Bachelorarbeit, 2010
243 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Kommunikative Gattungen
2.1 Strukturmerkmale kommunikativer Gattungen
3. Die Freitagspredigt
3.1 Rahmenbedingungen und Hauptmerkmale
3.2 Der Stellenwert der Freitagspredigt unter Muslimen
4. Die Freitagspredigt als kommunikative Gattung
4.1 Methodisches Vorgehen und Datenmaterial
4.2 Analyse
4.2.1 Übersicht
4.2.2 Beschreibung der Strukturebenen
4.2.2.1 Binnenstruktur
a) Einleitungs- und Schlussformel
b) Begrüßung/Einführung des Themas und Schlusswort
c) Erklärungen
d) Das Anführen von Qur'anversen
e) Das Anführen von Hadithen
f) Die Vermittlung von Moral
4.2.2.2 Interaktive Realisierungsebene
a) Anredeformen
b) Perspektivenwechsel
c) Fragen
4.2.2.3 Außenstruktur
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Freitagspredigt als kommunikative Gattung innerhalb des islamischen Rituals. Ziel ist es, mittels einer Gattungsanalyse die spezifischen Merkmale und Strukturen dieser Form der religiösen Kommunikation zu identifizieren, die über die rein inhaltliche Ebene hinausgeht und auch interaktive sowie performative Aspekte in den Blick nimmt.
3.1 Rahmenbedingungen und Hauptmerkmale
Die Teilnahme an dem Freitagsgebet wird den Muslimen im Qur'an in Sure Jumuah, Vers 9 zur Pflicht erklärt: „O die ihr glaubt, wenn zum Gebet gerufen wird am Freitag, dann eilt zu Allahs Gedenken und lasst das Kaufgeschäft. Das ist besser für euch, wenn ihr wisst.“
Allerdings trifft diese Pflicht nicht auf jeden Muslim zu. Aus mehreren Überlieferungen ergibt sich, dass Frauen, Minderjährige, Kinder und Sklaven sowie Kriegsgefangene, Kranke und Reisende dem Freitagsgebet beiwohnen können, jedoch nicht müssen. Außerdem sind nur jene verpflichtet, das Freitagsgebet zu besuchen, deren Wohnsitz im Umkreis von ca. fünf Kilometer zur Moschee liegt.
Das Freitagsgebet muss an einem Ort stattfinden, der sich als Gebetsraum eignet. Prinzipiell wird hier die Moschee als Ort des Rituals verwendet. Die Räumlichkeiten müssen dabei so groß sein, dass sämtliche Muslime vor Ort darin Platz haben können. Unterwegs auf einer Reise oder im freien Gelände darf das Gebet nicht verrichtet werden. Der Zeitpunkt des Freitagsgebets ist derselbe wie der des Dhohrgebets (Mittagsgebets). Es wird empfohlen, direkt nach dem Gebetsruf die Predigt zu beginnen, wobei eine Verzögerung das Gebet nicht ungültig macht, solange es noch vor Abenddämmerung verrichtet wird. Was die Mindestanzahl Betender für das Freitagsgebet angeht, sind die Gelehrten unterschiedlicher Meinungen. Konsens ist, dass das Gebet in der Gemeinschaft verrichtet werden sollte. Doch ab wie vielen Personen kann man von Gemeinschaft sprechen? Die gängigste Meinung hierzu ist, dass das Gebet schon ab zwei Teilnehmern gültig ist. Andere wiederum meinen, dass mindestens 3, 12 bzw. 40 Leute anwesend sein müssen, damit das Freitagsgebet seine Gültigkeit erlangt.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Bedeutung der Freitagspredigt als kommunikative Gattung und beschreibt das Ziel sowie das methodische Vorgehen der Untersuchung.
2. Kommunikative Gattungen: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen des Gattungsbegriffs dargelegt, insbesondere im Hinblick auf die Wissenssoziologie und die Ethnographie der Kommunikation.
3. Die Freitagspredigt: Hier werden die rituellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Freitagspredigt beleuchtet sowie deren hoher Stellenwert innerhalb der muslimischen Gemeinschaft erörtert.
4. Die Freitagspredigt als kommunikative Gattung: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil der Arbeit, in dem die Datenaufzeichnung, das methodische Vorgehen und die detaillierte Analyse der strukturellen Ebenen (Binnen-, Interaktions- und Außenstruktur) erfolgen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Analyse zusammen und reflektiert die Stabilität und Anpassungsfähigkeit der Freitagspredigt als kommunikative Gattung.
Freitagspredigt, Gattungsanalyse, Kommunikative Gattung, Islam, Muslime, Kommunikation, Nifaq, Heuchelei, Hadith, Qur'an, Ritual, Prediger, Wissenssoziologie, Diskursanalyse, Interaktive Realisierungsebene.
Die Arbeit analysiert die Freitagspredigt von Muslimen nicht nur als religiösen Akt, sondern als spezifische kommunikative Gattung mit festen Regeln, Mustern und Strukturen.
Zentral sind die Gattungsanalyse, die Anwendung kommunikationswissenschaftlicher Konzepte auf ein religiöses Ritual sowie die Untersuchung von Texten und deren performativer Gestaltung durch den Prediger.
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, welche spezifischen Merkmale und Strukturen die Freitagspredigt als kommunikative Gattung definieren und wie diese in der Praxis realisiert werden.
Die Autorin verwendet eine qualitative methodische Herangehensweise, die auf der Gattungsanalyse basiert, unterstützt durch Videoaufzeichnungen und Transkriptionen nach GAT-Konventionen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Beschreibung und Analyse der drei Strukturebenen: Binnenstruktur, interaktive Realisierungsebene und Außenstruktur.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Freitagspredigt, Gattungsanalyse, kommunikative Gattung, Nifaq (Heuchelei) und verschiedene islamwissenschaftliche Termini charakterisiert.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Art und Weise, wie der Prediger komplexe Begriffe wie „Nifaq“ (Heuchelei) durch Erklärungsstrategien (Übersetzung, Definition, Paraphrase) für seine Zuhörer zugänglich macht.
Die Analyse erfolgt in drei Ebenen: die Binnenstruktur (inhaltlich-sprachliche Konstituierung), die interaktive Realisierungsebene (Anrede, Fragen, Perspektivenwechsel) und die Außenstruktur (soziologische Einbettung der Situation).
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