Examensarbeit, 2006
93 Seiten, Note: 2,0
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
1 Einleitung
2 Industrialisierung im Ruhrgebiet
2.1 Geographische Einordnung des Ruhrgebiets
2.2 Industrielle Entwicklung des Ruhrgebiets
2.3 Verstädterung und Zuwanderung
2.4 Zusammenfassende Darstellung
3 Wohnsituation der Arbeiterfamilien
3.1 Private Wohnungen
3.2 Werkswohnungen
3.3 Infrastruktur in den Arbeitervierteln
3.4 Zusammenfassende Darstellung
4 Leben der Arbeiter
4.1 Allgemeine berufliche Situation der Arbeiter
4.2 Arbeitslohn
4.3 Soziale Lage
4.4 Freizeitverhalten
4.5 Zusammenfassende Darstellung
5 Berufliche Lage der Arbeiterfrauen
5.1 Erwerbstätigkeit
5.2 Hausfrauen
5.3 Zusammenfassende Darstellung
6 Familienleben in Arbeiterfamilien
6.1 Sexualität, Ehe und Familienplanung
6.2 Rolle der Kinder in der Familie
6.3 Erziehung der Arbeiterkinder
6.4 Zusammenfassende Darstellung
7 Materielle Versorgung
7.1 Kleidung
7.2 Ernährung
7.3 Gesundheitliche Auswirkungen
7.4 Zusammenfassende Darstellung
8 Kinderarbeit
8.1 Tätigkeiten und Lohn
8.2 Ursachen und Auswirkungen der Kinderarbeit
8.3 Kinderschutzgesetze
8.4 Zusammenfassende Darstellung
9 Schulische Ausbildung der Kinder
9.1 Die Entwicklung des Schulsystems bis 1919
9.2 Einrichtung der Schule
9.3 Schulalltag
9.4 Unterrichtsinhalte
9.5 Zusammenfassende Darstellung
10 Kindliches Spiel
10.1 Spiele und Spielzeug
10.2 Leseverhalten
10.3 Zusammenfassende Darstellung
11 Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebensumstände und die Sozialisation von Kindern innerhalb der Arbeiterfamilien im Ruhrgebiet während des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. Das Ziel ist es, die prägenden Faktoren der Arbeiterkindheit – wie Wohnbedingungen, berufliche Situation der Eltern, Kinderarbeit und schulische Erziehung – zu analysieren und deren Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder darzulegen.
3.1 Private Wohnungen
Nachdem die Arbeitsemigranten zunächst in den bereits vorhandenen Bauten unterkamen und diese, wie oben bereits beschrieben, schnell überbelegt waren, richtete sich der private Wohnungsbau auf große Mietermassen ein und baute seit den 1870er Jahren bis zu dreistöckige Mietshäuser, worin jedes Zimmer vom Flur aus erreicht werden konnte. Durch diese Bauweise konnte der Besitzer, je nach Nachfrage, verschiedene Zimmeranzahlen vermieten. Die Häuser waren schnell überbelegt und hatten weder Gartenanlagen oder Stallungen, noch Balkone.
Da die Bautätigkeit nicht mit der Nachfrage Schritt halten konnte, vermietete man die frisch errichteten Häuser an so genannte „Trockenwohner“, welche dort verbilligt wohnten, solange die Wände noch nicht ausgetrocknet waren. Diese Wohnweise konnte vor allem bei Kindern gesundheitliche Schäden wie Tuberkulose auslösen. Die Auswirkungen des Wohnungsmangels wirkten sich auch auf die Qualität der Bauweise aus. Um Zeit und Geld zu sparen, verputzte man die Mietshäuser nicht komplett, so dass Feuchtigkeit eindrang und Schimmelpilze entstanden, wobei man andererseits die Fassade sehr aufwändig mit Stilelementen der Neorenaissance und des Barock verzierte, um die Mängel der Wohnräume zu kaschieren.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der Arbeiterkindheit im Ruhrgebiet des 19. Jahrhunderts ein und definiert den zeitlichen sowie inhaltlichen Fokus der Untersuchung.
2 Industrialisierung im Ruhrgebiet: Dieses Kapitel erfasst die industrielle Entwicklung und die daraus resultierende Urbanisierung des Ruhrgebiets, um den Lebensraum der Arbeiterkinder zu beschreiben.
