Magisterarbeit, 2005
75 Seiten, Note: 1
Einleitung
I. Teil: Die archaische Zeit im Südpontos
I 1 Die Völker an der pontischen Südküste
I 1. 1 Die Eneter, ursprüngliche Bewohner von Amisos?
I 2 Die griechische Besiedlung Kleinasiens
II. Teil: Griechische Expansion auf die anatolische Schwarzmeerküste
II 1 Über das Problem des Gründungsdatums der Sinope
II 2 Die politische Situation Kleinasiens während der griechischen Expansion
II 3 Die Feststellung der milesischen Gründungen
III. Teil: Die Gründung von Amisos
III 1 Athenische Expedition
III 2 Milet oder Phokäa, welche ist die Mutterstadt?
III 3 Amisos als Mutterstadt
IV. Teil: Die Achaimeniden in Nordkleinasien
IV 1 Die Eroberung von Datames und die Befreiung von Alexander dem Großen
IV 2 Der Anschluss Amisos’ an die Mithridatiden
IV 3 Das 1. Jhr. v. Chr. in Amisos
IV 4 Die Einnahme Amisos’ von Lucullus im Verlauf der Mithridatischen Kriege 71 v. Chr.
IV 4. 1 Amisenische Münzen
IV 5 Die Lokalisation der Stadt
IV 6 Der Name der Stadt
V. Teil: Antike Landschaften in Nordkleinasien
V 1 Die Landschaften um Amisos in Pontos
V 1. 1 Gazelonitis und ihre Stadt Gazelon im Westen
V 1. 1a Die Grenzen der Gazelonitis
V 1. 1b Die unmittelbare Bedeutung der Gazelonitis für Amisos
V 1. 2 Die Saramene, Amisos’ eigene Landschaft
V 1. 3 Themiskyra und ihre gleichnamige Stadt im Osten
V 1. 3a Eine weitere Existenzgundlage für Amisos
V 1. 4 Die Sidene
VI. Teil: Wirtschaftliche Quellen Amisos’
VI 1 Die Kornkammern an den größeren Flussläufen im Innern von Pontos
VII. Teil: Die Hafenanlagen und Hinterlandsverbindungen am Nordrand des Anatoliens
VII 1 Der Hafen und die Hinterlandsverbindung von Amisos
VII 2 Der Hafen von Sinope und das Hinterland
VII 3 Die Hafenlage von Trapezus und das Hinterland
VII 4 Der Hafen von Herakleia und die Verbindung mit dem Süden
VIII. Teil: Straßenverbindungen
Münzen
Beikarten
Namen im Altertum und Heute
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert die geschichtliche Entwicklung der antiken Stadt Amisos (heute Samsun) bis zu ihrer Eroberung durch den römischen Feldherrn Lucullus im Jahr 71 v. Chr. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Untersuchung der politischen, wirtschaftlichen und geographischen Faktoren, die Amisos eine bedeutende Rolle im antiken Schwarzmeerraum verliehen.
III. Teil: Die Gründung von Amisos
„Eine von den griechischen Kolonisten gegründete Hafenstadt“89: Mit diesem Ausdruck können wir über die Stifter von Amisos keinen Fehler machen und sie problemlos gelten lassen. Wollen wir in die Stadthistorie tief eingehen, müssen wir mit irritierenden Schriftquellen rechnen, die noch dazu wenig und fragmentarisch sind90. Weder die Inschriften noch die Münzen von Amisos lassen über Gründer und Gründungsdatum eine eindeutige Entscheidung zu91. Die Autoren, die sich mit Amisos indirekt befasst haben, fühlen sich durch die Unsicherheit gezwungen, die Wörter wie „vermutlich“, „möglicherweise“, „oder“, „auch“ etc. zu benutzen92. Eine Gesamtdarstellung zur Historie von Amisos fehlt noch93. Dank ihrer Lage an einer tiefen Meeresbucht94 zwischen zwei seit archaischer Zeit berühmten Städten, im Westen Sinope und im Osten Trapezus, findet sie in den altertümlichen Schriften trotz der fragmentarischen Form immerhin einen Platz.
Herodot schweigt von Amisos. „Denn die einst groß gewesen sind, sind zum großen Teil klein geworden, und die zu meinen Lebzeiten groß waren, sind früher klein gewesen“95. War Amisos zu seinen Lebzeiten eine kleine Stadt, die er übersehen oder ignorieren konnte, obwohl er eine Fahrt entlang der kleinasiatischen Küste bis Kolchis unternommen haben dürfte96? Die Nachbarstadt Themiskyra auf einer Halbinsellage, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Amisos liegt, findet beim Werk des Historikers als ein Orientierungspunkt Platz97, zwei Flüsse der Umgebung, Thermodon und Halys, nennt er reichlich, Sinope erwähnt er öfters98 aber er lässt kein Kerzenlicht über Amisos brennen. Nicht nur Amisos, sondern auch das namhafte Trapezus nennt er nicht99. So dann erhält die Frage ihre Antwort automatisch: Wenn Herodot von Amisos nichts sagt, heißt es nicht, dass Amisos nicht existierte oder eine unbedeutende Stadt zu seiner Zeit war.
