Diplomarbeit, 2003
84 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Behinderung
2.1 Begriffsbestimmung „Behinderung“ nach WHO
2.2 Begriffsbestimmung „Behinderung“ durch ein Lexikon
2.3 Begriffsbestimmung „Behinderung“ aus rechtlicher Sicht
2.4 Begriffsbestimmung „Behinderung“ aus anthropologischer Sicht
2.5 Einstellungen gegenüber Menschen mit einer Behinderung
3. Grundlagen der beiden Diagnostischen Methoden Präimplantationsdiagnostik und Pränataler Diagnostik
3.1 Die Präimplantationsdiagnostik
3.2 Die Pränatale Diagnostik
3.2.1 Methoden der Pränatalen Diagnostik
3.2.2 Ziele der Pränatalen Diagnostik
3.2.3 Umfang der Pränatalen Diagnostik
3.2.4 Ethische Aspekte der Pränatalen Diagnostik
3.2.5 Juristische Aspekte der Pränatalen Diagnostik
3.3 Reguläre Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt nach Feststellung der Schwangerschaft
3.4 Schwangerschaftsuntersuchungen und ihre Indikation für eine Pränatale Diagnostik
3.4.1 Chorionzottenbiopsie
3.4.2 Nt-Screening
3.4.3 Fruchtwasseruntersuchung (Amniozenthese)
3.4.4 Nabelschnurpunktion
3.4.5 Ultraschalluntersuchungen
3.5 Kritische Sichtweise der Pränatalen Diagnostik
3.6 Der Mutterpass
3.7 Leidvermeidung durch Pränatalmedizin?
4. Das EMRK zur Biomedizin unter dem Aspekt der Pränatalen Diagnostik
4.1 Funktion und Regelungscharakter des EMRK
4.2 Grundsätzliche Kritik an dem Menschenrechtsübereinkommen
4.3 Argumente für das Übereinkommen
5. Betrachtung einzelner Bestimmungen des EMRK hinsichtlich der Pränatalen Diagnostik
5.1 Nichtdiskriminierung (Art. 11)
5.2 Prädikative Genetische Tests (Art. 12)
6. Gentest als Methode im Versicherungs- und Arbeitswesen?
6.1 Versicherungsrecht
6.2 Genetische Tests bei der Einstellung von Arbeitnehmern
7. Der Schwangerschaftsabbruch
7.1 Pränatale Diagnostik und Schwangerschaftsabbruch
8. Der Stellenwert der Menschenwürde
8.1 Begriffsbestimmung Menschenwürde
8.2 Grundrechte und Menschenwürde
8.3 Der humangenetische „Mythos der Normalität“
9. Information und Beratung von schwangeren Frauen
9.1 Überblick über medizinische Beratungsinhalte
9.2 Die ärztliche Beratung nach gesicherter Diagnose
9.3 Beratungsaspekte bezüglich eines Schwangerschaftsabbruchs
9.4 Qualifikationsnachweise der Fachgebiete
10. Psychosoziale Beratung und interdisziplinäre Zusammenarbeit der Disziplinen
10.1 Interdisziplinäre Kooperation
10.2 Humangenetische Beratung
10.3 Das Beratungsverständnis der Humangenetik
10.4 Das Beratungsverständnis der Medizin
10.5 Das Beratungsverständnis von Hebammen
11. Schwangerschaftsberatung – psychosoziale Beratung
11.1 Das Grundverständnis psychosozialer Beratung
11.2 Beratung im Rahmen des § 2 Schwangerschaftskonfliktgesetzes
11.3 Selbstbestimmung, Autonomie und Entscheidungskompetenz als Ziel der Beratung
11.4 Einflüsse auf den Beratungsprozess
12. Aufgaben und Leistungen der Schwangerenberatungsstellen
13. Abgrenzung der Disziplinen
14. Grundsätzliche Aufgaben und Verständnis der Sozialen Arbeit
14.1 Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession
14.2 Positionierung der Sozialen Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Pränatale Diagnostik (PD) und deren Auswirkungen auf werdende Eltern sowie die Rolle verschiedener Disziplinen, insbesondere der Sozialen Arbeit, im Beratungsprozess. Ziel ist es, die Komplexität der Entscheidungsfindung bei vorgeburtlichen Diagnosen aufzuzeigen und die Notwendigkeit einer umfassenden, nicht rein medizinisch geprägten Beratung zu verdeutlichen.
