Examensarbeit, 2002
113 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
1.1 Problemaufriss
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Die Schule für Erziehungshilfe
2.1 Grundbegriff Verhaltensstörung
2.1.1 Definition Verhaltensstörung
2.1.2 Klassifikation von Verhaltensstörungen
2.1.3 Kriterien für Verhaltensstörungen
2.2 Beschulung der Kinder und Jugendlichen mit Verhaltensstörungen
2.2.1 Institutionen, die mit verhaltensgestörten Kindern und Jugendlichen arbeiten
2.2.2 Die Schule für Erziehungshilfe
2.2.2.1 Zielgruppe der Schule für Erziehungshilfe
2.2.2.2 Zielsetzung der Schule für Erziehungshilfe
2.2.2.3 Formen der schulischen Erziehungshilfe
2.2.2.4 Die klassische defizitorientierte Intervention in Hinblick auf verhaltens-gestörte Kinder und Jugendliche
2.2.2.5 Perspektiven und Kritikpunkte der Schule für Erziehungshilfe
2.2.2.5.1 Prävention
2.2.2.5.2 Integration
3. Resilienzforschung
3.1 Forschungsansatz
3.2 Der Begriff „Resilienz“
3.3 Bisherige Studiengruppen
3.4 Faktorenansatz
3.5 Risikobedingungen
3.6 Schutzmechanismen
3.6.1 Individuelle Schutzmechanismen
3.6.1.1 Geschlecht
3.6.1.2 Erstgeburt
3.6.1.3 Temperamentseigenschaften
3.6.1.4 Selbstwahrnehmung
3.6.1.5 Intelligenz
3.6.1.6 Sozialverhalten
3.6.1.7 Wahl der eigenen Lebenswelt
3.6.2 Soziokulturelle Schutzmechanismen innerhalb der Familie
3.6.2.1 Stabile emotionale Beziehung zu einer primären Bezugsperson
3.6.2.2 Erziehungsstil
3.6.2.3 Glaube
3.6.3 Soziokulturelle Schutzmechanismen außerhalb der Familie
3.6.3.1 Soziale Unterstützung von Gleichaltrigen
3.6.3.2 Soziale Unterstützung von Erwachsenen außerhalb der Familie
3.6.3.3 Vertrauenswürdige Lehrkräfte
3.6.3.4 Schulumfeld
3.7 Forschungsprobleme und Kritik
4. Neue Perspektiven für die Schule für Erziehungshilfe durch die Resilienzforschung
4.1 Umsetzung der Resilienzbefunde in die pädagogische Praxis
4.1.1 Verhaltensstörungen aus neuer Perspektive
4.1.2 Grenzen der pädagogischen Umsetzbarkeit
4.1.3 Möglichkeiten der pädagogischen Umsetzbarkeit
4.1.3.1 Persönliche Bindung
4.1.3.2 Grundgefühl Sicherheit
4.1.3.3 Autonomiebildung und Selbstwertgefühl
4.1.3.4 Integration in die Lebenswelt
4.1.3.5 Lebenssinn
4.1.4 Resilienzfördernde Konzeption von Schule
4.2 Ist diese Perspektive neu ?
4.3 Spezielle Interventionsprogramme
5. Das Konzept der Resilienz in der schulischen Praxis
5.1 Fallbeschreibung Dirk
5.1.1 Familiäre Situation
5.1.2 Schulische Situation
5.1.3 Fallanalyse Dirk
5.2 Fallbeschreibung Frank
5.2.1 Familiäre Situation
5.2.2 Schulische Situation
5.2.3 Fallanalyse Frank
6. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der Resilienzforschung für die schulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die durch Verhaltensstörungen auffallen. Das primäre Ziel ist es, den klassischen, defizitorientierten Blickwinkel der Schule für Erziehungshilfe durch eine kompetenzorientierte Perspektive zu ergänzen oder zu erweitern, um so neue pädagogische Handlungsoptionen aufzuzeigen.
3.1 Forschungsansatz
„Auch Wissenschaften unterliegen Moden, Strömungen des Zeitgeists oder - in der Sprache der Wissenschaftsphilosophie - Forschungsparadigmen und ihrem Wechsel“69. Beginnend mit der traditionellen Risikoforschung deckte die Studie von Werner und Smith (1982) auf der Hawaiianischen Insel Kauai das folgende Phänomen auf: „Trotz massiver Belastungen und widrigster Lebensumstände entwickelt sich eine nicht unerhebliche Zahl der so aufgewachsenen Kinder zu gesunden Erwachsenen“70. Dieses Ergebnis wurde Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre (beginnend in den USA) als Wunder begriffen, ebenso wurden Kinder, welchen eine erfolgreiche individuelle Bewältigung schwerwiegender Belastungen gelang, als „Superkids“71 verherrlicht oder als „unverwundbare Kinder“72 bezeichnet.
