Bachelorarbeit, 2012
67 Seiten, Note: 1,0
EINLEITUNG
Problemstellung
Aufbau der Arbeit
EVALUATION DER TARGET2-PROBLEMATIK
I. Ökonomische Analyse der TARGET2-Salden
I.1 Harmonisierung der nationalen Zahlungssysteme und die Einführung TARGET2
I.1.1 Weg zum TARGET2-System
I.1.2 Das TARGET2-System
I.2 Entstehung der TARGET2-Salden
I.3 TARGET2 in der EZB-Bilanz
I.3.1 Bilanzen der Zentralbanken
I.3.2 TARGET2 in der Bilanz
I.3.3 Haftungsproblematik der TARGET2-Salden
I.4 TARGET2 in der Zahlungsbilanz
I.4.1 Zahlungsbilanz
I.4.2 TARGET2 in der Zahlungsbilanz
I.5 Entwicklung der TARGET2-Salden im Zeitablauf
II. Wissenschaftliche Diskussion über die TARGET2-Problematik und Lösungsvorschläge zu deren Reduktion
II.1 Finanzmarktkrise 2007 und Sudden Stop
II.2 Wissenschaftlicher Diskurs über den fortwährenden Anstieg nach der Finanzkrise
II.2.1 Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits der GIIPS-Staaten
II.2.2 Kapitalflucht aus den GIIPS-Ländern
II.2.3 Verknüpfung beider Theorien
II.2.4 Abgeleitete Hypothesen und deren wissenschaftlicher Diskurs
II.2.4.1 Kreditverdrängungshypothese
II.2.4.2 Fiskalhypothese
II.3 Lösungsvorschläge und deren Risiken
II.3.1 Amerikanisches Modell
II.3.2 Zinsanreizsysteme bzw. Deckelungen zur Begrenzung der TARGET2-Salden
II.3.3 Supranationaler Bankensektor und Fiskalunion
KRITISCHE REFLEXION
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die ökonomischen Ursachen für die akkumulierten TARGET2-Salden innerhalb der europäischen Währungsunion zu identifizieren, diese wissenschaftlich zu diskutieren und mögliche Lösungsansätze zur Reduktion dieser Salden kritisch zu beleuchten.
I.1.1 Weg zum TARGET2-System
TARGET2 steht für Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System 2 und es handelt sich um ein RTGS System. Dieses Kürzel steht wiederum für Real-Time Gross Settlement. Dabei handelt es sich um ein „Zahlungsverkehrssystem, in dem Zahlungsaufträge zum Zeitpunkt ihres Entstehens einzeln verarbeitet [=“brutto bzw gross“] und unverzüglich abgewickelt [=“real-time“] werden.“ Die RTGS Systeme wurden in den meisten europäischen Nationen um 1980 (in Deutschland 1987) als Folge der stark gesunkenen Telekommunikations- und Computerkosten eingeführt. Anfangs konkurrierte das RTGS System noch mit dem DNS (Deferred Net Settlement) System, das die Zahlungen nicht brutto sondern netto verrechnete. Der Hauptunterschied bestand darin, dass bei einem Nettozahlungssystem die unterschiedlichen Transaktionen einer Bank „fortlaufend verrechnet, ohne dass eine entsprechende Deckungsüberprüfung vorgenommen wird.“ Erst am Ende eines Arbeitstages werden die verrechneten und geschuldeten Salden an die jeweilige Gläubiger-Bank überwiesen. Im Falle des Konkurses einer Bank und der Nichterfüllung von Zahlungen besteht das Risiko, dass Banken, deren Konten als Verrechnungskonten genutzt wurden, Ausfälle hinnehmen müssten. Daher könnten diese ebenfalls in Liquiditätsschwierigkeiten geraten und im schlimmsten Falle besteht die Möglichkeit, dass sich eine Pleite auch auf diese Institute ausweitet. Dies wiederum könnte zu neuen Ansteckungseffekten führen. Es besteht also ein systematisches Risiko. Bruttozahlungssysteme verrechnen die Zahlungen einzeln, d. h. wenn das Verrechnungskonto ausreichend gedeckt ist, wird die Transaktion abgewickelt ohne mit einer anderen Transaktion verrechnet zu werden. Kurze Finanzierungsengpässe können mit der Hilfe von „Innertags-Überziehungskredite[n]“ ausgeglichen werden. Das systematische Risiko ist also deutlich geringer, aber es entsteht ein Kreditausfallrisiko. Dieses versuchten die europäischen Staaten zu reduzieren,
EINLEITUNG: Einführung in die Problematik des TARGET2-Systems, der Problemstellung und der Struktur der Arbeit.
