Magisterarbeit, 2012
129 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Ende an Oder und Pregel
3. Der Neuanfang an Rhein und Ruhr
3.1. Entstehung und Anfänge des Landes Nordrhein-Westfalens
3.2. Der ostdeutsche Bevölkerungsanteil im westdeutschen Land
3.3. Die Wieder- und Neugründung der Parteien und die Landtagswahl 1947
4. Entstehung der Verbände
4.1. Verlorene Jahre, verlorenes Vertrauen: Das Koalitionsverbot
4.2. Georg Goebel: Der große Vertriebenenpolitiker für Nordrhein-Westfalen?
4.3. „Fern, doch treu“ – Die Entstehung von Landsmannschaften und VOL
4.4. Der Landesbeirat – Aktive Integration oder entmündigende Abhängigkeit?
4.5. Die umkämpfte Gründung des Landesverbandes der Ostvertriebenen
5. Die Parteien und die Deutschen aus dem Osten
5.1. Weltanschauliche Nähe, menschliche Distanz? Die junge CDU und „ihre“ Vertriebenen
5.2. Sozialdemokratische Sandkastenspiele und liberale Verbandsferne – Die holprigen Anfänge der Vertriebenenpolitik von SPD und FDP
5.3. Die Vertriebenen und die Bundestagswahl 1949
5.4. Die NRW-Landtagswahl 1950 und Goebels Abgang
6. Der BHE und das Land im Westen
6.1. Soziales Gewissen (nur) der Einheimischen? Die Landesvertriebenenpolitik zwischen Umsiedlung und Lastenausgleich
6.2. Entstehung des Blockes und Erfolge in den Ländern
6.3. Die „Soziale Mitte“ auf dem Weg in die Bundesregierung
6.4. „Fußkranker der Bundespartei“? Der Landesverband NRW unter Ernst Turmann
7. Spaltungen in Bonn, Scheitern in Düsseldorf
7.1. „Diese ewigen Quertreibereien“ – Die Kämpfe zwischen den Verbänden
7.2. Die gesamtdeutsche Karte: Spaltung statt Aufbruch
7.3. Im Rennen die Pferde wechseln. Rücktritte Turmanns und Krafts und der Parteiwechsel Kathers
7.4. Der Kampf um den Landtagseinzug
7.5. Von Scheitern in NRW zum Austritt der „K.O.-Gruppe“
8. Ergebnis und Ausblick
Diese Arbeit untersucht die politische Integration von Heimatvertriebenen in Nordrhein-Westfalen im ersten Nachkriegsjahrzehnt am Beispiel des "Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten" (BHE). Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, warum eine spezifische Vertriebenenpartei trotz der großen Anzahl von Betroffenen und anfänglicher Organisationsversuche in Nordrhein-Westfalen letztlich scheiterte und welche Rolle dabei sowohl die etablierten Parteien als auch die internen Strukturen der Vertriebenenorganisationen spielten.
3.1 Entstehung und Anfänge des Landes Nordrhein-Westfalen
Mit der Niederlage des Deutschen Reiches waren auch die überkommenen Staatsstrukturen am Rhein und in Westfalen obsolet geworden. Die Reichsregierung hatte durch die Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 jegliche reelle Herrschaftsfunktion verloren, die zentrale Gewalt ging an die Hauptalliierten über, die das Deutsche Reich besetzt hatten und in vier Besatzungszonen aufteilten. Auch das Land Preußen als Glied des Reiches war de facto nicht mehr existent: Nach der Absetzung seiner legitimen Regierung durch den Staatsstreich von 1932 und die nationalsozialistische Gleichschaltung der Länder war die Basis für eine preußische Zukunft als Verwaltungseinheit durch den gewaltsamen Bevölkerungsaustausch und die faktische polnische und sowjetrussische Annexion der Ostprovinzen sowie durch die Teilung des restlichen „Rumpfpreußens“ in hauptsächlich britische und sowjetische Besatzungszone 1945 endgültig untergraben.
