Magisterarbeit, 2012
92 Seiten, Note: 1,3
1. Themenstellung
2. Sonatensatzform als dialektischer Prozess im Kontext atonaler Musik
2.1. Kurze Bestimmung einer möglichen Perspektive auf den Begriff der Sonatensatzform
2.2. Ästhetische Konventionen atonaler Musik und ihre Widersprüche zur Sonatensatzform
2.2.1. Traditionsbruch und traditionelle Formen
2.2.2. Atonalität und harmonisch konstruierte Form
2.2.3. Wiederholungsverbot und Reprisenform
2.2.4. Expressionistische Kürze und groß angelegte Form
3. Schönbergs II. Streichquartett op. 10, 4. Satz, „Entrückung“ (1907/1908)
3.1. Form-Analyse - Überblick
3.2. Atonale Sonatensatzform als Erzählung zweier Themen
3.3. Schönbergs Quartettsatz - Sonatensatzform ohne Reprise
4. Alban Bergs Streichquartett op. 3, 1. Satz (1910) - Form-Analyse
4.1. Überblick
4.2. Motivbausteine
4.3. Strukturprinzipien
4.4. Formbildung durch Kombination von Motivbausteinen und Strukturprinzipien
4.5. Sonstiges musikalisches Material in Bergs Streichquartett
4.6. Die tonale Disposition der Motivbausteine und Strukturprinzipien
4.7. Sonatensatzform ohne Reprise und Sonatensatzform ohne Durchführung - Unterschiedliche Verfahrensweisen bei Berg und Schönberg
4.8. Die Sonatensatzform in Bergs Streichquartett op. 3 vor dem Hintergrund der Durchdringung von Form und Inhalt in der Musik
5. Weitere Beispiele früher atonaler Sonatensatzformen
5.1. Anton Webern, op. 5 Nr. 1
5.2. Arnold Schönberg, op. 11 Nr. 1
5.3. Arnold Schönberg, op. 11 Nr. 3
6. Abschließende Betrachtung
7. Anhang
7.1. Graphik 1
7.2. Graphik 2
7.3. Bibliografie
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Konzept der freien Atonalität der Wiener Schule und der traditionellen Sonatensatzform. Das primäre Ziel ist die Analyse, wie Komponisten durch individuelle Strategien die vermeintlichen Widersprüche zwischen dem radikalen Traditionsbruch und den Anforderungen groß angelegter, formal strukturierter Kompositionen auflösen konnten.
3. Schönbergs II. Streichquartett op. 10, 4. Satz, „Entrückung“ (1907/1908)
Der 4. Satz aus Arnold Schönbergs II. Streichquartett op. 10 stellt wohl das erste bedeutsame Aufeinandertreffen von atonaler Musik und Sonatensatzform überhaupt dar, sieht man einmal von Schönbergs Kammersymphonie op. 9 ab, die aber streng genommen noch einer Tonartenvorzeichnung von E-Dur verhaftet ist, auch wenn die tonalen und harmonischen Beziehungen schon bis an ihre Grenzen hin ausgereizt und zum Teil ganz aufgelöst werden. Dem wenig später entstandenen Streichquartett wird allgemein zu Recht die Rolle eines Schlüsselwerkes der Neuen Musik zugesprochen: „Das Werk führt [...] den Übergang von der tonalen zur atonalen Komposition im Fortgang seiner Sätze konkret vor.“ Dabei stellt der Finalsatz des Quartetts programmatisch atonales Komponieren als den Zielpunkt sich schrittweise immer weiter auflösender harmonischer und tonaler Beziehungen dar.
