Magisterarbeit, 2012
97 Seiten, Note: 2,3
1 Einleitung
2 Pfadabhängigkeit
2.1 Genese
2.1.1 Die Modelle „Polya-Urne“ und „voter-model“
2.1.2 Pfadabhängigkeit nach W. Brain Arthur
2.1.3 Pfadabhängigkeit nach Paul A. David
2.2 Unterschiedliche Pfadabhängigkeit
2.3 Transformation der Pfadabhängigkeit in die Politikwissenschaften
2.4 Schwierigkeiten bei der Transformation der Pfadabhängigkeit in die Politik
2.5 Pfadabhängigkeit und Außenpolitik
2.6 Schlussfolgerung mit neuer Definition
3 Außenpolitik
3.1 Einflüsse auf die Außenpolitik
3.1.1 Einflüsse von Innen auf die policy Gestaltung
3.1.2 Einflüsse von Außen auf die policy Gestaltung
3.2 Entscheidungsprozesse und Einschränkungen
4 Fallbeispiel: Der Kosovo Krieg
4.1 Der Kosovo-Konflikt im kurzen Überblick
4.2 Die Entscheidung zur deutschen Beteiligung
4.2.1 Die Akteure der Bundesregierung
4.2.2 Internationale Akteure
4.2.3 Der Weg zum Einsatzbefehl
4.2.4 Von der ersten Zustimmung bis zum Einsatz
4.3 Zusammenfassende Einordnung
4.4 Zwischenfazit
4.4.1 Der Pfad
4.4.2 War die Entscheidung pfadabhängig?
4.5 Weitere Pfade
4.5.1 Nie wieder Krieg
4.5.2 Nie wieder Auschwitz
4.5.3 Bündnistreue
4.6 Alternatives Szenario
5 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des theoretischen Konzepts der Pfadabhängigkeit auf die deutsche Außenpolitik. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob politische Entscheidungen in der Außenpolitik als pfadabhängig klassifiziert werden können. Dies wird anhand des ersten bewaffneten Kampfeinsatzes der Bundeswehr im Kosovo-Krieg analysiert, um zu bewerten, ob die handelnden Akteure hierbei einem Pfad folgten.
2.1.1 Die Modelle „Polya-Urne“ und „voter-model“
Als Verdeutlichung ihrer Konzepte der Pfadabhängigkeit, ohne sie explizit pfadabhängig zu nennen, wählten David und Arthur das Modell der „Polya-Urne“:
In einer Urne liegen zu Beginn eine weiße und eine schwarze Kugel. Im ersten Durchlauf wird eine Kugel herausgezogen. Die Wahrscheinlichkeit, die eine oder die andere Farbe zu ziehen, liegt bei 50 Prozent. Anschließend werden die gezogene Kugel, sowie eine zusätzliche Kugel der gleichen Farbe, in die Urne gelegt. Im zweiten Durchgang wird erneut eine Kugel gezogen. Die Wahrscheinlichkeit liegt jetzt bei 1/3 zu 2/3 eine bestimmte Farbe zu ziehen. Wird die gleiche Farbe gezogen wie im ersten Durchgang, so erhöht sich das Kugelverhältnis auf vier zu eins. Nach nur wenigen Durchgängen wird ein Zustand erreicht, in dem ein Wechsel der Mehrheitsfarbe in der Urne nahezu unmöglich und nur noch durch einen außergewöhnlichen Zufall möglich wäre. Dieser irreversible Zustand wird als lock in beschrieben.
Typisch für das „Polya-Urnen-Modell“ ist zum Einen, dass je weiter der Prozess fortgeschritten ist, es umso schwieriger wird, den Pfad zu wechseln. Zweitens hat ein Ereignis zu Beginn des Prozesses, in dem Fall das Ziehen einer Kugel, eine größere Auswirkung auf den Verlauf des Pfades als ein späteres Ereignis.
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Konzept der Pfadabhängigkeit vor und formuliert das Ziel der Arbeit, deren Anwendbarkeit auf die deutsche Außenpolitik am Fallbeispiel des Kosovo-Krieges zu prüfen.
2 Pfadabhängigkeit: Dieses Kapitel erläutert die Genese der Pfadabhängigkeit, stellt die zentralen Modelle wie das „Polya-Urnen-Modell“ vor und diskutiert die Herausforderungen bei der Übertragung in die Politikwissenschaft.
3 Außenpolitik: Es werden die innerstaatlichen und internationalen Einflüsse auf die außenpolitische Entscheidungsfindung in Deutschland sowie die Rolle des Parlaments und der Regierung dargestellt.
4 Fallbeispiel: Der Kosovo Krieg: Das Kapitel bietet eine historische Übersicht des Kosovo-Konflikts, analysiert die deutsche Entscheidung zur Kriegsbeteiligung und prüft diese kritisch auf Pfadabhängigkeit.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Pfadabhängigkeit ein nützliches Instrument für die Außenpolitikforschung ist, sofern der untersuchte Pfad präzise definiert wird.
Pfadabhängigkeit, Außenpolitik, Bundeswehr, Kosovo-Krieg, History matters, Increasing returns, Lock in, Entscheidungsfindung, Politikwissenschaft, Transformation, Pfadwechsel, Pfadbruch, NATO, Kontinuität, Handlungsfähigkeit.
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der Pfadabhängigkeitstheorie, die ursprünglich aus der Wirtschaftswissenschaft stammt, auf den Bereich der politischen Entscheidungsfindung, speziell der deutschen Außenpolitik.
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen der Pfadabhängigkeit, die Mechanismen politischer Entscheidungsfindung in Deutschland und eine detaillierte Fallstudie zum Kosovo-Einsatz der Bundeswehr.
Das Ziel ist es, zu klären, ob das Konzept der Pfadabhängigkeit in der Außenpolitik anwendbar ist und ob sich die Entscheidung Deutschlands zur Teilnahme am Kosovo-Krieg als pfadabhängiger Prozess beschreiben lässt.
Es wird ein qualitativer Ansatz gewählt, der theoretische Definitionen auf ein historisches Fallbeispiel anwendet, wobei eine eigene, auf einzelne Entscheidungen fokussierte Definition der Pfadabhängigkeit entwickelt wird.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Ursprünge der Pfadabhängigkeit, die Besonderheiten deutscher Außenpolitik und detailliert den politischen Entscheidungsprozess vor dem ersten bewaffneten Auslandseinsatz der Bundeswehr im Jahr 1999.
Neben dem Kernbegriff "Pfadabhängigkeit" sind "Kosovo-Krieg", "Handlungsfähigkeit", "Kontinuität" sowie die ökonomischen Begriffe "Increasing returns" und "Lock in" entscheidend für das Verständnis der Argumentation.
Ja, der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Entscheidung der Akteure Schröder und Fischer im Kontext der damaligen Zeit und der von der NATO geschaffenen Fakten pfadabhängig war.
Das Modell dient als mathematische Veranschaulichung für selbstverstärkende Prozesse und den sogenannten "Lock-in"-Effekt, also den Zustand, in dem ein Wechsel eines einmal eingeschlagenen Weges extrem unwahrscheinlich wird.
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