EVALUATION DER TARGET2-PROBLEMATIK: Darstellung der theoretischen Grundlagen, Entstehungsmechanismen von Salden und deren Verbuchung in Zentralbank- und Zahlungsbilanzen.
Wissenschaftliche Diskussion über die TARGET2-Problematik und Lösungsvorschläge zu deren Reduktion: Kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Theorien zur Entstehung der Salden nach der Finanzkrise und Analyse möglicher Lösungswege.
KRITISCHE REFLEXION: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse über die Ursachen und Auswirkungen von TARGET2-Salden sowie ein Ausblick auf die europäische Fiskal- und Bankenunion.
TARGET2, TARGET2-Salden, Europäische Zentralbank, EZB, Zahlungsbilanz, Leistungsbilanzdefizit, Kapitalflucht, Refinanzierung, Finanzmarktkrise, Fiskalunion, Eurosystem, Zentralbankbilanz, Kreditverdrängungshypothese, Fiskalhypothese, Währungsunion.
Die Arbeit untersucht die ökonomischen Hintergründe und Ursachen der TARGET2-Salden innerhalb der europäischen Währungsunion, insbesondere vor dem Hintergrund der Finanzkrise 2008.
Zentrale Themen sind die Funktionsweise von RTGS-Zahlungssystemen, die Verbuchung von TARGET2-Salden in Zentralbankbilanzen, deren Rolle in der Zahlungsbilanz sowie die wissenschaftliche Kontroverse um ihre Entstehungsursachen.
Ziel ist es, die Gründe für die massiv akkumulierten Salden zu finden, die verschiedenen wissenschaftlichen Deutungsansätze zu diskutieren und Lösungsstrategien zur Beseitigung der Salden kritisch zu evaluieren.
Die Arbeit stützt sich auf eine ökonomische Analyse theoretischer Modelle, die Auswertung von Zentralbankbilanzen sowie die Gegenüberstellung verschiedener wissenschaftlicher Positionen und Hypothesen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse der Bilanzmechanismen (Kapitel I) und eine wissenschaftliche Diskussion über die Ursachen der Saldenentwicklung nach der Finanzkrise sowie mögliche Reformvorschläge (Kapitel II).
Zu den prägenden Begriffen gehören TARGET2, Kapitalflucht, Leistungsbilanzdefizit, EZB, Eurosystem, Refinanzierungskredite und Fiskalunion.
Sinn sieht die Salden primär als Finanzierungshilfe für Leistungsbilanzdefizite der Krisenländer durch das Eurosystem, während Buiter die Salden maßgeblich auf eine massive Kapitalflucht aus den krisengefährdeten Ländern zurückführt.
Das Modell der US-Notenbank wird als Vergleich herangezogen, da es durch jährliche Abrechnungen und den Transfer von Sicherheiten Anreize setzt, die Salden klein zu halten, was als mögliches Vorbild für Europa debattiert wird.
Die GIIPS-Staaten dienen als Fallbeispiele für Länder mit hohen negativen TARGET2-Salden, an denen die Problematik der Kapitalflucht und der Abhängigkeit von Zentralbankkrediten exemplarisch verdeutlicht wird.
Der Autor stellt fest, dass es keine einheitliche Meinung in der Wissenschaft gibt und die aktuelle Entwicklung hin zu einer Fiskal- und Bankenunion zwar neue Horizonte öffnet, aber auch komplexe neue Haftungsfragen aufwirft.
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