Der Mensch als Person in seiner Geschaffenheit
4.3 Christus: Schöpfungsmittler und Urbild der neuen Schöpfung
4.4 Die eschatologische Dimension der Schöpfung und das Handeln des Menschen
4.5 Zusammenfassung und Ausblick
5 Joseph Ratzinger und die Pastoralkonstitution Gaudium et Spes
II Glaube, Vernunft und Evolution: Joseph Ratzinger und das Weltbild der Moderne
1 Modernes Weltbild und Glaube
2 Joseph Ratzinger und die Moderne
3 Das Verhältnis von Schöpfungsglaube und Naturwissenschaft im Werk Ratzingers
4 Christlicher Schöpfungsglaube und moderner Pragmatismus
5 Schöpfungsglaube und moralisches Handeln
6 Glaube und Vernunft: Leitthema der Theologie Joseph Ratzingers/Benedikts XVI.
6.1 Religion und Philosophie: Einheit oder Gegensatz?
6.2 Die Exegese vor dem Anspruch der Vernunft
6.3 Ratzingers Verortung des Vernunftverständnisses in der Anthropologie
6.4 Das Wechselspiel von Glaube und Vernunft als Schutz vor Pathologien
III Anwendungsfelder von Schöpfungsglaube und christlicher Anthropologie in Theologie und kirchlichem Leben
1 Theologische Gotteslehre: Von Gott als Schöpfer sprechen
1.1 Die Rede von Gott als Rede über den Menschen
1.2 Gottesbegriff und Schöpfungsglaube
1.3 Das Credo als „Grundsymbol“ christlichen Wirklichkeitsverständnisses
2 Schöpfung – eingeborgen in das Mysterium des Dreieinen: Trinitätslehre, Schöpfung und Naturwissenschaft
2.1 Erkenntnisse der Naturwissenschaft als Verstehenshilfe von Trinität
2.2 Trinität als Communio
3 Kosmische Liturgie und Liturgie des Kosmos: Schöpfungstheologische und anthropologische Implikationen im Bereich der Liturgie
3.1 Anthropologische Voraussetzungen des Kultbegriffs
3.2 Die kosmische Dimension des Kultbegriffs
3.3 Liturgie als Vorwegnahme eschatologischer Wirklichkeit
4 Heil des Einzelnen und Vollendung der Welt: Eschatologie im Spiegel von Schöpfungstheologie und Anthropologie
4.1 Individualismus und Kollektivismus als Fehlformen christlicher Eschatologie
4.2 Das personale Prinzip christlicher Eschatologie
4.3 Der Mensch vor den letzten Fragen seiner Existenz
4.4 Heimholung der Schöpfung
4.5 Schöpfung und Gericht
5 Kirche, Mensch und Schöpfung: Die Ekklesiologie Joseph Ratzingers
5.1 Die innere Vorherbestimmung der Schöpfung auf die Kirche
5.2 Kirche: Volk Gottes und/oder Leib Christi? Die Communio-Ekklesiologie Joseph Ratzingers
5.2.1 Der Einzelne als Glied des Leibes Christi
5.2.2 Die Bewertung des Volk-Gottes-Begriffs bei Ratzinger
5.2.3 Kirche als „Volk Gottes vom Leib Christi her“
5.2.4 Versammelt um den „neuen Adam“ Christus
6 Die Enzyklika Spe salvi Papst Benedikts XVI.: „Kompendium“ theologischer Anthropologie
6.1 Aufbau der Enzyklika und ihre Analyse des modernen Menschenbildes
6.2 Die Persongestalt christlicher Hoffnung
6.3 Lernorte der Hoffnung
6.4 Die Theologie des Gebetes: Ausgreifen nach der Erfüllung des Menschseins
IV Zusammenführung der Einzelaspekte: Schöpfungstheologie und Anthropologie bei Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. im Fokus der Christologie
1 „Gott ist unendliche Nähe“: Die Theologie Joseph Ratzingers im Kontext einer spirituellen Christologie
1.1 Primat des Logos vor dem Ethos
1.2 Jesus Christus als Bild des neuen Menschen
1.3 Göttliches Leben in Christus
2 Auswertung und Ertrag: Christus alles in allem (vgl. 1 Kor 15,28)
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Anthropologie und Schöpfungstheologie im Denken Joseph Ratzingers/Benedikts XVI. systematisch zu erschließen und deren tiefgreifende christologische Verwurzelung aufzuzeigen. Dabei stellt sich die zentrale Forschungsfrage, wie Ratzinger den christlichen Glauben im Dialog mit einem naturwissenschaftlich geprägten modernen Weltbild positioniert, ohne dabei die spezifisch theologische Identität des Schöpfungs- und Menschenbildes aufzugeben.