Schönberg überschreitet in op. 10 nicht nur die Grenzen zur Atonalität, sondern auch geradezu demonstrativ die Grenzen der Gattung des Streichquartett, durch die Hinzufügung einer Sopranstimme im dritten und vierten Satz des Quartetts. Das Gedicht „Entrückung“ von Stefan George, welches im vierten Satz vertont wird, kann beinah als programmatischer Text für den beginnenden Umbruch in der kompositorischen Praxis gelten: das lyrische Ich des Gedichts wird durch eine Vielfalt kraftvoller Metaphern als ehrfurchtsvoll einer transzendentalen Erfahrung anheim fallend dargestellt, deren zentrales Elemente das Verlassen gewohnten Bodens und das Erleben einer neuen, ungewohnten und übermächtig erscheinenden Umgebung sind.
1. Themenstellung: Einführung in das Formproblem atonaler Musik und die Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Traditionsbruch und der Verwendung traditioneller Formschemata.
2. Sonatensatzform als dialektischer Prozess im Kontext atonaler Musik: Erörterung der ästhetischen Voraussetzungen und der musiktheoretischen Herausforderungen, die sich aus der Anwendung der Sonatensatzform auf atonale Strukturen ergeben.
3. Schönbergs II. Streichquartett op. 10, 4. Satz, „Entrückung“ (1907/1908): Detaillierte Analyse des Finalsatzes, der als erstes bedeutendes Beispiel für die Verbindung von freier Atonalität und Sonatensatzform gilt.
4. Alban Bergs Streichquartett op. 3, 1. Satz (1910) - Form-Analyse: Untersuchung von Bergs Technik der Verwendung von Motivbausteinen und Strukturprinzipien als alternativem Weg zur Konstruktion einer Sonatenform.
5. Weitere Beispiele früher atonaler Sonatensatzformen: Kurzer Überblick über ergänzende Werke von Schönberg und Webern, die das Sonatendenken in reduzierter oder spezifischer Weise fortführen.
6. Abschließende Betrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflexion des Diskurses um das "Formproblem" atonaler Musik.
Wiener Schule, Atonalität, Sonatensatzform, Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton Webern, Traditionsbruch, Motivbausteine, Strukturprinzipien, Reprise, Entwickelnde Variation, Formproblematik, Expressionismus, Musikästhetik, Formanalyse.
Die Arbeit analysiert, wie Komponisten der Wiener Schule in ihren frühen atonalen Werken traditionelle Formmodelle, insbesondere die Sonatensatzform, integriert und an die neuen klanglichen Anforderungen angepasst haben.
Zentral sind der Umgang mit dem "Projekt Traditionsbruch", die Bedeutung der thematischen Arbeit, die Funktion der Reprise in der Atonalität und die Verbindung von musikalischer Struktur mit inhaltlichen Anforderungen (z. B. Textvertonung).
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass atonale Musik nicht per se formlos ist, sondern über dialektische Prozesse und eine spezifische motivische Formarchitektur zu komplexen, längeren Formen fähig ist.
Es handelt sich um eine primär musiktheoretische und analytische Arbeit, die durch den Vergleich von Werkanalysen (Schönberg op. 10, Berg op. 3) sowie die Einbeziehung musikgeschichtlicher und ästhetischer Quellen (z.B. Adorno, Dahlhaus) gestützt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung zum Begriff der Sonatensatzform und detaillierte Werkfallanalysen bei Schönberg und Berg, ergänzt durch methodische Ansätze zur Identifikation atonaler Formarchitekturen.
Die wichtigsten Begriffe sind Wiener Schule, Atonalität, Sonatensatzform, Motivbausteine, Strukturprinzipien, Reprisenform und Entwickelnde Variation.
Dieser Satz wird als Schlüsselwerk betrachtet, das den Übergang zur Atonalität markiert und zeigt, wie Schönberg durch die Verknüpfung von Textdramaturgie und musikalischer Form die traditionelle Sonatensatzform in atonalem Kontext "rettet" bzw. neu definiert.
Berg ersetzt traditionelle harmonische Funktionen durch ein dichtes Netz aus "Motivbausteinen" und "Strukturprinzipien", die als klangliches Koordinatensystem dienen und eine Formarchitektur ohne klassische Tonalität ermöglichen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