3.7 Leidvermeidung durch Pränatalmedizin?
„... weil Pränataldiagnostik Leid verhindert“, wird argumentiert, sei sie sinnvoll. Aber welches Leid verhindert sie und welches nimmt sie in Kauf? Da ist das tatsächliche Leid oder erwartete Leiden der Angehörigen. Dieses Leiden meint die Angst vor einer zu großen Belastung, die durch die Verantwortung für Menschen mit einer Behinderung, Beeinträchtigung oder Krankheit entstehen kann. Hier gibt die Pränataldiagnostik die Antwort: Selektion als Strategie zur Lebensgestaltung. Außerdem ist da das vorweggenommene Leiden der „Noch-Gesunden“, die Angst zu denen zu gehören, die vermeintlich leiden und/oder abhängig werden von der Unterstützung durch andere.
Dann gibt es das Leiden der Menschen, die mit einer Behinderung, Beeinträchtigung oder Krankheit leben. Für dieses Leid können die Angebote der Medizintechnik kaum eine Antwort geben.
Der Fokus auf Leidensvermeidung meint bestimmtes Leid, anderes wird nicht beachtet oder gar billigend in Kauf genommen. Für die versprochene Sicherheit „kein behindertes Kind“ wird die Traumatisierung von Frauen und Paaren mit dem Befund „behindertes Kind“ ebenso in Kauf genommen wie die Kränkung und Diskriminierung von Menschen, die ein Kind mit einer Behinderung oder Merkmal haben, nach dem gefahndet wird oder die selbst mit einem solchen Merkmal leben.
Pränataldiagnostik bietet nicht nur die Vermeidung von Leid an, sondern schafft auch Leid. Die Abwägungen fallen in der Regel zugunsten des Einsatzes selektiver Techniken aus.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die emotionale Belastung und die widersprüchlichen Wirklichkeiten, denen werdende Eltern bei einer Pränataldiagnostik gegenüberstehen können, und führt in die Thematik ein.
2. Behinderung: Dieses Kapitel diskutiert verschiedene Definitionsansätze von „Behinderung“, von der WHO-Klassifikation bis hin zu anthropologischen und rechtlichen Perspektiven, und betont die Bedeutung individueller Einstellungen.
3. Grundlagen der beiden Diagnostischen Methoden Präimplantationsdiagnostik und Pränataler Diagnostik: Es werden die technischen und medizinischen Grundlagen beider Verfahren sowie die spezifischen Untersuchungsmethoden und deren Indikationen detailliert dargestellt.
4. Das EMRK zur Biomedizin unter dem Aspekt der Pränatalen Diagnostik: Hier erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Menschenrechtsübereinkommen zur Biomedizin des Europarates und dessen Regelungscharakter.
5. Betrachtung einzelner Bestimmungen des EMRK hinsichtlich der Pränatalen Diagnostik: Die Arbeit analysiert spezifische Artikel des EMRK, wie das Diskriminierungsverbot und Regelungen zu prädikativen genetischen Tests, in Bezug auf ihre praktische Anwendung.
6. Gentest als Methode im Versicherungs- und Arbeitswesen?: Das Kapitel beleuchtet die umstrittene Frage, inwieweit genetische Tests für Versicherer oder Arbeitgeber zur Risikoeinschätzung zulässig sind oder sein könnten.
7. Der Schwangerschaftsabbruch: Der Fokus liegt auf der rechtlichen und ethischen Problematik des Schwangerschaftsabbruchs bei vorliegender Diagnose einer fetalen Erkrankung oder Behinderung.
8. Der Stellenwert der Menschenwürde: Es wird die zentrale Bedeutung der Menschenwürdegarantie thematisiert und der kritische „Mythos der Normalität“ innerhalb der Humangenetik hinterfragt.
