Diplomarbeit, 2011
97 Seiten, Note: 1
1 Einleitung
1.1 Aktualität der komplementären Währungen
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Das Geldsystem
2.1 Die Bedeutung des Geldes in unserer Gesellschaft
2.2 Historische Entwicklungen des Geldes im europäischen Raum
2.3 Die Funktion des Geldes
2.3.1 Tauschmittelfunktion
2.3.2 Wertaufbewahrungsfunktion
2.3.3 Recheneinheitsfunktion
2.3.4 Zahlungsmittelfunktion
2.3.5. Eigentumstheorie des Geldes
2.4 Wie entsteht Geld?
2.5 Global Money – Die Rolle des Geldes in der Weltwirtschaft
2.6 Grenzen und Probleme unseres Wirtschaftssystems
2.6.1 Abhängigkeit des Geldes von den Krediten
2.6.2 Zinsmechanismus
2.6.3 Ausbluten des Geldumlaufes
2.6.4 Inflation
2.6.5 Unendliches Wachstum
2.6.6 fiskalische Geldpolitik
2.6.7 Zusammenfassung
3 Die Bedeutung komplementärer Währungssysteme
3.1 Die Begriffsbestimmung – Komplementärwährung und Regionalwährung
3.1.1 Geschäftsmodell Komplementärwährung
3.1.2 Komplementaritätsprinzip
3.2 Das Freiwirtschaftsmodell von Silvio Gesell
3.2.1 Die Idee von Freigeld im historischen Verlauf
3.2.2 Das Modell von Silvio Gesell
3.2.3 Zur Kritik am Freigeld
3.2.4 Die Weltwirtschaftskrise 1929 als Ausgangspunkt
3.2.5 Das Experiment von Wörgl
3.3 Voraussetzungen für den Erfolg komplementärer Währungssysteme
3.3.1 Bestandteile komplementärer Währungssysteme
3.3.2 Gesamtmodell
3.4 Arten komplementärer Währungssysteme
3.4.1 Tausch-Systeme
„Tauschringe sind somit ein durch Kooperationsbeziehungen strukturiertes Netzwerk.“
3.4.2. Gutscheinsysteme
3.4.3 C3 (Consumer and Commerce Circuit)
3.4.4 Komplementäre Währungen für den sozialen Sektor
3.5 Die Vernetzung unterschiedlicher Systeme
4 Die Bedeutung komplementärer Währungen für die regionale Wirtschaft
4.1 Endogene Regionalentwicklung
4.2 Renaissance komplementärer Währungssysteme
4.3 Zusammenfassung
5 Chancen und Grenzen komplementärer Währungen
5.1 Wirtschaftspolitische Sicht
5.1.1 Einfluss komplementärer Währungssysteme auf die Verkehrspolitik
5.2 Gesellschaftspolitische Sicht
5.3 Juristische Sicht
6 Entwicklungsstand komplementärer Währungen in Österreich
6.1 Der Waldviertler
6.1.1 Die wirtschaftliche Region „Waldviertel“
6.1.2 Die KW „Waldviertler“
6.2 I-Motion
6.3 KAESCH
6.4 „Talente Tauschkreis Vorarlberg“
7 Zusammenfassung
Diese Arbeit analysiert theoretisch den Einsatz komplementärer Währungssysteme, um zu untersuchen, inwieweit diese die negativen Auswirkungen des gegenwärtigen Wirtschaftssystems ausgleichen, sozioökonomische Netzwerke fördern und ökologische Nachhaltigkeitsprinzipien unterstützen können.
2.6.2 Zinsmechanismus
Wenn ich an betriebswirtschaftlichen Veranstaltungen teilnehme und mit meinen Kollegen diskutiere, die selbst die Finanzverantwortung für ein Unternehmen tragen, ist es immer wieder interessant festzustellen, wie wenig Wissen über betriebswirtschaftliche Zusammenhänge vorherrscht. In den meisten Fällen glauben diese Menschen wirklich, sie zahlen Zinsen nur dann, wenn sie einen Kredit aufnehmen. Somit wird verständlich, wenn die Menschen auf der Straße auf dieselbe Frage die gleiche Antwort liefern.
Die Wirklichkeit ist anders: Tatsächlich zahlen wir auch Zinsen, wann immer wir Ware kaufen oder Leistungen beziehen. In jedem Produkt stecken im Verkaufspreis mindestens 3% Zinsen, die sich aus der Primärverschuldung ergeben. Berücksichtigen wir auch die Zinsanteile, die in den zu beschaffenden Material-, Energie und sonstige operativen Kosten enthalten sind, dann erhöht sich der Zinsanteil auf 5-6%. Der Konsument trägt beim Kauf einer Leistung oder eines Produktes die volle Zinsbelastung aus allen Vorleistungen, die der Marktpositionierung vorangehen. Der Wirtschaftsökonom Knauer beziffert den „Realzinsgrundsockel“ in den Produkten mit etwa 26%.
