Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
22 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Phänomen „Name“
2.1. Zum Begriff
2.2. Die linguistische Struktur von Namen
2.3. „Guten Tag, Cohn mein Name“
3. Ein Vergleich
3.1. Die Namen der Deutschen
3.1.1. Rufnamen
3.1.2. Familiennamen
3.2. Die Namen der Juden
3.2.1. Rufnamen
3.2.2. Familiennamen
4. Stigmatisierung und Namenpolemik
4.1. Begriffsklärung
4.2. Wie Stigmatisierung funktioniert
4.3. Folgen der Namenpolemik
4.4. Namenpolitik im 3. Reich
5. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die systematische Stigmatisierung jüdischer Bürger im Dritten Reich durch eine gezielte „Namenpolemik“. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Namen als ideologische Konstrukte missbraucht wurden, um jüdische Identitäten zu markieren, auszugrenzen und deren Träger öffentlich zu diskreditieren.
4.2. Wie Stigmatisierung funktioniert
Da zwischen Eigennamen und Appellativa gleitende Übergänge existieren, kann die semantische Leere Raum schaffen, in welchen die Konnotationen ungehindert einströmen können (Vgl. Bering 1987: 254). Mit Konnotationen sind hier zuerst individuelle, später dann vielleicht sozialisierte Begleitgefühle gemeint. Das bedeutet, dass der nach der pragmatischen Theorie (Vgl. Kripke 1985: o. S.) starre, semantisch noch als leer bezeichnete Name nach dem Referenzfixierungs - bzw. Taufakt mit der gesamten Geschichte des so Benannten „aufgefüllt“ werden kann. Allerdings „füllt“ eben nicht nur die objektive Biografie einen Namen, sondern ebenso seine Gebrauchsgeschichte, also auch die Meinungen seiner – in diesem Fall - antisemitisch gesonnenen Namenbenutzer.
Odo Leys (1966: 26 - 38) behauptet: „Wenn ein Appellativ auf der Inhaltsseite aus denotativen (inhärenten) und konnotativen Merkmalen besteht, so besteht ein Eigenname in paralleler Weise aus Referenz und Konnotation“. Diese Formel ermöglicht eine sinnvolle Verhältnisbeschreibung zwischen Appellativa und Propria. So lässt sich ein System aufzeigen, in welchem die polemisch attackierten Namen der Juden jeweils an einer Stelle angesiedelt werden, wo man Propria normalerweise nicht (mehr) antrifft.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der antisemitischen Namenpolemik und Herleitung der Forschungsfrage zur ideologischen Markierung jüdischer Namen.
2. Das Phänomen „Name“: Untersuchung der linguistischen Grundlagen des Eigennamens und seiner Bedeutung für die menschliche Identität und soziale Interaktion.
3. Ein Vergleich: Gegenüberstellung der historischen Entstehung und Entwicklung von deutschen und jüdischen Ruf- und Familiennamen.
4. Stigmatisierung und Namenpolemik: Analyse der Mechanismen, durch die Namen als Werkzeug der Diskriminierung eingesetzt wurden, sowie die Untersuchung der offiziellen nationalsozialistischen Namenpolitik.
5. Resümee: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse, die bestätigt, dass die Namenpolemik als leicht handhabbares Instrument zur Ausgrenzung und Entmenschlichung jüdischer Bürger fungierte.
Namenpolemik, Antisemitismus, Stigmatisierung, Eigennamen, Namensänderung, Rassenideologie, Identität, Drittes Reich, Appellativierung, Jüdische Identität, Diskriminierung, Namenspolitik, Soziolinguistik, Onomastik, Sprachgebrauch
Die Arbeit behandelt die gezielte Nutzung von Namen als diskriminierendes Mittel gegen Juden im Deutschland des Dritten Reiches.
Es werden linguistische Aspekte von Namen, die historische Namensgebung bei Deutschen und Juden sowie die politische Instrumentalisierung von Sprache thematisiert.
Die Arbeit fragt danach, ob eine eindeutige Trennung zwischen „jüdischen“ und „deutschen“ Namen linguistisch haltbar ist und wie diese Kategorie ideologisch konstruiert wurde, um Ausgrenzung zu legitimieren.
Die Autorin verwendet eine onomastische und sprachwissenschaftliche Analyse, gestützt auf historische Quellen und soziologische Theorien zur Stigmatisierung.
Der Hauptteil analysiert die linguistische Struktur von Eigennamen, vergleicht deutsche und jüdische Namenssysteme und untersucht die Mechanismen, wie Begriffe polemisch aufgeladen werden.
Die zentralen Konzepte sind Namenpolemik, Stigmatisierung, Rassenpolitik und Identitätskonstruktion.
Der Name entwickelte sich zum Schimpfwort, das als pauschale Bezeichnung für Juden genutzt wurde, um diesen unerwünschte Eigenschaften zuzuschreiben und sie zu verhöhnen.
Das Regime erzwang die Hinzufügung der diskriminierenden Vornamen „Sara“ und „Israel“, um jüdische Individuen auch namentlich und bürokratisch vollständig aus der Gesellschaft auszugrenzen.
Da Namen in Begrüßungs- und Vorstellungsritualen eine zentrale Rolle spielen, bot die Markierung des Namens eine einfache Möglichkeit, Juden im Alltag sofort zu identifizieren und sozial zu isolieren.
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