Bachelorarbeit, 2012
66 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Die Entwicklung der Bestattungskultur in Deutschland
2.1 Der mittelalterliche Kirchhof
2.2 Die Auslagerung des Friedhofs – Trennung von Grab und Kirche
2.3 Der kommunale Friedhof und die bürgerliche Bestattungskultur
2.4 Das Bestattungsunternehmen
2.5 Die Feuerbestattung
2.6 Die Entwicklung des Friedhofes im 20. Jahrhundert
2.6.1 Der Reformfriedhof
2.6.2 Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
2.6.3 Anonymisierung der Bestattungskultur
2.6.3.1 Folgen für die Friedhöfe
2.6.3.2 Aspekte der bestattungskulturellen Miniaturisierung
3 Discountbestattungen
3.1 Umfang und Einsparpotenziale
3.2 Entstehung – Gründe auf Kundenseite
3.3 Entwicklung – Gründe von Anbieterseite
4 Sozialamtsbestattungen und Ordnungsamtsbestattungen in Theorie und Praxis
4.1 Sozialamtsbestattungen
4.2 Ordnungsamtsbestattungen
4.3 Diskrepanzen zwischen Rechtsprechung und Praxis
5 „Ich will ja niemandem zur Last fallen!“ – Über die Wahl von anonymen Bestattungen im Rahmen der Bestattungsvorsorge
5.1 Die Bestattungsvorsorge
5.2 Die anonyme Bestattung
5.3 Gründe
5.4 Folgen
6 Zur Kritik des Wandels in der Bestattungskultur
6.1 Feuerbestattung
6.2 Anonyme Bestattung
6.3 Discountbestattung
7 Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Gründe für den sichtbaren Wandel der Bestattungskultur in Deutschland, der sich von traditionellen Beerdigungen hin zu anonymen (Feuer-)Bestattungen verschiebt, welche häufig aus Kostengründen ohne Trauerfeier und ortsfern durchgeführt werden. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche soziologischen und ökonomischen Faktoren dazu führen, dass Bestattungen vermehrt nach ökonomischen Kriterien statt nach rituellen Bedürfnissen ausgewählt werden.
2.4 Das Bestattungsunternehmen
War der Umgang mit den Toten ursprünglich „eine Angelegenheit der Familie und der Gemeindemitglieder“ (Feldmann 2010: 46), wurde er nun „den Einflussbereichen der Familie und der Kirche teilweise entzogen“ (Feldmann 2010: 46) und professionellen Bestattungsunternehmen übertragen, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet wurden (vgl. Riemann 2007: 102) und sich seitdem zur entscheidenden Instanz im Umfeld der Bestattung entwickelten (vgl. Fischer 2001: 119). Dieses privatkapitalistische, spezialisierte Gewerbe ging meist aus „Sargtischler- oder Fuhrbetrieben hervor, die die Bestattungen zuvor als Nebengeschäft besorgt hatten“ (Fischer 2001: 127). Ausschlaggebend für die Spezialisierung waren neben den gesundheitspolitischen Vorschriften und der voranschreitenden Bürokratisierung „nicht zuletzt die immer zeit- und kostenaufwendigeren Leichentransporte zu den damals weit vor den Städten angesiedelten neuen Großfriedhöfen“ (Fischer 1997: 128).
Die Bestattungsunternehmen übernahmen neben der rein logistischen Abwicklung sowohl „die vielfältigen Aufgaben, die im Zusammenhang mit einer Bestattung zu erledigen waren“ (Riemann 2007: 102) und „allmählich auch zeremonielle Funktionen“ (Fischer 1997: 128), die vorher vor allem von der Kirche, aber auch von den ehemaligen Zünften und der Nachbarschaft ausgeübt wurden (vgl. Riemann 2007: 128). Diese Entwicklung schritt in den Städten schneller voran, in ländlichen Gebieten behielten die „nachbarschaftlichen Aufgaben und die auf verschiedene Hände verteilten Zuständigkeiten im Todesfall“ (Riemann 2007: 115) länger ihre Bedeutung.
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert den beobachteten Wandel zu günstigeren Bestattungsformen im Arbeitsalltag des Autors und leitet die Forschungsfrage über die Gründe dieser Ökonomisierung ein.