9. Information und Beratung von schwangeren Frauen: Das Kapitel beschreibt die notwendigen Inhalte ärztlicher Aufklärung und Beratung sowie die Rolle der Fachgebiete bei der Begleitung schwangerer Frauen.
10. Psychosoziale Beratung und interdisziplinäre Zusammenarbeit der Disziplinen: Die Arbeit plädiert für eine interdisziplinäre Kooperation und beleuchtet die verschiedenen Beratungsansätze von Medizinern, Hebammen und Beratern.
11. Schwangerschaftsberatung – psychosoziale Beratung: Es wird der Fokus auf das Grundverständnis psychosozialer Beratung und deren Zielsetzung hinsichtlich Selbstbestimmung und Autonomie gelegt.
12. Aufgaben und Leistungen der Schwangerenberatungsstellen: Das Kapitel gibt einen Überblick über die vielfältigen Aufgaben und Hilfsangebote von Beratungsstellen auf Basis der geltenden Rechtsgrundlagen.
13. Abgrenzung der Disziplinen: Hier werden die Rollen von Medizinern, Hebammen und Beratern voneinander abgegrenzt, um deren spezifische Funktionen in der Schwangerschaftsbegleitung zu verdeutlichen.
14. Grundsätzliche Aufgaben und Verständnis der Sozialen Arbeit: Das letzte Kapitel positioniert die Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession mit dem Ziel, durch präventive und unterstützende Arbeit zur Bewältigung sozialer Probleme beizutragen.
Pränataldiagnostik, Präimplantationsdiagnostik, Behinderung, Menschenwürde, Soziale Arbeit, Humangenetische Beratung, Schwangerschaftsabbruch, Bioethik, EMRK, Psychosoziale Beratung, Patientenautonomie, Normalitätsbegriff, Interdisziplinäre Kooperation, Selektion, Lebensrecht.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Pränatalen Diagnostik und deren Auswirkungen auf werdende Eltern. Sie untersucht dabei die medizinischen, ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Notwendigkeit einer umfassenden psychosozialen Beratung durch verschiedene Disziplinen.
Zu den Kernbereichen gehören das Verständnis von „Behinderung“, die medizinischen Methoden der Pränataldiagnostik, die rechtliche Einordnung durch das EMRK und die Bedeutung einer interdisziplinären Beratung durch Ärzte, Hebammen und Sozialarbeiter.
Das Hauptziel ist es, die Positionierung der Sozialen Arbeit innerhalb des Beratungsprozesses von Schwangerschaften, bei denen eine Pränataldiagnostik in Anspruch genommen wird, zu definieren und aufzuzeigen, wie Betroffene ganzheitlicher unterstützt werden können.
Die Autorin nutzt eine interdisziplinäre Analyse, verknüpft sozialwissenschaftliche, juristische und medizinische Diskurse, wertet Fachliteratur sowie Rechtsgrundlagen aus und bezieht eigene Reflexionen aus der Praxis ein.
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Behinderung, Grundlagen der Diagnostik, rechtliche Aspekte wie das EMRK, ethische Fragen des Schwangerschaftsabbruchs sowie die detaillierte Darstellung und Kooperation verschiedener Beratungsdisziplinen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Pränataldiagnostik, Menschenwürde, soziale Beratung, Autonomie, ethische Selektion und die Rolle der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession beschreiben.
Die Autorin sieht die Soziale Arbeit derzeit oft nur in einer „Feuerwehrfunktion“ bei bereits entstandenen Konflikten. Sie plädiert dafür, dass Soziale Arbeit fest in den regulären Vorsorgeprozess integriert werden sollte, um präventiv zu beraten.
Die Autorin führt dies auf unterschiedliche Beratungsverständnisse der beteiligten Disziplinen, ungleiche gesellschaftliche Wertigkeiten und mangelnde Transparenz zwischen Medizinern, Hebammen und Beratern zurück.
Die Autorin hebt hervor, dass die Diagnose einer „Abweichung“ bei einem Ungeborenen oft zwangsläufig zur Frage des Abbruchs führt, was das Kind de facto als vermeidbares „Risiko“ klassifiziert und mit dem Tötungsverbot kollidiert.
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