Masterarbeit, 2012
93 Seiten, Note: 1,1
1. Einführung: Tod und Jenseits in den Kulturen
1.1 Jenseitsvorstellungen in der römischen Antike
1.2 Jenseitsvorstellungen im christlichen Mittelalter
1.2.1 Biblische und frühchristliche Texte
1.2.2 Visionsliteratur des Mittelalters
2. Vergil: Aeneis (um 29-19 v. Chr.)
2.1 Die Unterweltsfahrt
2.2 Bedeutung Vergils für das Mittelalter
3. Der Roman d’Eneas und Veldekes Eneit
3.1 Vorbemerkung: Der Antikenroman
3.2 Veränderungen der Unterweltsfahrt
3.2.1 Die Götter
3.2.1.1 Einfluss der olympischen Götter und des christlichen Gottes
3.2.1.2 Hades, Persephone und der Teufel
3.2.2 Sibylle, die Grenzgängerin
3.2.3 Kreaturen der Unterwelt
3.2.3.1 Personifikationen, Monster und andere Tiere
3.2.3.2 Charon, der Fährmann
3.2.3.3 Cerberus, der Höllenhund
3.2.3.4 Minos und Rhadamantus, Richter und Herrscher
3.2.4 Topographie der Unterwelt
3.2.4.1 Der Eingang zur Unterwelt
3.2.4.2 Am Ufer des Styx bzw. Phlegeton
3.2.4.3 Die Asphodelischen Felder und das Purgatorium
3.2.4.4 Tartarus und die eigentliche Hölle
3.2.4.5 Elysium und Paradies
3.2.5 Seele und Seelenwanderung
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Adaptation des antiken Jenseitsmythos, insbesondere der Katabasis aus Vergils Aeneis, in den mittelalterlichen Werken Roman d’Eneas und Heinrich von Veldekes Eneit. Das zentrale Forschungsinteresse gilt dabei der Frage, wie die heidnischen Vorstellungen der römischen Antike durch die christlich geprägten Autoren der volkssprachlichen Literatur des Mittelalters verchristlicht, umgedeutet oder adaptiert wurden.
1. EINFÜHRUNG: TOD UND JENSEITS IN DEN KULTUREN
Der Tod ist eine der wenigen universalen Erfahrungen der menschlichen Existenz. Er ist das Ereignis, das mit absoluter Gewissheit zu erwarten ist. Gleichzeitig ist das Wesen des Todes von einem tiefen Geheimnis umgeben. Seit der Vor- und Frühgeschichte hat darum der Tatbestand, dass die Menschen sterben, die menschliche Einbildungskraft angeregt und in der Mythologie, in der Kunst, der Religion und der Philosophie sowie in der Folklore in den verschiedenen Kulturen auf sehr unterschiedliche Weise Ausdruck gefunden. In keiner Religion ist der Tod das absolute Ende. Literarische Zeugnisse belegen, dass das Leben nach dem Tod oftmals als zweigegliedert vorgestellt wird. Immer wieder tauchen Himmel und Hölle auf und auf der posthumen Reise der Seele mit Ziel auf ein erstrebenswertes Dasein werden die verschiedensten Prüfungen abverlangt.
Die Menschen in der römischen Antike hatten einen ganz anderen Umgang mit dem Tod, als wir ihn heute kennen. Zahllose Kriege und eine niedrige durchschnittliche Lebenserwartung von etwa 25 Jahren führten dazu, dass der Tod in der römischen Gesellschaft als allgegenwärtig galt. Ihre Jenseitsvorstellungen, soweit sie uns überliefert sind, sind eher pessimistisch und zeichnen sich durch einen Glauben an das Fortleben Verstorbener als eine Art diffuse Geistermasse aus; insgesamt legte man wenig Wert auf die persönliche Weiterexistenz. Allerdings führte die römische Expansion auch zur Integration anderer Jenseitsanschauungen, insbesondere der griechischen. Die Vorstellung vom düsteren Hades, in dem die Seele jedes Verstorbenen ein schattenhaftes, unglückliches Dasein fristet, verbreitete sich so in der römischen Bevölkerung. Die römischen Philosophen wiederum lehnten die griechischen Jenseitsvorstellung als Märchen ab oder verstanden sie als Allegorie und fragten sich vielmehr, ob nicht wenigstens nach dem Tode ein Ausgleich durch die göttliche Gerechtigkeit stattfinden werde.
