Seminararbeit, 2011
18 Seiten, Note: 1,3
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1. Einleitung
2. Johann Wolfgang von Goethe
2.1 Leben und Werk
2.2 Goethe und die Bibel
3. Faust. Der Tragödie Erster Teil
3.1 Entstehung
3.2 Aufbau und Inhalt
4. Vergleich: Hiob und Faust
4.1 Figurenkonstellation
4.2 Die Überlegenheit des Herrn – Das Lob der Erzengel
4.3 Die Charaktere
4.3.1 Hiob und Faust
4.3.2 Satan und Mephisto
4.3.3 Gott und der Herr
4.4 Die Wette
5. Zusammenfassung und Fazit
Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht in einer kritischen Analyse von Goethes "Faust. Der Tragödie Erster Teil" unter besonderer Berücksichtigung des alttestamentlichen Hiob-Buches, wobei insbesondere die intertextuellen Bezüge im "Prolog im Himmel" untersucht werden.
4.4 Die Wette
Sowohl im Buch Hiob als auch im Faust wird jeweils ein Mensch auf die Probe gestellt. Allerdings sind diese Prüfungen deutlich voneinander zu unterscheiden. In Hiob dreht sich die Wette um das Festhalten an Gott auch in Not und Leid. Hiob soll beweisen, dass er Gott nicht nur während seiner guten Tage, d.h. im Wohlstand und Glück, lobt, sondern auch in schlechten Zeiten gottesfürchtig bleibt. Anders im Faust: hierbei geht es vor allem um den Beweis, dass "ein guter Mensch sich in seinem dunklen Drange des rechten Weges wohl bewusst" ist.
Die Wette beginnt in beiden Büchern damit, dass es der Herr ist, der den Satan provoziert und anspricht. Es folgt in beiden Fällen ein Wettangebot, bei dem der Herr zwar nicht direkt auf dieses eingeht, dem Satan bzw. dem Mephisto allerdings gestattet, Hiob bzw. Faust zu bedrängen, allerdings mit jeweils einer Bedingung. In Hiob zeigt sich dies wie folgt: „Der Herr sprach zum Satan: Gut all sein Besitz ist in deiner Hand, nur gegen ihn selbst streck deine Hand nicht aus!“ (Hiob 1,12). Im Faust klingt dies ähnlich, wobei hier anzumerken ist, dass mit der Bedingung, die der Herr Mephisto stellt, Mephisto von vornherein zum Verlierer der Wette gemacht wird: „So lang‘ er auf der Erde lebt/So lange sei dir’s nicht verboten.“ (V. 315-316)
Mephisto aber erkennt sein absehbares Versagen nicht und geht unentwegt auf die Wette ein: „Da dank ich Euch; denn mit den Toten / Hab ich mich niemals gern befangen./ Am meisten lieb ich mir die vollen frischen Wangen.“ (V. 318-320) Man erkennt eine Ironie, denn nicht Mephisto ist es, der sein Spiel mit Faust treibt, „vielmehr spielt hier der Herr sein eigentlich recht bösartiges Spiel mit Mephisto, den er für seine Zwecke einsetzt.“ Hierbei zeigt sich ebenso deutlich der Unterschied zwischen Mephisto und Satan: Mephisto ist im Faust ein Gesandter des Herrn und kein Gegenspieler.
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den biblischen Einfluss auf Goethes Werk und definiert die Zielsetzung, eine kritische Vergleichsanalyse zwischen dem Hiob-Buch und dem Faust-Prolog durchzuführen.
2. Johann Wolfgang von Goethe: Ein biografischer Abriss von Goethes Leben, der besonders seine frühen Berührungen mit dem Theater und seine zeitlebens prägende Auseinandersetzung mit biblischen Motiven beleuchtet.
3. Faust. Der Tragödie Erster Teil: Dieses Kapitel beschreibt die lange Entstehungsgeschichte des Faust-Stoffes sowie den inhaltlichen Aufbau und Handlungsverlauf des Dramas.
4. Vergleich: Hiob und Faust: Der Hauptteil der Arbeit analysiert tiefgreifend die intertextuellen Parallelen und fundamentalen Unterschiede zwischen den Werken, unterteilt in Figurenanalyse, Gottesbild und die Bedeutung der Wette.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass trotz zahlreicher Anspielungen keine Gleichsetzung der Figuren möglich ist, da die zugrunde liegenden Motive grundverschieden sind.
Goethe, Faust, Hiob, Bibel, Prolog im Himmel, Mephisto, Satan, Intertextualität, Theodizee, Wette, Figurenanalyse, Dramenstruktur, Wissensdurst, Gott, Literaturvergleich.
Die Arbeit befasst sich mit einem literarischen Vergleich zwischen dem biblischen Buch Hiob und Goethes Drama "Faust. Der Tragödie Erster Teil", wobei der Fokus auf den Gemeinsamkeiten und den drastischen inhaltlichen Unterschieden liegt.
Zentrale Themen sind die Intertextualität zwischen biblischen und klassischen Texten, die Rollenverteilung der Teufelsfiguren sowie die philosophische Frage der Theodizee.
Das Ziel ist es, über eine bloße Aufzählung von Gemeinsamkeiten hinaus einen kritischen Vergleich zu ziehen, der aufzeigt, dass Goethes Faust keinesfalls eine direkte Adaption der Hiobsfigur darstellt.
Es wird eine textanalytische und komparative Literaturwissenschaftsmethode angewandt, die sich auf Primärtexte, wissenschaftliche Sekundärliteratur und interpretative Textarbeit stützt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Figurenkonstellationen, das Gottesbild, die Rolle der Teufelsgestalten sowie die Analyse der jeweiligen Wette als strukturelles Element.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Intertextualität, Mephisto, Faust, Hiob, Theodizee, Gottesbild und der Prolog im Himmel.
Der Autor zeigt auf, dass der Mensch im Faust aktiv eingreift und die Ordnung, die das Hiob-Buch als göttlich unantastbar postuliert, durch den technologischen und wissenschaftlichen Fortschritt überwindet.
Während Satan im Hiob-Buch ein gezieltes Instrument zur Prüfung des Glaubens ist, tritt Mephisto bei Goethe als einflussreicher "Ermöglicher" menschlichen Fortschritts und als komplexer Geist auf, der selbst in der Schöpfung agiert.
Der Autor argumentiert, dass der letzte Akt des zweiten Teils als Parodie auf die Hiobsgeschichte zu lesen ist, in der jedoch Mephisto anstelle von Faust die Rolle des Leidenden übernimmt.
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