Examensarbeit, 2012
76 Seiten, Note: 1,0
0. Gibt es Wunder tatsächlich „immer wieder“?
1. Wunder vs. Wundergeschichte
1.1 Was ist ein Wunder?
1.2 Abgrenzung zur Wundergeschichte
2. Die Stellung der Wundergeschichten in der Bibel
2.1 Wundergeschichten
2.2 Exorzismen
3. War Jesus Wundertäter?
3.1 Reflexion der Konzeptionen von Jesus
3.2 Symbolischer Begriff des Wundertäters
4. Systematisch-theologische Reflexion der Wunder Jesu
4.1 Überblick über ausgewählte forschungsgeschichtliche Positionen
4.2 Übertragung des symbolischen Ansatzes auf die Wunder Jesu
5. Die Schweinerei von Gerasa (Mk 5,1-20)
5.1 Text
5.2 Literarkritik: Räumliche, personelle und zeitliche Widersprüche
5.3 Sprachliche Analyse
5.3.1 Motivgerüste und Kombination in der Ereignisfolge
5.3.2 Glaubensprozess des Geheilten - zwischen „Bewegen“&„Bewegtwerden“
5.3.3 Charakterisierung der Personen
5.3.4 Gestaffelte Glaubensprozess mehrerer Aktanten
6. Neuer Reich-Gottes-Begriff
7. Die Wundergeschichte als „absichtsvoll fehlschlagendes Gleichnis“
8. Synthetischer Glaubensbegriff
9. Neue Zeitmäßigkeit der Wundergeschichten
10. Übertragung auf alle biblischen Texte
11. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage nach der Zeitmäßigkeit biblischer Wundergeschichten im 21. Jahrhundert und erarbeitet einen Neuansatz zum Verständnis dieser Erzählungen, indem sie Wunder nicht als historische Tatsachenberichte, sondern als symbolische Zeugnisse betrachtet.
3.2 Symbolischer Begriff des Wundertäters
Zusammenfassend ist es kaum vorstellbar, dass sich Jesus selbst zu irgendeinem Zeitpunkt als „theios aner“, Magier, Exorzist, pneumatisch begabter Charismatiker, Zeichendeuter oder Arzt verstanden hat. Warum werden ihm diese Rollen dann im Nachhinein zugeschrieben?
Für Jesus als Mensch waren seine Wunder wohl keine außergewöhnliche Taten oder Ereignisse, sondern sein Handeln und seine Hilfe eine Selbstverständlichkeit. So ist M. Köhnlein der Meinung, dass Jesus selbst seine Taten wohl kaum als „mysteriöse Ausnahmeerlebnisse“83 verstand, sondern eher als herausragende, aber dennoch gewöhnliche Handlungen an seinen Mitmenschen, die er an ganz normalen Orten vollzog: Auf der Straße, im Boot, auf dem Markt, um nur einige Beispiele zu nennen.
0. Gibt es Wunder tatsächlich „immer wieder“?: Die Einleitung beleuchtet das Fortbestehen des Wunderglaubens in der modernen Gesellschaft und stellt die Forschungsfrage nach der Relevanz biblischer Wunder heute.
1. Wunder vs. Wundergeschichte: Dieses Kapitel arbeitet die notwendige terminologische Unterscheidung zwischen dem Phänomen „Wunder“ und der literarischen Gattung der „Wundergeschichte“ heraus.
2. Die Stellung der Wundergeschichten in der Bibel: Es wird analysiert, welchen Stellenwert Wundererzählungen im Neuen Testament einnehmen und welche Bedeutung insbesondere Exorzismen dabei haben.
3. War Jesus Wundertäter?: Die Arbeit reflektiert verschiedene historisch-theologische Jesus-Bilder und schlägt ein Verständnis Jesu als Wundertäter im symbolischen Sinne vor.
4. Systematisch-theologische Reflexion der Wunder Jesu: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über verschiedene forschungsgeschichtliche Ansätze und überträgt den symbolischen Wundertäter-Ansatz auf die Wundertaten Jesu.
5. Die Schweinerei von Gerasa (Mk 5,1-20): Mittels Exegese, Literarkritik und sprachlicher Analyse wird die Wundergeschichte als Paradebeispiel für einen gestaffelten Glaubensprozess verschiedener Aktanten detailliert durchleuchtet.
6. Neuer Reich-Gottes-Begriff: Aus den Resultaten der Exegese wird ein Begriff des Gottesreichs definiert, der sich als Prozess der Verkündigung versteht.
7. Die Wundergeschichte als „absichtsvoll fehlschlagendes Gleichnis“: Die Wundergeschichte wird hier als Gleichnis charakterisiert, das den Leser zur Reflexion und zur eigenen Interpretation einlädt.
8. Synthetischer Glaubensbegriff: Es wird ein Glaubensverständnis vorgeschlagen, das auf dem Zusammenspiel von menschlicher Vernunft und göttlichem Anruf basiert.
9. Neue Zeitmäßigkeit der Wundergeschichten: Dieses Kapitel legitimiert die Bedeutung biblischer Wunder für das moderne Lesepublikum durch deren Funktion als Vermittler der Gottesbotschaft.
10. Übertragung auf alle biblischen Texte: Die Erkenntnisse werden auf den gesamten biblischen Kanon ausgeweitet, wobei der biblische Text als Mittler zwischen Gott und Mensch definiert wird.
11. Schlusswort: Die Arbeit resümiert, dass Wundergeschichten ihre Bedeutung behalten, indem sie als wandelbare, interpretierbare Texte verstanden werden.
Wundergeschichte, Jesus, Gottesreich, Exorzismus, Glaubensprozess, Symbolik, Verkündigung, Bibelauslegung, Zeitmäßigkeit, Hermeneutik, Markusevangelium, Theologie, Historizität, Glaube, Vernunft.
Die Arbeit untersucht, wie biblische Wundergeschichten trotz wissenschaftlicher Aufklärung für den Menschen des 21. Jahrhunderts zeitgemäß und bedeutungsvoll bleiben können.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Wunder und Wundergeschichte, die Person Jesu als Wundertäter, die Exegese der Gerasener-Heilung und ein neuer systematischer Ansatz zum Verständnis von Reich-Gottes-Begriffen und Glaube.
Das Ziel ist der Nachweis, dass Wundergeschichten als symbolische Verkündigungstexte fungieren, die keine Historizität beanspruchen müssen, um als Impuls für heutige Glaubensprozesse zu dienen.
Es kommen vorwiegend historisch-kritische Methoden, die Literarkritik, formgeschichtliche Analyse und systematisch-theologische Reflexion zum Einsatz.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Wunderdiskussion, gefolgt von einer detaillierten Exegese der Schweinerei von Gerasa (Mk 5,1-20), an der die theoretischen Erkenntnisse beispielhaft angewendet werden.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Wundergeschichte, Gottesherrschaft, Glaubensprozess, Exorzismus, Verkündigung und die Synthese von menschlicher Vernunft und göttlichem Wirken.
Diese Geschichte wird gewählt, da sie als „verwunderlichste“ Wundererzählung gilt und durch ihre Komplexität, die vielen beteiligten Aktanten und ihre zeitgeschichtliche Verortung besonders geeignet ist, verschiedene Glaubensprozesse aufzuzeigen.
Der Autor schlägt diesen Begriff vor, um zu verdeutlichen, dass Markus die Wundergeschichte bewusst offen lässt und ihr Ende nicht vollständig ausformuliert, um den Leser aktiv in den Prozess der Interpretation und Reflexion einzubeziehen.
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