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die spärliche Quellenlage zu Amisos und die Bedeutung der geographisch-historischen Beschreibungen durch Strabon für die Rekonstruktion der Stadtgeschichte.
I. Teil: Die archaische Zeit im Südpontos: Dieses Kapitel behandelt die archäologische Erforschung der Küstenregion und die vorklassische Besiedlung sowie die frühen Völker an der pontischen Südküste.
II. Teil: Griechische Expansion auf die anatolische Schwarzmeerküste: Der Abschnitt analysiert die griechische Kolonisation im Archaikum und die politische Gesamtsituation Kleinasiens, die diese Expansion ermöglichte.
III. Teil: Die Gründung von Amisos: Hier werden die kontroversen Thesen zu den Gründern von Amisos und die athenische Expedition unter Perikles untersucht.
IV. Teil: Die Achaimeniden in Nordkleinasien: Der Fokus liegt auf der persischen Ära, der Einbindung von Amisos in das Mithridatische Reich und der Belagerung durch Lucullus 71 v. Chr.
V. Teil: Antike Landschaften in Nordkleinasien: Die geographische Umgebung von Amisos, insbesondere die Landschaften Gazelonitis, Saramene, Themiskyra und Sidene, wird detailliert dargestellt.
VI. Teil: Wirtschaftliche Quellen Amisos’: Dieses Kapitel befasst sich mit der wirtschaftlichen Bedeutung der Region, den Handelswegen, den Agrarerzeugnissen und der numismatischen Überlieferung.
VII. Teil: Die Hafenanlagen und Hinterlandsverbindungen am Nordrand des Anatoliens: Eine Analyse der Hafenstrukturen und der verkehrstechnischen Hinterlandanbindung von Amisos im Vergleich zu Sinope, Trapezus und Herakleia.
VIII. Teil: Straßenverbindungen: Der abschließende Teil beleuchtet die antiken Hauptverkehrsachsen und die entscheidende Rolle der Paryadres-Traverse für den Warenaustausch.
Amisos, Samsun, Pontos, Schwarzmeerküste, Griechische Kolonisation, Mithridatiden, Lucullus, Strabon, Gazelonitis, Handelszentrum, Antike, Archäologie, numismatische Quellen, Hinterlandanbindung, antike Geschichte.
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Rekonstruktion der antiken Stadt Amisos (Samsun) an der pontischen Südküste von ihren Ursprüngen bis zur römischen Eroberung im Jahr 71 v. Chr.
Die Schwerpunkte liegen auf der Gründungsgeschichte, der geographischen Einbettung, der wirtschaftlichen Bedeutung als Handelszentrum sowie der politischen Entwicklung unter wechselnden Herrschaften, insbesondere im Kontext des pontischen Staates.
Das Ziel ist es, trotz der fragmentarischen Quellenlage ein möglichst präzises Bild der Stadtgeschichte zu erstellen, indem archäologische Befunde und antike Schriftquellen kritisch analysiert werden.
Die Untersuchung basiert auf einer systematischen Auswertung antiker geographischer und historischer Schriftquellen (wie Strabon oder Herodot) in Verbindung mit archäologischen Daten, numismatischen Befunden und landschaftsgeographischen Analysen.
Im Hauptteil werden die einzelnen Phasen der Stadtentwicklung, die Bedeutung des Hinterlandes (Gazelonitis, Themiskyra), die Handelsstrukturen sowie die militärgeschichtliche Phase der Belagerung durch die Römer detailliert erläutert.
Wichtige Begriffe sind Amisos, pontische Geschichte, antike Handelsstrukturen, Mithridates VI., griechische Expansion und die Bedeutung der geographischen Lage.
Die Arbeit arbeitet heraus, dass Amisos trotz der Konkurrenz durch Sinope aufgrund seiner günstigen Hinterlandanbindung über die Pässe des Paryadres-Gebirges eine zeitweise dominierende ökonomische Rolle im Warenverkehr zum Binnenland innehatte.
Der Autor diskutiert die Belagerung von 71 v. Chr. anhand unterschiedlicher Quellenberichte, die sowohl den zerstörerischen Charakter der Belagerung als auch spätere Bemühungen Lucullus' um den Wiederaufbau der Stadt widersprüchlich darstellen.
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