Examensarbeit, 2010
80 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
II. Forschungsstand
III. Literarische Zeugnisse zu Gladiatorenkämpfen
III. 1. Marcus und Quintus Tullius Cicero
III. 2. Plutarch
III. 3. Gaius Suetonius Tranquillus
III. 4. Titus Livius
III. 5. Cassius Dio
IV. Ursprünge und Entwicklung der römischen Gladiatur
IV. 1. Die Ursprünge von munera
IV. 2. Die Ausbildung des Gladiatorenwesens
V. Gladiatur, virtus und Stoa
VI. Gladiatoren und munera in der römischen Republik
VI.1. munera als Mittel im Wahlkampf und die Frage der Entpolitisierung
a. Das Klientelwesen
b. Das Wahlsystem
c. Comitia, contiones oder Spiele als Ort der politischen Kommunikation?
d. Die Rolle von ambitus in der Römischen Republik
VI.2. Der Einsatz von Gladiatoren in den Machtkämpfen der späten Republik
VII. Die Frage der Verstaatlichung von munera
VIII. Prinzipat
VIII. 1. Caesar
VIII. 2. Augustus
VIII. 3. Entwicklung unter der Iulisch-claudischen Dynastie
IX. Entpolitisierung durch Spiele oder munera als neuer politischer Kommunikationsort?
X. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Massenvergnügungen, insbesondere den Gladiatorenkämpfen (munera), und der politischen Entwicklung in Rom beim Übergang von der Republik zur Kaiserzeit, um die Hypothese einer bewussten Entpolitisierung der Bürgerschaft durch "Brot und Spiele" kritisch zu hinterfragen.
IV. 1. Die Ursprünge von munera
Der Ursprung der römischen Gladiatorenkämpfe findet sich nach Tertullian im Totenkult. Man veranstaltete in der Frühzeit Menschenopfer am Grab eines Angehörigen, in dem Glauben, die Seelen der Toten würden durch menschliches Blut versöhnt. Um diese Opfer aufzuwerten, sei man mit der Zeit dazu übergegangen, nicht mehr nur Kriegsgefangene oder schlecht gebaute Sklaven zu opfern, sondern gut ausgebildete und mit wertvollen Waffen ausgestattete Kämpfer an den Gräbern antreten zu lassen. Diese Angaben sind trotz des christlichen Hintergrunds Tertullians, der eine ablehnende Haltung gegenüber den – nach christlichen Idealen menschenverachtenden – Gladiatorenspielen mit sich bringt, nicht abwegig. (Menschen-)Opfer waren vermutlich in allen frühzeitlichen Kulturen des mediterranen Raumes bei Begräbnissen Brauch. MOURATIDIS bezeichnet munera in Bezug auf Menschenopfer sogar als fortschrittlich, da sie durch die Überlebenschance für die Opfer weniger grausam gewesen seien.
I. Einleitung: Einführung in die Thematik der Gladiatorenspiele und die Fragestellung nach der politischen Instrumentalisierung der Bevölkerung durch "Brot und Spiele".
II. Forschungsstand: Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der römischen Gladiatur und deren sozialpolitische Deutung.
III. Literarische Zeugnisse zu Gladiatorenkämpfen: Analyse der antiken Quellen, insbesondere der Schriften von Cicero, Plutarch, Sueton, Livius und Cassius Dio.
IV. Ursprünge und Entwicklung der römischen Gladiatur: Untersuchung der historischen und etymologischen Wurzeln der Gladiatorenspiele sowie der frühen Entwicklung des Gladiatorenwesens.
V. Gladiatur, virtus und Stoa: Betrachtung der Verbindung zwischen dem Gladiatorenwesen, dem stoischen Ideal und dem römischen Wertesystem der virtus.
VI. Gladiatoren und munera in der römischen Republik: Detaillierte Analyse der Rolle von Spielen im Wahlkampf und der Nutzung von Gladiatoren als bewaffnete Einheiten in politischen Machtkämpfen.
VII. Die Frage der Verstaatlichung von munera: Historische Prüfung, ob und wann eine staatliche Organisation der Gladiatorenspiele stattfand.
VIII. Prinzipat: Untersuchung der Entwicklung von munera unter Caesar und Augustus sowie der Iulisch-claudischen Dynastie hin zum Instrument des Kaiserkultes.
IX. Entpolitisierung durch Spiele oder munera als neuer politischer Kommunikationsort?: Diskussion der These, ob die Spiele tatsächlich zur Entpolitisierung beitrugen oder neue Räume für politische Kommunikation schufen.
X. Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Resümee, das die Partizipationsmöglichkeiten der römischen Bürger neu bewertet und die These der bewussten Entpolitisierung durch munera zurückweist.
Gladiatoren, munera, Römische Republik, Prinzipat, Entpolitisierung, Brot und Spiele, Wahlkampf, ambitus, politische Kommunikation, virtus, Stoa, Klientelwesen, Kaiserzeit, Machtkämpfe, Plebs urbana.
Die Arbeit untersucht, ob die römischen Gladiatorenspiele (munera) gezielt zur politischen Entpolitisierung der Bevölkerung eingesetzt wurden oder ob sie eine andere Funktion im politischen System einnahmen.
Die Schwerpunkte liegen auf der politischen Rolle der munera in der späten Republik, deren Bedeutung als Mittel zur Wahlbeeinflussung sowie deren Wandel im Übergang zur Kaiserzeit.
Die zentrale Frage ist, ob der Wandel von privaten Leichenspielen hin zu staatlich organisierten Massenveranstaltungen eine systematische Entpolitisierung der römischen Bürgerschaft bewirkte.
Es wird ein sozialhistorischer Zugriff gewählt, der die antiken literarischen Zeugnisse sowie moderne Forschungspublikationen kritisch analysiert und in den historischen Kontext einordnet.
Der Hauptteil analysiert das römische Wahlsystem, die Rolle des Klientelwesens, den Einsatz von Gladiatoren als private Garden in politischen Konflikten und die Entwicklung unter den Kaisern von Augustus bis Nero.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Gladiatur, munera, ambitus, politische Partizipation, virtus und Kaiserkult definiert.
Die Autorin sieht in den Gladiatoren ein politisch desinteressiertes, aber hochdiszipliniertes Werkzeug, das von den Mächtigen der späten Republik gezielt für Terroreinsätze und Machtdemonstrationen instrumentalisiert wurde.
Die Autorin widerspricht der These einer bewussten Entpolitisierung und argumentiert, dass die Spiele vielmehr zu einem neuen, zentralen Ort der politischen Kommunikation zwischen Herrscher und Volk wurden, an dem politische Forderungen artikuliert werden konnten.
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