Hausarbeit, 2012
30 Seiten
1. Einleitung
2. Rastafari – von den Ursprüngen bis ins 21. Jahrhundert
2.1 Religiöse Wurzeln
2.2 Marcus Garvey – die Antwort auf die Entfremdung der Schwarzen von sich selbst
2.3 Äthiopien und der Löwe von Juda
2.4 Gott ist schwarz!
2.5 Youth Black Faith
2.6 Von Burru zu Reggae
2.7 Rastafari heute
3. Symbole und Philosophie
3.1 Beating down Babylon
3.2 Gott ist in mir
4. Exkurs: Symbole als hermeneutische Praxis
5. Hermeneutische Praxis – zwei Liedinterpretationen
5.1 Das gemeinsame Trauma
5.2 The Power of Sound
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rastafari-Bewegung durch eine hermeneutische Analyse, um zu erklären, wie aus einer kleinen jamaikanischen Glaubensgemeinschaft ein weltweit verbreitetes kulturelles Phänomen entstehen konnte. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die symbolische Ideologie der Rastafari – insbesondere das Widerstandskonzept gegen das "Babylon-System" – universelle Identitätsangebote schafft und in der Popkultur transformiert wird.
3.1 BEATING DOWN BABYLON
Im Zentrum der Rasta-Ideologie steht der Widerstand gegen das Babylon-System, der von Grund auf falschen und ungerechten Gesellschaft, die die Schwarzen unterdrückt und von sich selbst entfremdet. In diesem Aspekt sind sich alle Rastafari einig: Babylon muss fallen. Somit kann ein großer Anteil der Rastafari-Religion als Widerstandsideologie charakterisiert werden. Dabei leitet sich die Bezeichnung ‚Babylon‘ für das Objekt des Widerstandes ab aus der Bibel: Nach Genesis 11 war Babylon die erste Stadt überhaupt, deren Bewohner sich durch den Wunsch nach kultureller Homogenität und Selbsterhöhung auszeichneten.
Nachdem sie von Gott zur Strafe in alle Himmelsrichtungen verstreut worden waren, erlebte die Stadt in Mesopotamien, dem Reich des Königs Nebukadnezar, eine neue Blütezeit. Wiederum war die Herrschaft der Babylonier geprägt von Selbstsucht und moralischem Verfall. Ein Beispiel dafür ist der König selbst, der ein goldenes Bildnis von sich schaffen ließ, welches von seinen Untertanen angebetet werden sollte. Außerdem griffen die Mesopotamier Jerusalem an und vertrieben die Hebräer ins Exil. Viele Rastafari halten die frühen Hebräer für schwarz und sehen bereits hier den Beginn der Vertreibung Schwarzer durch das Babylon-System.
Das Römische Reich wird im Rastafari-Glauben als die nächste Inkarnation Babylons verstanden. Die Römer besiegten das afrikanische Karthago und töteten Juden und Christen. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte war aus Italien nichts Gutes zu erwarten: mit dem Vatikan ist es das Zentrum der katholischen Kirche, die als Unterstützer der weißen Herrschaftsideologie gilt (vgl. Edmonds 2003: 42 ff.).
Babylon steht für eine schlechte, ungerechte Gesellschaft, in der eine schwarze Bevölkerungsgruppe unterdrückt oder vertrieben, ausgebeutet und misshandelt wird. Wer oder was ganz konkret so bezeichnet wird, ist wiederum individuell sehr unterschiedlich. Auf Jamaika selbst werden zum Beispiel die Polizisten so betitelt, da sie als Exekutive des unterdrückenden Staates agieren und aufgrund des Verbotes von Marihuana ständig mit den Rastafari kollidieren.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Rastafari-Bewegung ein, stellt die internationale Relevanz dar und erläutert die hermeneutische Methodik der Arbeit.
2. Rastafari – von den Ursprüngen bis ins 21. Jahrhundert: Dieses Kapitel beschreibt die historische Entstehung der Religion, geprägt durch den Sklavenhandel, Marcus Garvey und die Krönung Haile Selassies.
3. Symbole und Philosophie: Hier werden die zentralen ideologischen Pfeiler wie das Konzept von „Babylon“ und die Vorstellung eines schwarzen Gottes in jedem Einzelnen („Gott ist in mir“) analysiert.
4. Exkurs: Symbole als hermeneutische Praxis: Der Exkurs theoretisiert die Bedeutung von Symbolen mithilfe von Cassirers Symboltheorie und Appadurais Theorie der Imagination als soziale Praxis.
5. Hermeneutische Praxis – zwei Liedinterpretationen: In diesem Kapitel wird die Theorie anhand von Analysen der Songs „Slave Driver“ (Bob Marley) und „Babylon System“ (Söhne Mannheims) auf die Praxis angewendet.
6. Fazit: Das Fazit reflektiert die Beständigkeit der Widerstandsideologie gegen das Babylon-System trotz des Rückgangs der messianischen Erwartungen an Äthiopien.
Rastafari, Babylon-System, Haile Selassie, Hermeneutik, Symbole, Reggae, Sklavenhandel, Identität, Widerstand, Jamaika, Ital Livity, Dreadlocks, Ganja, Popkultur, Zion
Die Arbeit untersucht die Rastafari-Bewegung als ein komplexes Gefüge aus Religion, Widerstandsideologie und Popkultur unter Anwendung hermeneutischer Analysemethoden.
Die zentralen Themen sind die historische Genese der Rastafari, die philosophische Bedeutung ihrer Symbole, der Einfluss der Musik (Reggae) sowie die Transformation der Ideologie in einen globalen Kontext.
Das Ziel ist zu erklären, wie eine lokal verwurzelte jamaikanische Religion durch ein universelles Symbolsystem – insbesondere das Widerstandskonzept gegen "Babylon" – eine weltweite Verbreitung und kulturelle Anpassungsfähigkeit entwickeln konnte.
Die Arbeit nutzt die Methode der Hermeneutik, um Symbole, Mythen und Songtexte im Kontext der Rastafari-Ideologie interpretativ zu entschlüsseln.
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung, die philosophische Selbstverortung der Rastafari, die Rolle von Symbolen in der Identitätsbildung sowie die praktische Anwendung dieser Theorie auf zwei konkrete Musikbeispiele.
Die Arbeit wird wesentlich durch die Begriffe Rastafari, Babylon-System, Identität, Hermeneutik, Widerstand und Popkultur charakterisiert.
Während Rastafari "Babylon" primär als historisch gewachsenes, weißes Unterdrückungssystem mit spezifischem Bezug zur Sklaverei sehen, übertragen die Söhne Mannheims diesen Begriff auf allgemeine gesellschaftliche Zwänge und moderne Bürokratie.
Sprache dient als Werkzeug der Identität. Durch den sogenannten "Dread talk" oder "I-talk" wird das koloniale Erbe sprachlich unterwandert, indem Wörter linguistisch so verändert werden, dass sie den Rückbezug auf Gott und das schwarze Selbst betonen.
Das Symbol "Babylon" ist so abstrakt und vielschichtig definiert, dass es je nach lokalem Kontext nahezu jedes Feindbild (vom Rassismus bis zur Umweltzerstörung) repräsentieren kann, was die Bewegung global anschlussfähig macht.
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