Die Herausforderung Joseph Ratzinger
„Das außerordentlich reiche Werk dieses heute 38-jährigen Gelehrten, die Spannweite, Gründlichkeit und Ausdauer seines Schaffens, das für die Zukunft noch vieles erwarten lässt, die Eigenständigkeit seiner Forschungsrichtung, welche die Arbeit des zweiten Dogmatikers glücklich ergänzt, aber auch sein großer Lehrerfolg in Bonn und Münster sowie die angenehmen menschlichen Eigenschaften, die eine fruchtbare Zusammenarbeit mit allen Kollegen erwarten lassen, dies alles bildete die Grundlage für die Entscheidung der Fakultät, Joseph Ratzinger [...] für die Besetzung des Lehrstuhles für Dogmatik vorzuschlagen.“
Zu diesem Urteil kam im Jahre 1966 die Berufungskommission der Universität Tübingen, die über die Besetzung des Lehrstuhls für Dogmatik und Dogmengeschichte zu entscheiden hatte. Als Autor dieser Zeilen zeichnete der damalige zweite Lehrstuhlinhaber für Dogmatik, Professor Hans Küng, verantwortlich, wie er im zweiten Teil seiner Autobiographie verrät. Vielleicht auch um etwaigen Einwänden und übereiligen Fehlschlüssen angesichts seiner späteren Konflikte mit Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation zuvorzukommen, fügt der mittlerweile 80-jährige hinzu: „Ich kann noch heute zu diesen Worten stehen.“
So kann diese Analyse des Theologen Joseph Ratzinger in ihrer Präzision und nahezu prophetischen Aussagekraft getrost am Anfang dieser Arbeit stehen, die sich mit dem Werk Joseph Ratzingers befasst. Die Meinung Küngs hat schon deshalb ihre Bedeutung, weil er sicherlich nicht in die Gefahr gerät, als allzu willfähriger Bewunderer des heutigen Papstes zu gelten.
Einführung: Die Herausforderung Joseph Ratzinger: Einleitende Würdigung des theologischen Gesamtwerks Ratzingers und Darlegung der zentralen Forschungsanliegen hinsichtlich Anthropologie und Schöpfungstheologie.
I Aspekte der Theologiegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts in der Auseinandersetzung um Evolution und Schöpfungsglaube: Denkerischer Hintergrund der Theologie Joseph Ratzingers: Untersuchung der historischen Konfrontation zwischen Evolutionslehre und Glauben und der konziliaren Antworten (Vaticanum I und II) darauf.
II Glaube, Vernunft und Evolution: Joseph Ratzinger und das Weltbild der Moderne: Analyse der Verhältnisbestimmung von Vernunft und Glaube und der Kritik an einer rein pragmatisch-wissenschaftlichen Welterklärung.
III Anwendungsfelder von Schöpfungsglaube und christlicher Anthropologie in Theologie und kirchlichem Leben: Anwendung der Erkenntnisse auf zentrale Traktate wie die Gotteslehre, Liturgie, Eschatologie und Ekklesiologie sowie die Auseinandersetzung mit der Enzyklika Spe salvi.
IV Zusammenführung der Einzelaspekte: Schöpfungstheologie und Anthropologie bei Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. im Fokus der Christologie: Abschließende Synthese, die verdeutlicht, dass die gesamte Theologie Ratzingers im christologischen Mysterium verankert ist.
Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., Schöpfungstheologie, Christliche Anthropologie, Glaube und Vernunft, Evolutionstheorie, Gaudium et Spes, Christologie, Ekklesiologie, Liturgie, Eschatologie, Spe salvi, Trinitätstheologie, Geist der Liturgie.
Die Publikation analysiert die schöpfungstheologischen und anthropologischen Grundlinien im Denken von Joseph Ratzinger bzw. Papst Benedikt XVI. und verortet diese im Kontext einer durch das Christusmysterium geprägten Theologie.
Zu den Kernbereichen gehören das Verhältnis von Glaube und Vernunft, die Auseinandersetzung mit der Evolutionstheorie, die Bedeutung der Konzilstexte (insbesondere Gaudium et spes) sowie die Rolle der Liturgie und Ekklesiologie.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Ratzinger den christlichen Schöpfungs- und Menschenglauben gegen eine rein säkular-pragmatische Weltsicht verteidigt und ihn als Antwort auf die existentiellen Fragen des Menschen in Christus begründet.
Der Autor wendet eine dogmengeschichtliche und systematisch-theologische Analyse an, die Ratzingers Werk im Dialog mit kirchlichen Dokumenten, philosophischen Strömungen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen interpretiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung des Theologieverständnisses des 19./20. Jahrhunderts, die philosophische Einordnung von Glaube und Vernunft in der Moderne sowie die Anwendung auf dogmatische Traktate wie Gotteslehre, Liturgie und Eschatologie.
Zentrale Begriffe sind Anthropologie, Schöpfungsglaube, Christozentrik, Logos, Evolution, Glaube und Vernunft, Liturgie sowie Ekklesiologie.
Ratzinger war als Konzilberater maßgeblich an diesem Text beteiligt. Die Konstitution markiert für ihn die Wende, bei der die Theologie in einen mutigen, aber kritischen Dialog mit der Moderne tritt, ohne ihre eigenen Wurzeln zu verleugnen.
Die Liturgie wird nicht nur als praktisches Feld betrachtet, sondern als fundamentaler Ausdruck einer „kosmischen Liturgie“. Sie dient Ratzinger als lebendiger Ort, an dem sich die schöpfungstheologische und anthropologische Bedeutung des Glaubens konkret erfahren lässt.
Ratzinger verwirft die Evolutionstheorie nicht, lehnt aber deren Erhebung zu einer universellen Weltanschauung („Supertheorie“) ab, welche die geistige Dimension des Menschen ignoriert und den Glauben als „Hypothese“ überflüssig machen will.
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