Magisterarbeit, 2011
115 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Jugend und Politisierung während der späten 1960er Jahre
2.1 Otto Schily
2.1.1 Jugend in Bochum und Studium in Westberlin
2.1.2 Der Tod Benno Ohnesorgs und erste politische Prozesse
2.2 Christian Ströbele und der Eintritt in das Sozialistische Anwaltskollektiv nach dem Tod Benno Ohnesorgs
2.3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten
3. Die Zeit als RAF-Verteidiger in den 1970er Jahren
3.1 Otto Schily
3.1.1 Der Kaufhausbrandstifterprozess, die Mahler-Prozesse und der Aufstieg zum führenden RAF-Verteidiger
3.1.2 Der Ensslin-Kassiber
3.1.3 Der Stammheim-Prozess
3.2 Christian Ströbele
3.2.1 Erste RAF-Prozesse bis zum Ausschluss aus dem Stammheim-Prozess
3.2.2 Das Info-System und die Verurteilung wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung
3.3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten
4. Bundestagsabgeordnete der Grünen in den 1980er Jahren
4.1 Otto Schily
4.1.1 Gründungsmitglied und Einzug in den Bundestag
4.1.2 Verhältnis zu den anderen Parteien im Bundestag
4.1.3 Der Flick-Untersuchungsausschuss
4.1.4 Stellung innerhalb der Grünen und Unzufriedenheit mit seiner Situation
4.2 Christian Ströbele als Nachrücker im Bundestag und seine Konzentration auf die Berliner Landespolitik
4.3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten
5. Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Entwicklung während der 1990er und 2000er Jahre
5.1 Otto Schily
5.1.1 Parteiwechsel zur SPD 1989 und Krise zu Beginn der 1990er Jahre
5.1.2 Wiederaufstieg und Bundesinnenminister
5.1.3 Das NPD-Verbotsverfahren, Online-Durchsuchungen und der Wandel Schilys im Vergleich zu den 1970er Jahren
5.2 Christian Ströbele
5.2.1 Ströbele als Parteisprecher der Grünen und die Zeit bis 2002
5.2.2 Ströbele als einziger, direkt gewählter, grüner Bundestagsabgeordneter
5.3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten
6. Zusammenfassung
Die Magisterarbeit befasst sich mit einem Vergleich der politischen Karrieren von Otto Schily und Christian Ströbele. Das primäre Ziel ist es, die Entwicklung der beiden ehemaligen RAF-Verteidiger zu analysieren, ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten sowie zu ergründen, wie sie den Wandel vom linken Rand in das Zentrum der Macht bewältigten.
3.1.2 Der Ensslin-Kassiber
Am 7. Juni 1972 wurde Gudrun Ensslin in Hamburg und am 15. Juni 1972 Ulrike Meinhof in Langenhagen bei Hannover verhaftet. Schily übernahm wie schon im Jahr 1968 die Verteidigung Ensslins. Aus diesem Grund besuchte er sie am 12. Juni in der Justizvollzugsanstalt Essen. Er war damit der einzige Besuch, den Ensslin in der Zeit zwischen ihrer Festnahme und der von Meinhof acht Tage später, bekam.
Bei Meinhof wurde jedoch bei ihrer Festnahme der so genannte Ensslin-Kassiber gefunden, der Anweisungen enthielt, wie sich Meinhof im Untergrund verhalten solle, der Details zu ihrer eigenen Festnahme beinhaltete und von Ensslin daher auf jeden Fall nach dem 7. Juni 1972 verfasst wurde. Durch diese Vorgänge kam Schily in große Erklärungsnöte. Er war der einzige Besucher, den Ensslin hatte und damit war er zunächst auch der einzige Verdächtige, der als Bote in Frage kam. Schily befürchtete nun, dass er wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verhaftet werden würde. Aber selbst wenn er nicht ins Gefängnis müsste, rechnete er damit, dass er zumindest seine Anwaltszulassung und damit seine Arbeit verlieren würde. Deshalb ist es „einer der wenigen Momente, in denen Schily, der kühle Anwalt, der sich stets an die Fakten hält, panisch ist. Er hat Angst, dass seine Karriere endgültig vorbei ist.“
1. Einleitung: Hinführung zum Thema, Darstellung der Motivation sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise und Quellenlage.
2. Jugend und Politisierung während der späten 1960er Jahre: Analyse der familiären Hintergründe und der entscheidenden Ereignisse, die den Weg beider Protagonisten in die linke außerparlamentarische Opposition ebneten.
3. Die Zeit als RAF-Verteidiger in den 1970er Jahren: Untersuchung ihrer Tätigkeit als Anwälte in politischen Prozessen, der Einfluss des Info-Systems und der massive Druck auf ihre Arbeit.
4. Bundestagsabgeordnete der Grünen in den 1980er Jahren: Beleuchtung ihres Einzugs in den Bundestag als Mitbegründer der Grünen sowie der unterschiedlichen politischen Strategien im parlamentarischen Betrieb.
5. Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Entwicklung während der 1990er und 2000er Jahre: Darstellung von Schilys Parteiwechsel zur SPD und seinem Aufstieg zum Minister gegenüber Ströbeles Rolle als Mahner in der grünen Partei.
6. Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse und Fazit über die gegensätzliche, aber historisch prägende Entwicklung beider Persönlichkeiten.
Otto Schily, Christian Ströbele, RAF-Verteidiger, Grüne, SPD, 68er-Bewegung, Politische Karriere, Rechtsstaat, parlamentarische Demokratie, Info-System, Stammheim-Prozess, Bundesinnenminister, Politische Biografie, Deutschland nach 1945.
Die Arbeit untersucht die parallelen und divergierenden Lebenswege von Otto Schily und Christian Ströbele, von ihrer gemeinsamen Zeit als RAF-Verteidiger bis zu ihrer jeweiligen Karriere in der parlamentarischen Politik.
Die Arbeit konzentriert sich auf die Auswirkungen der 68er-Bewegung, die rechtliche und politische Arbeit in RAF-Prozessen, den Aufbau der Grünen und die spätere politische Neuorientierung beider Protagonisten.
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Biografien zu analysieren und zu verstehen, wie beide es schafften, trotz ihrer kontroversen Anfangsjahre zu zentralen Gestalten der bundesdeutschen Politik aufzusteigen.
Der Autor wendet einen biografischen Vergleich an, der chronologisch aufgebaut ist und die Entwicklungen beider Personen in den jeweiligen Jahrzehnten systematisch gegenüberstellt.
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte: die Politisierung in den 60ern, die Anwaltstätigkeit in den 70ern, die Parlamentszeit bei den Grünen in den 80ern und die weitere Entwicklung in den 90ern und 2000ern.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie RAF-Anwälte, politische Karriere, Rechtsstaatlichkeit, Opposition, Systemtransformation und Biografieforschung beschreiben.
Die Affäre markierte eine extreme Belastungsprobe für Schilys Anwaltskarriere, da er aufgrund seiner Mandatsbeziehung zu Gudrun Ensslin unter Terrorismusverdacht geriet und beinahe seine Zulassung verloren hätte.
Während Ströbele das Info-System aktiv mit aufbaute und als notwendiges Verteidigungsmittel sah, hielt sich Schily aus organisatorischen Aktivitäten weitgehend heraus, um seine eigene rechtliche Position nicht zu gefährden.
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