In der akuten Not der unmittelbaren Nachkriegszeit waren jedoch zunächst konkrete Maßnahmen vor Ort, etwa zur Ernährung und Wohnraumversorgung, wichtiger. Zudem wartete die britische Regierung vor Entscheidungen auf höheren Territorialebenen zunächst die Entwicklung des Verhältnisses zu den anderen Besatzungsmächten ab, zumal nur alle gemeinsam eine zentrale Regierung Gesamtdeutschlands hätten schaffen können. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich die Reorganisation staatlicher Strukturen von unten nach oben vollzog, „zunächst [in den, AB] lokalen Verwaltungen der Städte, Gemeinden und Landkreise“.
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Fragestellung nach der politischen Integration von Heimatvertriebenen in Nordrhein-Westfalen und führt in die Rolle des "Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten" (BHE) ein.
2. Das Ende an Oder und Pregel: Dieses Kapitel erläutert die tieferen Ursachen der Vertreibung, insbesondere durch den Nationalismus des 19. Jahrhunderts und die darauf folgenden grenzpolitischen Konflikte in Mitteleuropa.
3. Der Neuanfang an Rhein und Ruhr: Hier werden die verwaltungstechnische Neugründung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie die demografische Situation durch den Zustrom der Vertriebenen im neuen Bundesland beleuchtet.
4. Entstehung der Verbände: Das Kapitel behandelt die schwierigen Anfänge der Organisation von Vertriebenen unter dem sogenannten Koalitionsverbot und die Herausbildung erster politischer Strukturen.
5. Die Parteien und die Deutschen aus dem Osten: Der Autor untersucht das parteipolitische Umfeld und wie die etablierten Parteien CDU, SPD und FDP mit der Vertriebenenproblematik in der Anfangsphase umgingen.
6. Der BHE und das Land im Westen: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung des BHE im Kontext der Landespolitik, die Rolle des Landesbeirats und die Schwierigkeiten einer eigenständigen Vertriebenenpartei.
7. Spaltungen in Bonn, Scheitern in Düsseldorf: Hier werden die internen Zerwürfnisse innerhalb der Verbände und Parteien sowie das Scheitern des BHE bei den Landtagswahlen thematisiert.
8. Ergebnis und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über die gescheiterte Integration der Vertriebenenpartei zusammen und ordnet sie in den weiteren historischen Kontext ein.
Nordrhein-Westfalen, Heimatvertriebene, BHE, politische Integration, Nachkriegszeit, Koalitionsverbot, Landsmannschaften, CDU, SPD, FDP, Lastenausgleich, Landtagswahlen, Parteienlandschaft, Flüchtlingspolitik.
Die Arbeit untersucht die politische Integration von Heimatvertriebenen in Nordrhein-Westfalen zwischen 1945 und 1955 unter besonderer Berücksichtigung der Vertriebenenpartei BHE.
Im Zentrum stehen die Entstehung politischer Interessenvertretungen, das Verhalten der etablierten Parteien gegenüber Vertriebenen und die komplexen administrativen Rahmenbedingungen im Nachkriegsdeutschland.
Ziel ist es zu ergründen, warum der BHE in Nordrhein-Westfalen als eigenständige politische Kraft scheiterte und wie die Integration der Vertriebenen durch etablierte Strukturen beeinflusst wurde.
Es handelt sich um eine zeitgeschichtliche Untersuchung, die stark quellengestützt arbeitet und neben vorhandener Literatur vor allem Kabinettsakten, Parlamentsdebatten und Nachlässe politischer Akteure auswertet.
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Vertriebenenverbände, deren teils konfliktgeladenes Verhältnis zu den etablierten Parteien sowie die spezifischen Bedingungen in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu anderen Bundesländern.
Wichtige Begriffe sind Nordrhein-Westfalen, Heimatvertriebene, BHE, politische Integration, Nachkriegszeit, Koalitionsverbot und Lastenausgleich.
Die Arbeit zeigt, dass interne Zerwürfnisse, eine restriktive landespolitische Gesetzgebung und der Umstand, dass andere Parteien ebenfalls um Vertriebenenstimmen warben, den Aufbau einer schlagkräftigen Partei erschwerten.
Georg Goebel wird als zentrale Figur der frühen Vertriebenenorganisation in NRW dargestellt, dessen charismatische aber auch polarisierende Art einerseits Strukturen schuf, andererseits aber durch strategische Alleingänge zum Scheitern der BHE-Landespartei beitrug.
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