Examensarbeit, 2011
93 Seiten, Note: 1,7
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
1 Einleitung
2 Der Wiederaufbau in der Sowjetischen Besatzungszone
2.1 Politische Rahmenbedingungen
2.2 Städtebauliche Entwicklungen
2.3 Zentralismus im Städtebau
3 Der Wiederaufbau in der Deutschen Demokratischen Republik
3.1 Die Anfänge in der Deutschen Demokratischen Republik
3.2 Die Reise nach Moskau
3.3 Die „Sechzehn Grundsätze des Städtebaus“
3.4 Das Aufbaugesetz
3.5 Der erste Fünfjahrplan von 1951 bis 1955
4 Phasen des Städtebaus in der DDR
4.1 Das Leitbild der „schönen deutschen Stadt“
4.2 Die große Wende im Bauwesen
4.3 Die Industrialisierung des Bauens im Städtebau der DDR
Exkurs – Plattenbauweise
4.4 Rückbesinnung auf den Aufbau der Stadtzentren
4.5 Erkenntnisse I
5 Die sozialistisch geplante Arbeiterstadt Halle-Neustadt
5.1 Standortbestimmung und Planung von Halle-Neustadt
5.2 Erste Ideen für eine neue Stadt
5.3 Der Generalbebauungsplan für Halle-West
6 Die Stadtstruktur von Halle-Neustadt
6.1 Die Wohnkomplexe
6.2 Das Stadtzentrum
6.3 Bevölkerungsentwicklung und Stadtgröße
6.4 Verkehrskonzept
6.5 Erkenntnisse II
7 Die Entwicklung Halle-Neustadts nach 1990
7.1 Demographische Entwicklung und Sozialstruktur
7.2 Folgen der demographischen Entwicklung
7.3 Ziele und Umsetzung der Stadterneuerung in Halle-Neustadt
7.4 Neustadt-Impressionen
8 Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht die städtebauliche Entwicklung von Halle-Neustadt von einer sozialistisch geplanten Idealstadt hin zu einem von Schrumpfungsprozessen geprägten modernen Stadtteil. Das zentrale Ziel ist es, die ideologischen Vorgaben der DDR-Planung, deren Umsetzung im politischen Kontext sowie die sozio-ökonomischen Folgen nach der Wiedervereinigung 1990 kritisch zu analysieren.
Die „Sechzehn Grundsätze des Städtebaus“
Zurück in der DDR beschloss am 27.7.1950 der Ministerrat „Die sechzehn Grundsätze des Städtebaues“ als klar kontrastiertes Gegenbild zur aufgelockerten und gegliederten Stadt mit Wohnzellen und Nachbarschaften und setzt damit gleichzeitig neue Anforderungen an die Architekten der DDR. Von Bedeutung sei nun ins Besondere die Darstellung des künstlerischen Inhalts, bei gleichzeitig kritischem Aneignen des Erbes der Vergangenheit und einer Meisterschaft des Könnens seitens der Architekten (DURTH et al. 1999a: 148).
Zugleich bedeuteten „Die sechzehn Grundsätze des Städtebaus“ das Ende aller Gegen- und Nebeneinander existierenden Planungskonzepte und Architekturauffassungen.
An Stelle des Formalismus sollte das Prinzip des sozialistischen Realismus treten (HOSCISLAWSKI 1991: 57). Der sozialistische Realismus war seit 1934 der für verbindlich erklärte Ansatz im Bereich der Kultur, d.h. auch in der Literatur, Musik und der bildenden Kunst. Die Kunsttheorie des sozialistischen Realismus sieht seine Aufgabe darin, „die Menschen im Geiste des Sozialismus ideologisch umzuformen und zu erziehen“ und wird als „wahrheitsgetreue, historisch konkrete Darstellung der Wirklichkeit in ihrer revolutionären Entwicklung betrachtet“ (HOSCISLAWSKI 1991: 58).