2 Die Entwicklung der Bestattungskultur in Deutschland: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Wandel von der mittelalterlichen kirchlichen Bestattung über die staatlich regulierten Friedhöfe bis zur modernen Individualisierung und Anonymisierung nach.
3 Discountbestattungen: Hier wird der Markteintritt der Discountbestatter analysiert, die unter dem Druck des Kostenbewusstseins durch All-inclusive-Angebote und Standardisierung agieren.
4 Sozialamtsbestattungen und Ordnungsamtsbestattungen in Theorie und Praxis: Das Kapitel untersucht die staatliche Praxis der Bestattung bei fehlenden Mitteln der Angehörigen und die hier auftretenden Konflikte zwischen Kosteneffizienz und rechtlichen Grundstandards.
5 „Ich will ja niemandem zur Last fallen!“ – Über die Wahl von anonymen Bestattungen im Rahmen der Bestattungsvorsorge: Hier werden die Motive der Vorsorgenden beleuchtet, die durch den Wunsch nach Entlastung ihrer Hinterbliebenen häufig zur anonymen Beisetzung greifen.
6 Zur Kritik des Wandels in der Bestattungskultur: Dieses Kapitel diskutiert die Widerstände und die Kritik an Feuer-, anonymen und Discountbestattungen durch traditionelle Akteure und vergleicht diese mit den tatsächlichen gesellschaftlichen Bedürfnissen.
7 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Transformationen der Bestattungskultur zusammen und prognostiziert eine weitere Abnahme der Bedeutung des Friedhofs als Ort der Trauer zugunsten ökonomisch geprägter Lösungen.
Bestattungskultur, Ökonomisierung, Friedhof, Anonyme Bestattung, Discountbestatter, Sozialamtsbestattung, Ordnungsamtsbestattung, Feuerbestattung, Bestattungsvorsorge, Entsorgungsmentalität, Trauerkultur, Professionalisierung, Kosteneffizienz, Bestattungsrecht, Wertewandel.
Die Arbeit analysiert den sozialen und kulturellen Wandel des Bestattungswesens in Deutschland, insbesondere unter dem Aspekt der zunehmenden Ökonomisierung und der Abkehr von traditionellen Bestattungsritualen.
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Bestattungskultur, der Aufstieg von Discountbestattungen, die Praxis staatlicher Sozial- und Ordnungsamtsbestattungen sowie die Bestattungsvorsorge als Ausdruck einer veränderten Einstellung zum Tod.
Das Ziel ist es, die Gründe für den Wandel zu analysieren, der dazu führt, dass die Art der Bestattung immer häufiger nach rein ökonomischen Kriterien und nicht nach rituellen oder traditionellen Bedürfnissen gewählt wird.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse soziologischer und kulturwissenschaftlicher Literatur sowie der Auswertung von Fachvorträgen, statistischen Daten und rechtlichen Rahmenbedingungen des Bestattungswesens.
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Bestattungskultur, die ökonomischen Treiber hinter Discountbestattungen, die rechtliche und soziale Problematik von Ordnungsamtsbestattungen sowie die psychologischen Hintergründe der Bestattungsvorsorge.
Bestattungskultur, Ökonomisierung, Anonymisierung, Discountbestattung, Sozialamtsbestattung, Bestattungsvorsorge und Entsorgungsmentalität.
Sie gewinnt an Bedeutung, da immer mehr Menschen ihre Bestattung bereits zu Lebzeiten selbstbestimmt und sicher planen möchten, um ihre Angehörigen später von organisatorischen und finanziellen Belastungen zu befreien.
Bei Sozialamtsbestattungen entscheidet nicht der Angehörige über den Umfang der Bestattung, sondern die zuständige Behörde, die primär auf die Kosteneffizienz und die Einhaltung eines gesetzlichen Mindeststandards achtet.
Der Begriff beschreibt eine im aktuellen Diskurs kritisierte Haltung, bei der Bestattungen so schlicht, schnell und kostengünstig wie möglich durchgeführt werden, was von Kritikern als ein Niedergang der kulturellen Wertschätzung gegenüber dem Verstorbenen gedeutet wird.
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