Man kann sagen, dass diese Ergebnisse einen solchen Paradigmenwechsel angetrieben haben, der sich seit dem in den Fachgebieten der Psychologie und der Medizin vollzieht und sich u.a. auf den Bereich der Sonderpädagogik auswirkt. Bestimmte Themengebiete wie <Krankheit>, <Pathogenese> oder <Defizit> geraten ins Abseits, während sich andere wie <Gesundheit>, <Salutogenese> oder <Kompetenz> statt dessen in den Blickpunkt der Forschung drängen.
Schon an den neuen Begriffen wird deutlich, welche aktuelle Neuorientierung sich hinter ihnen verbirgt: “Weg von der Erforschung von Krankheiten, hin zur Erforschung von Gesundheit“73. „Ein verändertes Bild des Menschen mit einem neuen Verständnis von Krankheit (und Gesundheit) und einer zunehmenden Beachtung krankheitsvorbeugender und gesunderhaltender Prozesse“74. Bisher konzentrierte man sich auf die Erforschung der Ursachen von Fehlentwicklungen und Inkompetenz. In der Resilienzforschung liegt der Schwerpunkt des Interesses bei dem Individuum mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten der Lebensbewältigung75, bei der Suche „...nach den vielfältigen Wurzeln dieser kindlichen Widerstandskraft“76.
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Problemaufriss und die Motivation der Autorin, die traditionelle defizitorientierte Sicht auf verhaltensauffällige Kinder durch Ansätze der Resilienzforschung kritisch zu hinterfragen.
2. Die Schule für Erziehungshilfe: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Verhaltensstörung, die institutionellen Rahmenbedingungen der Erziehungshilfe sowie die kritische Reflexion bestehender klassischer Förderkonzepte.
3. Resilienzforschung: Hier werden der Forschungsansatz, zentrale Begriffe, Schutzmechanismen und Risikobedingungen der Resilienzforschung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem Faktorenansatz dargelegt.
4. Neue Perspektiven für die Schule für Erziehungshilfe durch die Resilienzforschung: Dieses Kapitel transferiert theoretische Erkenntnisse der Resilienzforschung in die pädagogische Praxis und diskutiert sowohl Möglichkeiten als auch Grenzen dieser Umsetzung.
5. Das Konzept der Resilienz in der schulischen Praxis: Anhand zweier detaillierter Fallstudien wird untersucht, wie resilienzfördernde Ansätze in der konkreten Schulsituation Anwendung finden können oder an ihre Grenzen stoßen.
6. Schlusswort: Die Autorin resümiert, dass eine direkte „Herstellung“ von Resilienz nicht möglich ist, plädiert jedoch nachdrücklich für einen grundlegenden Perspektivenwechsel hin zu einer ressourcenorientierten Erziehungswirklichkeit.
Resilienz, Verhaltensstörung, Erziehungshilfe, Schutzfaktoren, Risikofaktoren, Kompetenzmodell, Prävention, Pädagogische Praxis, Defizitorientierung, Salutogenese, Systemisches Modell, Coping, Soziale Unterstützung, Schulqualität, Empowerment.
Die Arbeit untersucht, wie Erkenntnisse aus der Resilienzforschung dazu beitragen können, den pädagogischen Umgang mit Kindern in der Schule für Erziehungshilfe zu verbessern, indem man von einer reinen Defizitorientierung zu einer Orientierung an Kompetenzen und Stärken übergeht.
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Resilienzforschung, die systemkritische Analyse der Schule für Erziehungshilfe, die Anwendung protektiver Faktoren in der Praxis sowie der Einfluss von Lehrkraft-Schüler-Beziehungen.
Das primäre Ziel ist es, neue Perspektiven für die schulische Förderung zu entwickeln, die Kinder nicht nur als Träger von Störungen, sondern als Individuen mit eigenen Bewältigungsressourcen wahrnehmen.
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturanalyse zur Erarbeitung des theoretischen Rahmens und ergänzt diese durch explorative Fallstudien von zwei Schülern, um die praktische Umsetzung der Theorie zu veranschaulichen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Resilienz, eine kritische Betrachtung der Schulpraxis und eine theoretische Reflexion über die Möglichkeiten, schulische Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie resilienzfördernd wirken.
Die Arbeit ist insbesondere durch die Begriffe Resilienz, Verhaltensstörung, pädagogische Kompetenzorientierung, protektive Faktoren und Schulentwicklung geprägt.
Lehrkräfte fungieren als entscheidende Bezugspersonen, die durch ihre persönliche Zuwendung und als Identifikationsmodelle eine „haltende Beziehung“ aufbauen können, die für Kinder in risikoreichen Lebensumständen als wesentlicher Schutzfaktor dient.
Die Kritik verdeutlicht, dass die Art und Weise der sonderpädagogischen Gutachtenerstellung, die Schwächen überbetont („Giftsätze“), das Selbstbild der Kinder massiv negativ beeinflussen und den Blick auf vorhandene Stärken verstellen kann.
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