Die Richtlinien des sozialistischen Realismus sollten aber auch auf die Architektur und den Städtebau angewendet werden. Dementsprechend wurden die Prinzipien der Charta von Athen und des Bauhauses abgelehnt und die westdeutsche und amerikanische Architektur als Ausdruck des Kapitalismus abgetan (HOSCISLAWSKI 1991: 61). Um sich vom Westen abzugrenzen, sollte sich auf die nationalen Traditionen des Bauens konzentriert werden. Dabei betonte der Architekt Kurt LIEBKNECHT, dass es „nicht um unschöpferisches kopieren vergangener Stile [...], sondern um die schöpferische Weiterentwicklung auf einer historisch gegebenen nationalen Grundlage“ (zitiert bei HOSCISLAWSKI 1991: 68) ginge. Für ihn kam nur eine kritische Verwendung und Weiterentwicklung von Klassizismus, Renaissance, Barock und Gotik in Betracht. Der Sozialismus sollte dabei nicht mehr als eine weitere Etappe in der Geschichte angesehen werden, sondern als höchste Stufe des Entwicklungsprozesses (DÜWEL 1995: 25).
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der sozialistischen Stadtplanung in der DDR und deren Auswirkungen auf das Stadtbild von Halle-Neustadt.
2 Der Wiederaufbau in der Sowjetischen Besatzungszone: Analyse der politischen Rahmenbedingungen und städtebaulichen Grundlagen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.
3 Der Wiederaufbau in der Deutschen Demokratischen Republik: Untersuchung der Gründungsgeschichte der DDR, der sowjetischen Einflussnahme durch die "Reise nach Moskau" sowie der Etablierung des Aufbaugesetzes.
4 Phasen des Städtebaus in der DDR: Darstellung der Entwicklung vom Leitbild der "schönen deutschen Stadt" hin zur Industrialisierung des Bauwesens und dem Exkurs der Plattenbauweise.
5 Die sozialistisch geplante Arbeiterstadt Halle-Neustadt: Detaillierte Analyse der Standortwahl, der Planungskonzeption und des Generalbebauungsplans für Halle-West.
6 Die Stadtstruktur von Halle-Neustadt: Untersuchung der konkreten baulichen Realisierung, der Wohnkomplexe, des Stadtzentrums sowie verkehrstechnischer Konzepte.
7 Die Entwicklung Halle-Neustadts nach 1990: Beschreibung der demographischen Transformation, der sozialen Folgen und der Strategien der Stadterneuerung in der Nachwendezeit.
8 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Diskrepanz zwischen städtebaulicher Ideologie und der gebauten Realität im historischen Kontext.
Halle-Neustadt, DDR, sozialistischer Städtebau, Planstadt, Industrialisierung des Bauens, Plattenbau, Sechzehn Grundsätze des Städtebaus, Wohnkomplexe, Stadtumbau, Schrumpfende Städte, Architektur, Sozialismus, Stadtzentrum, Transformation, Nachwendezeit
Die Arbeit analysiert die städtebauliche Genese von Halle-Neustadt von der Planung als sozialistische Idealstadt bis zur heutigen Herausforderung durch demographischen Wandel und baulichen Leerstand.
Die Themen umfassen die Architekturgeschichte der DDR, staatliche Planungsvorgaben, industrielle Bauweisen (Plattenbau) und die Herausforderungen der Stadterneuerung nach der Wiedervereinigung.
Das Ziel ist es, das Spannungsverhältnis zwischen den dogmatischen Zielen der sozialistischen Stadtplanung und der tatsächlichen Umsetzung sowie deren langfristigen Auswirkungen auf die Stadtstruktur aufzuzeigen.
Es handelt sich um eine geographisch-historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, zeitgenössischen Planungsdokumenten (Generalbebauungspläne) und einer Vor-Ort-Analyse basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Bauphasen in der DDR, die spezifische Standortplanung von Halle-Neustadt sowie die städtebauliche Transformation der Nachwendezeit.
Zu den Kernbegriffen zählen sozialistischer Realismus, Wohnkomplex, Plattenbauweise, Industrialisierung des Bauens, demographischer Wandel und Stadtumbau.
Halle-Neustadt gilt als eines der markantesten Beispiele einer "von der Industrie für die Industrie" geplanten sozialistischen Stadt, deren Entwicklung von der Entstehung bis zur aktuellen Problematik exemplarisch nachvollziehbar ist.
Der Autor führt das Scheitern maßgeblich auf wirtschaftliche Restriktionen, eine bornierte technologische Politik und das starre "Lego-Prinzip" der Plattenbauweise zurück, das kaum Raum für individuelle Architektur ließ.
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