Hausarbeit, 2006
19 Seiten, Note: 1,0
1 Gottfried Benn und Paul Hindemith
- Zur Entstehung des Unaufhörlichen
2 Das Unaufhörliche – Spiegelbild seines Denkens
2.1 Das Sein – Zyklen oder Posthistoire?
2.2 Der Inhalt wird Form – bennscher Expressionismus
3 Das Unaufhörliche – ein Experiment?
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und ideologische Einbettung des Oratoriums "Das Unaufhörliche" von Gottfried Benn und Paul Hindemith. Ziel ist es, das Werk als zentralen Kristallisationspunkt in Benns Denken zu analysieren, wobei insbesondere die Transformation seiner nihilistischen Weltanschauung hin zur Ästhetisierung des Leidens und der Form als schöpferischem Akt beleuchtet wird.
1 Gottfried Benn und Paul Hindemith – Zur Entstehung des Unaufhörlichen
Als Paul Hindemith im Sommer 1930 Gottfried Benn auffordert einen Text für ihn zu verfassen, befindet sich dieser in einer Phase des Wandels, der dichterischen wie persönlichen Neuorientierung und nur zögernd stimmt er dem Unterfangen zu. Hindemith hatte zuvor für das Baden-Badener Fest der zeitgenössischen Musik von 1929 zusammen mit Bertolt Brecht den Lindberghflug und ein Lehrstück verfasst und sich anschließend mit dem Dichter zerstritten. Grund legend für das Zerwürfnis war ganz allgemein die damals vorherrschende Kunstauffassung der Neuen Sachlichkeit, welche die zunehmende Instrumentalisierung der Kunst am Ende der Weimarer Republik vorantrieb.
Hindemiths Idee einer Gebrauchsmusik, als rein erzieherischer Maßnahme vertrug sich nicht mit brechtscher Suggestion zum politischen Stimmenfang. Es mangelte auch nicht an gegen Benn gerichteter Polemik, der seine quasi ‚überholte’ absolute Ästhetik nicht verhehlte, ja sogar vehement verteidigte. Seine exemplarische Replik gegen J. R. Becher und E. E. Kisch in der Neuen Bücherschau vom 9. Juli 1929 Können Dichter die Welt ändern? muss daher Hindemiths Interesse geweckt haben, auch wenn eine tiefere Identifikation mit den dargestellten nihilistischen Ideen nicht anzunehmen ist.
Die Zusammenarbeit am Unaufhörlichen erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren (1930/31) und lässt sich durch den regen Briefwechsel gut rekonstruieren. Sehr auffällig ist Benns Unsicherheit, was die Verwertbarkeit seiner Textfragmente betrifft; deren Folge ist ein ständiges Versichern bei Hindemith und eine dadurch bedingte nur zögerliche, schrittweise Entwicklung des Materials. Die Entscheidung für ein Oratorium ist interessant, da diese Gattung traditionell einem pädagogischen Auftrag verpflichtet ist, Benn dieses Ansinnen jedoch im Vorfeld von sich weist. Ging es ihm nicht um erzieherisches Einwirken im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung von Gesellschaft bzw. Individuen, so doch zumindest um ein Bewusstwerden der schieren Fragwürdigkeit von Existenz.
1 Gottfried Benn und Paul Hindemith: Beschreibt die Hintergründe der Zusammenarbeit und die schwierige Entstehungsgeschichte des Oratoriums inmitten einer Phase persönlicher und künstlerischer Neuorientierung Benns.
2 Das Unaufhörliche – Spiegelbild seines Denkens: Analysiert Benns geschichtsphilosophische Positionen, insbesondere die Abgrenzung vom Posthistoire-Begriff zugunsten eines zyklischen Geschichtsbildes und die Bedeutung des Formgedankens.
3 Das Unaufhörliche – ein Experiment?: Hinterfragt den Status des Werkes als künstlerisches und ideologisches Experiment und ordnet es in Benns Entwicklung sowie seine spätere politische Positionierung ein.
Gottfried Benn, Paul Hindemith, Das Unaufhörliche, Expressionismus, Nihilismus, Posthistoire, Willen zur Form, Oratorium, Künstlertum, Nietzsche, Metaphysik, Zyklisches Geschichtsbild, Moderne, Existenz, Ästhetik.
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung des Oratoriums "Das Unaufhörliche", das aus der Zusammenarbeit von Gottfried Benn und Paul Hindemith hervorging, und analysiert dessen philosophische Einbettung.
Die zentralen Themen sind die Transformation von Benns nihilistischer Weltanschauung, seine Theorie des "Willens zur Form" und die Bedeutung von Kunst als transzendente Tätigkeit.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Benns ontologische Auffassung vom zyklischen Sein und dem schicksalhaften Leiden in dem Werk "Das Unaufhörliche" lyrische und formale Gestalt annimmt.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Quellentextes (Briefwechsel, Essays) in Verbindung mit der Untersuchung von Benns weltanschaulichen Einflüssen durch Nietzsche und zeitgenössische Philosophen angewandt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Benns Geschichtsbild, seiner ästhetischen Formgebung und der Einordnung des Oratoriums als experimentelles und biographisches Bindeglied.
Zu den Schlüsselwörtern gehören: Gottfried Benn, Nihilismus, Willen zur Form, Oratorium, zyklisches Geschichtsbild und expressionistische Ästhetik.
Benn lehnte diesen Begriff ab, da das Posthistoire eine lineare, progressive Geschichtsauffassung voraussetzt, während Benns Werk konsequent auf einem zyklischen Weltverständnis basiert.
Der Autor versucht nicht, den Fehltritt Benns zu verharmlosen, betont jedoch, dass Benn sich öffentlich zu seinem Handeln bekannte und fordert eine differenzierte Betrachtung seines beispielhaften Genies gegenüber der rein moralischen Stigmatisierung.
Obwohl die Arbeit den Fokus auf den Text legt, wird deutlich, dass das Oratorium eine für Benn neuartige, experimentelle Situation darstellte, in der die Musik als ergänzendes Medium zur Offenbarung transzendenter Inhalte diente.
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