3 Wohnsituation der Arbeiterfamilien: Hier werden die allgemeinen, oft beengten Wohnverhältnisse sowie die Infrastruktur der Arbeiterviertel thematisiert.
4 Leben der Arbeiter: Das Kapitel befasst sich mit der beruflichen Situation, den Löhnen und der sozialen Absicherung der Väter sowie deren Einfluss auf die Familie.
5 Berufliche Lage der Arbeiterfrauen: Dieser Abschnitt beschreibt die Doppelbelastung der Frauen durch außerhäusliche Erwerbstätigkeit und die Führung des Haushalts.
6 Familienleben in Arbeiterfamilien: Hier werden die Rollenverteilung innerhalb der Kernfamilie, Erziehungsziele und der Einfluss der Eltern auf die Sozialisation der Kinder analysiert.
7 Materielle Versorgung: Dieses Kapitel beleuchtet die Mangelwirtschaft bei Kleidung und Ernährung sowie deren gesundheitliche Folgen für Kinder.
8 Kinderarbeit: Die Notwendigkeit der Kinderarbeit zur Existenzsicherung und die gesetzlichen Rahmenbedingungen werden hier dargelegt.
9 Schulische Ausbildung der Kinder: Dieses Kapitel beschreibt das preußische Schulsystem, die Unterrichtsinhalte und die soziale Funktion der Schule.
10 Kindliches Spiel: Hier werden das Spielverhalten der Kinder sowie deren Lesegewohnheiten unter den gegebenen finanziellen Bedingungen behandelt.
11 Schluss: Das Schlusskapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Lebensumstände und die Kindheitsphase im Ruhrgebiet zusammen.
Arbeiterkindheit, Ruhrgebiet, Industrialisierung, Kinderarbeit, Wohnsituation, Sozialisation, Familie, Erziehung, Schulpflicht, Lebensstandard, Nahrung, Kleidung, Freizeit, Urbanisierung, 19. Jahrhundert.
Die Arbeit untersucht die Lebens- und Sozialisationsbedingungen von Arbeiterkindern im Ruhrgebiet vom Beginn der Industrialisierung bis zum Jahr 1914.
Zu den zentralen Themen gehören die Industrialisierung, die Wohnverhältnisse, die Arbeitsbedingungen von Eltern und Kindern, das Familienleben sowie die schulische Ausbildung und Freizeit der Kinder.
Ziel ist es, die spezifischen Lebensumstände der Arbeiterkinder zu beleuchten und herauszuarbeiten, wie sich diese auf deren Sozialisation und Persönlichkeitsentwicklung auswirkten.
Es handelt sich um eine sozialgeschichtliche Untersuchung, die sich auf Literaturanalysen und historische Quellen stützt.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Sachthemen: von der industriellen und wohnräumlichen Situation über die Berufstätigkeit der Eltern bis hin zu spezifischen Aspekten der Kindheit wie Kinderarbeit, Schule und Spiel.
Die wichtigsten Begriffe sind Arbeiterkindheit, Ruhrgebiet, Industrialisierung, Kinderarbeit, Sozialisation und materielle Versorgung.
Die räumliche Enge verhinderte die Bildung einer Privatsphäre, förderte Konflikte, machte Kinder früh mit dem Sexualleben der Erwachsenen vertraut und schädigte teilweise durch unhygienische Bedingungen ihre Gesundheit.
Die Eltern waren durch ihre prekäre ökonomische Situation, harte Erwerbsarbeit und Existenzsorgen oft überfordert, was dazu führte, dass sie auf disziplinarische Strenge setzten, um den Familienalltag möglichst reibungslos zu bewältigen.
Die Volksschule diente der Grundbildung, war jedoch oft durch Überfüllung, gewaltvolle Disziplinierung und ein primär auf Gehorsam ausgerichtetes Erziehungsziel gekennzeichnet, das den Kindern kaum soziale Aufstiegsmöglichkeiten bot.
Aufgrund der niedrigen Löhne der Väter und der wirtschaftlichen Notlage der Familien war die finanzielle Mitarbeit der Kinder oft unerlässlich für das Überleben des Haushalts.
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