Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
29 Seiten, Note: 1,3
1. Vorbemerkung
2. Vom Wiener Kongreß zu den Karlsbader Beschlüssen
2.1. Nach der Napoleonischen Zwangsherrschaft
2.2. Karlsbad oder Provisorische Bestimmungen hinsichtlich der Freiheit der Presse
2.3. Was sich für Börne durch die Karlsbader Beschlüsse änderte
3. Denkwürdigkeiten der Frankfurter Zensur
3.1. Entstehung und Eingang
3.2. Zweiter Zensurstreich
3.3. Neunter Zensurstreich
3.4. Zehnter Zensurstreich
3.5. Vierzehnter Zensurstreich
4. Philosophische Grundlagen
5. Die Praxis
5.1. Börnes Konzeption des »Zeitschriftstellers« in seiner Ankündigung der Wage
5.2. Programm zur Übernahme der Zeitschwingen (BS I 776–781)
6. Börnes Ästhetik
7. Doppeldeutiges. Zum literarischen Stil Ludwig Börnes
8. Grenzen mehrdeutigen Schreibens
Die Arbeit analysiert die publizistische Strategie von Ludwig Börne im Kampf gegen die Zensur im frühen 19. Jahrhundert. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie Börne durch subversive Schreibtechniken und mehrdeutige Rhetorik versuchte, zensierte Inhalte zu umgehen und sein Ideal einer freien Presse und sittlichen Demokratie zu verwirklichen.
3.1. Entstehung und Eingang
Den Artikel Denkwürdigkeiten der Frankfurter Zensur veröffentlichte Börne im April 1819 in zwei Teilen, dem sechsten und siebten Heft Der Wage, die er von 1818–1821 in Frankfurt/M. herausgab (BI II 1018). Das Thema des Artikels ist die Willkür und teilweise Ungesetzlichkeit bei der Ausübung der frankfurter Zeitungszensur. Unsere erste These lautet, daß Börne mit diesem Artikel grundsätzlich für Pressefreiheit stritt.
Zwei als ironische Fragen indirekt verbrämte Thesen im Anfang des Artikels Hauptteils sind als deutliches Plädoyer für die Zensurfreiheit und als Beispiel für »subversives Schreiben« lesbar:
Kann eine freie Stadt [d. h. Frankfurt M. D.] sich besser sichern, als wenn sie überall die Freiheit gegen jeden, der sie verfolgt, in Schutz nimmt? Oder bestünde die Freiheit unserer Verfassung etwa nur darin, daß abwechselnd jeder Bürger dazu kommen kann, diese Freiheit beschränken zu helfen? (Denkwürdigkeiten 883)
Börne fordert indirekt indem er direkt fragt. Börnes subversive Schreibstrategien sind formal wesentlich durch das Mittel der Verstellung gekennzeichnet, die Börne vielfach durch eine uneigentliche Redeweise realisierte. So verstellt sich Börne beispielsweise, wenn er den Zwiespalt beschreibt, in den sich der begebe, der sich zum Zensurthema äußere. Diesem Zwiespalt können mindestens zwei verschiedene rhetorische Funktionen zugewiesen werden.
1. Vorbemerkung: Einführung in die Thematik der Zensur um 1819 und Vorstellung des methodischen Vorgehens anhand von Börnes „Denkwürdigkeiten“.
2. Vom Wiener Kongreß zu den Karlsbader Beschlüssen: Darstellung der pressepolitischen Anarchie zwischen 1815 und 1819 sowie der restriktiven Maßnahmen durch die Karlsbader Beschlüsse.
3. Denkwürdigkeiten der Frankfurter Zensur: Analyse der von Börne publizierten Artikelserie als Strategie, Zensur durch subversive und mehrdeutige Schreibweisen transparent zu machen.
4. Philosophische Grundlagen: Erläuterung der philosophischen Prämissen hinter Börnes Denken, insbesondere die Einheit von Idee und Wirklichkeit sowie Wissenschaft und Praxis.
5. Die Praxis: Untersuchung von Börnes Rollenverständnis als „Zeitschriftsteller“ und dessen Umsetzung in seinen Publikationen „Die Wage“ und „Zeitschwingen“.
6. Börnes Ästhetik: Analyse der ästhetischen Prinzipien Börnes, insbesondere die Verknüpfung von ethischen und ästhetischen Maßstäben bei der Literaturkritik.
7. Doppeldeutiges. Zum literarischen Stil Ludwig Börnes: Auseinandersetzung mit der Mehrdeutigkeit als stilistisches Kernmerkmal zur Umgehung zensorischer Eingriffe.
8. Grenzen mehrdeutigen Schreibens: Zusammenfassende Bewertung der Grenzen des subversiven Stils angesichts der institutionellen Willkür der Zensurbehörden.
Ludwig Börne, Zensur, Pressefreiheit, Karlsbader Beschlüsse, Subversives Schreiben, Mehrdeutigkeit, Die Wage, Zeitschwingen, Zeitschriftsteller, Journalismus, Vormärz, Politische Publizistik, Zensurbehörde, Stilmittel, Öffentliche Meinung.
Die Arbeit untersucht die publizistischen Strategien Ludwig Börnes, um unter den repressiven Zensurbedingungen der Restaurationszeit (insbesondere nach 1819) politisch kritisch zu schreiben.
Zu den Schwerpunkten zählen die Geschichte der deutschen Pressepolitik, die Analyse von Börnes „Denkwürdigkeiten der Frankfurter Zensur“, seine journalistische Theorie sowie sein spezifischer, als „subversiv“ bezeichneter Schreibstil.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Börne durch das Mittel der Mehrdeutigkeit und ironischen Verstellung versuchte, zensierte Themen im öffentlichen Diskurs zu halten und die Willkür der Zensurbehörden offenzulegen.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Textanalyse von Börnes Schriften, ergänzt durch eine historische Einordnung in den Kontext der Karlsbader Beschlüsse und die Einbeziehung zeitgenössischer sowie moderner literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Im Hauptteil werden konkret Börnes programmatische Ankündigungen seiner Zeitschriften, seine ästhetischen Prinzipien und die detaillierte Untersuchung einzelner „Zensurstreiche“ analysiert.
Wichtige Begriffe sind Pressefreiheit, Subversion, Mehrdeutigkeit, Zensur und der „Zeitschriftsteller“ als Vermittlungsinstanz zwischen Politik und Gesellschaft.
Diese Einheit zwischen bürgerlichem Leben, Wissenschaft und Kunst ist für Börne das Leitmotiv eines engagierten Journalismus, der Theorie und Praxis wieder zusammenführen soll.
Weil er die Sprache als Mittel nutzt, um zensierte Inhalte „durch die Hintertür“ zu transportieren, indem Begriffe bewusst mehrdeutig gehalten werden, sodass der Zensor sie nicht eindeutig als politisch angreifbar markieren konnte.
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