1. Einführung: Tod und Jenseits in den Kulturen: Dieses Kapitel erläutert die unterschiedlichen Jenseitskonzepte der römischen Antike und des christlichen Mittelalters und dient als mentalitätsgeschichtlicher Rahmen für die Untersuchung der Eneasromane.
2. Vergil: Aeneis (um 29-19 v. Chr.): Hier wird Vergils Aeneis als literarische Vorlage charakterisiert, wobei der Fokus auf dem 6. Buch und dem Mythologem der Unterweltsreise liegt, das für das Mittelalter prägend wurde.
3. Der Roman d’Eneas und Veldekes Eneit: Dieser Hauptteil analysiert detailliert, wie die mittelalterlichen Autoren die antiken Motive der Götter, Fabelwesen und Topographie der Unterwelt unter christlichen Vorzeichen umgestalten und interpretieren.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Übersetzungs- und Adaptationsstrategien der mittelalterlichen Dichter als radikale Neufassungen, die den antiken Stoff in einen heilsgeschichtlichen Gesamtkontext einbetten.
Aeneis, Roman d’Eneas, Eneit, Unterwelt, Jenseitsvorstellungen, Mittelalter, Antike, Verchristlichung, Adaptation, Katabasis, Götter, Sibylle, Mythologie, Mentalitätsgeschichte, Ritterroman.
Die Arbeit untersucht, wie das antike Motiv der Jenseitsreise aus Vergils Aeneis im 12. Jahrhundert von den Autoren des Roman d’Eneas und der deutschen Eneit in einen christlichen Kontext übertragen wurde.
Thematisiert werden die Mentalitätsgeschichte des Todes, die Funktion antiker Götter im christlichen Weltbild, der Wandel von der antiken Schicksalsvorstellung zur christlichen Eigenverantwortung sowie die architektonische und moralische Neuordnung der Unterwelt.
Ziel ist es zu klären, wie und warum die mittelalterlichen Dichter antike heidnische Stoffe modifiziert haben und ob ihre Werke als authentische Antikenromane oder als radikale, christlich geprägte Neufassungen zu werten sind.
Die Arbeit nutzt eine komparatistische und literaturwissenschaftliche Analyse, bei der antike Vorlagen mit ihren mittelalterlichen Bearbeitungen unter Berücksichtigung kulturhistorischer Kontexte gegenübergestellt werden.
Der Hauptteil analysiert spezifische Motive: Die Rolle der Götter (z.B. Jupiter, Venus), die Figur der Sibylle als Grenzgängerin, die Darstellung von Unterweltswesen wie Charon und Cerberus sowie die topographische Beschreibung von Tartarus, Elysium und Lethe.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Jenseitsrezeption, Kulturtransfer, Translatio, Antikenroman, Verchristlichung und Ritterideal.
Die Sibylle fungiert als Vermittlerin zwischen diesseitiger und jenseitiger Welt sowie zwischen der antiken Mythologie und der christlichen Lehre des Mittelalters, wobei sie in der Adaptation zunehmend Züge einer weisen, fast zauberhaften Autoritätsfigur annimmt.
Während Vergil Charon als einen schmutzigen, mürrischen Alten beschreibt, transformiert ihn Heinrich von Veldeke explizit in ein teufelhaftes Wesen mit tierischen Merkmalen, um ihn in das christliche Höllenbild der Zeit einzupassen.
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