Unser Geldordnungssystem bietet uns die Möglichkeit, der Wirtschaft Geld zu entziehen und gleichzeitig aber auch das Recht bei der Freigabe unseres Geldes dafür Zinsen zu erzwingen. Damit schaffen wir die Möglichkeit Geld zu verdienen, ohne dafür eine Leistung zu erbringen. Dadurch ergibt sich eine exponentielle Funktion zu Gunsten des Zinses respektive durch den Zinseszinseffekt. Dem Zinsertrag stehen die Zinsaufwendungen gegenüber. Folglich muss jemand Zinsen zahlen, damit ein anderer Zinsen erhalten kann. Diese Abhängigkeit zwischen Zinsenaufwand und –ertrag hat jedoch eine schwerwiegende, sozialwirtschaftliche und volkswirtschaftliche Konsequenz:
1 Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die aktuelle wirtschaftliche Situation, kritisiert die neoliberale Ökonomisierung und stellt das Ziel der theoretischen Masterarbeit dar, komplementäre Währungen als stabilisierendes Element zu untersuchen.
2 Das Geldsystem: Dieses Kapitel behandelt die historische Entwicklung, die Funktionen des Geldes sowie die strukturellen Probleme des gegenwärtigen Wirtschaftssystems, wie den Zinsmechanismus und das unendliche Wachstumsdiktat.
3 Die Bedeutung komplementärer Währungssysteme: Hier werden Definitionen sowie verschiedene Modelle komplementärer Währungen, insbesondere das Freiwirtschaftsmodell von Silvio Gesell, erläutert und Voraussetzungen für deren Erfolg analysiert.
4 Die Bedeutung komplementärer Währungen für die regionale Wirtschaft: Das Kapitel untersucht, wie komplementäre Währungen zur endogenen Regionalentwicklung beitragen können und dabei helfen, die Wertschöpfung in der Region zu halten.
5 Chancen und Grenzen komplementärer Währungen: Es erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit den wirtschaftspolitischen, gesellschaftspolitischen und juristischen Aspekten, die beim Einsatz solcher Systeme relevant sind.
6 Entwicklungsstand komplementärer Währungen in Österreich: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Stand verschiedener komplementärer Währungsprojekte in Österreich, unter anderem den "Waldviertler", "I-Motion", "KAESCH" und den "Talente Tauschkreis Vorarlberg".
7 Zusammenfassung: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet das Potenzial komplementärer Währungen als nachhaltiges Instrument der kommunalen Wirtschaftsförderung.
Komplementärwährungen, Regionalwährungen, Geldsystem, Zinsmechanismus, Nachhaltigkeit, Regionalentwicklung, Freiwirtschaft, Silvio Gesell, Waldviertler, Tauschringe, Kooperationsringe, soziale Gerechtigkeit, Geldschöpfung, Wirtschaftskrise, lokale Wirtschaft.
Die Masterarbeit befasst sich mit den Chancen und Grenzen komplementärer Währungssysteme als Mittel zur nachhaltigen Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe angesichts der Krisenanfälligkeit des globalen Finanzsystems.
Die zentralen Themenfelder umfassen die Funktionsweise unseres aktuellen Geldsystems, die Auswirkungen von Zins und Zinseszins, historische und aktuelle Modelle komplementärer Währungen sowie deren Beitrag zu regionaler Stabilität und sozialer Kohäsion.
Das Ziel ist die theoretische Analyse der Möglichkeiten, wie komplementäre Währungen negative Folgen des heutigen Wirtschaftssystems abfedern und sozioökonomische Netzwerke sowie ökologische Nachhaltigkeit in Regionen stärken können.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und theoretischen Abhandlung, es werden keine eigenen empirischen Erhebungen durchgeführt.
Der Hauptteil analysiert das Geldsystem, die Bedeutung komplementärer Währungen, deren Arten, Voraussetzungen für den Erfolg, ihre Bedeutung für die regionale Wirtschaft sowie den aktuellen Stand solcher Projekte in Österreich.
Wichtige Begriffe sind Komplementärwährungen, Regionalwährungen, Zinsmechanismus, Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung, Freiwirtschaft und soziale Bewegungen.
Das Experiment von Wörgl dient als historisches Beispiel für ein erfolgreiches Freigeld-Modell, das während der Weltwirtschaftskrise lokale Wirtschaftsaktivitäten belebte, bevor es aus machtpolitischen Gründen verboten wurde.
Sie dienen als Beispiel für kooperative Finanzmodelle, die keine Zinsen verlangen, sondern nur ihre Verwaltungskosten verrechnen, und zeigen so auf, wie Geld in der Region verbleiben kann, anstatt in renditeorientierte globale Märkte abzufließen.
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