Bachelorarbeit, 2012
49 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
II. Theoretischer Hintergrund: Die Wissenschaft der Sozialen Ökologie
1. Entstehung einer neuen Wissenschaft
2. Die Nichtidentität der Natur
3. Naturbeherrschung
4. Regulation gesellschaftlicher Naturverhältnisse
5. Zwischenfazit
III. Agrartreibstoffe in Brasilien
1. Ethanol aus Zuckerrohr
2. Agrardiesel
3. Zwischenfazit
IV. Sozial-ökologische Folgen der Agrartreibstoffproduktion in Brasilien
1. Soziale Folgen
1.1. Arbeitsbedingungen
1.2. Landkonflikte
1.3. Nahrungsmittelsicherheit
2. Ökologische Folgen
2.1. Monokultur und Biodiversität
2.2. Klimabilanz
V. Fazit
Ziel dieser Arbeit ist es, die sozial-ökologischen Auswirkungen der Agrartreibstoffproduktion in Brasilien unter dem theoretischen Blickwinkel des Konzepts gesellschaftlicher Naturverhältnisse zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Expansion dieser Industrie das dialektische Verhältnis von Gesellschaft und Natur transformiert und ob sie tatsächlich als nachhaltige Strategie oder lediglich als Fortsetzung kapitalistischer Naturbeherrschung zu werten ist.
3. Naturbeherrschung
Der Begriff der Naturbeherrschung geht ebenso wie die Nichtidentität der Natur auf Adorno zurück und drückt gleichzeitig eine Kritik an der grenzenlosen Ausbeutung natürlicher Ressourcen durch kapitalistische Aneignungsformen aus. Genauer gesagt kann man die Naturbeherrschung als „eine Verleugnung und Unterdrückung der Nichtidentität der Natur“ definieren.
Historischer Ausgangspunkt der Naturbeherrschung bildet dabei das Erforschen der Naturgesetze, welches die „Grundlage für die Ausbeutung der Natur als Ressource kapitalistischer Akkumulation“ war – so Bauhardt – sowie „die dichotome Gegenüberstellung von Natur und Kultur.“ Der Prozess der Moderne mit der industriellen Revolution und der unaufhaltsame Wandel zu kapitalistischen Wirtschaftssystemen führten dabei immanent zu einer Steigerung der Naturbeherrschung. Nach Brand und Görg führt dieser Prozess allerdings nicht automatisch auch zu einer größeren Kontrolle über die Natur, sondern vielmehr zu desaströsen Folge- und Nebenwirkungen, beispielsweise in Form von ökologischen Krisen oder Naturkatastrophen, die vom Menschen nicht zu kontrollieren sind. Folglich beschreibt die Naturbeherrschung in diesem Sinne mehr als nur die gnadenlose Aneignung natürlicher Ressourcen. Sie ist vielmehr als Kritik an den gesellschaftlichen Herrschaftsstrukturen zu verstehen, die auf ökonomischem Denken basieren.
„Naturbeherrschung meint dabei keineswegs unterschiedslos jede Form der Aneignung der Natur (dann wäre gesellschaftliche Entwicklung ohne Naturbeherrschung gar nicht denkbar), sondern eine solche, die Natur völlig ihren Zwecksetzungen unterwirft und jeglichen Eigensinn, jede Nichtidentität der Natur ignoriert.“
I. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Problematik der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und den Aufstieg der Agrartreibstoffindustrie dar, wobei das Erkenntnisinteresse auf der sozial-ökologischen Kritik liegt.
II. Theoretischer Hintergrund: Die Wissenschaft der Sozialen Ökologie: Dieses Kapitel etabliert den theoretischen Rahmen der gesellschaftlichen Naturverhältnisse, der als Analysewerkzeug für die Arbeit dient.
III. Agrartreibstoffe in Brasilien: Hier wird die historische Entwicklung der brasilianischen Programme ProÁlcool und des nationalen Biodieselprogramms (PNPB) nachgezeichnet.
IV. Sozial-ökologische Folgen der Agrartreibstoffproduktion in Brasilien: Dieser Hauptteil analysiert konkret die sozialen und ökologischen Auswirkungen, wie Arbeitsbedingungen, Landnutzungskonflikte und die Klimabilanz der Produktion.
V. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Agrartreibstoffproduktion die Krise der Naturverhältnisse durch eine fortdauernde, rein ökonomisch getriebene Naturbeherrschung verschärft.
Agrartreibstoffe, Brasilien, Soziale Ökologie, Gesellschaftliche Naturverhältnisse, Nichtidentität, Naturbeherrschung, Postfordismus, Ethanol, Biodiesel, Arbeitsbedingungen, Landkonflikte, Biodiversität, Klimabilanz, Nachhaltigkeit, Kapitalismus.
Die Arbeit untersucht kritisch die sozial-ökologischen Folgen der Agrartreibstoffproduktion in Brasilien und deren Auswirkungen auf das Verhältnis von Gesellschaft und Natur.
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretischen Grundlagen der Sozialen Ökologie, die historische Entwicklung der brasilianischen Agrarkraftstoffprogramme sowie soziale und ökologische Auswirkungen wie Arbeitsbedingungen und Biodiversitätsverlust.
Das Ziel ist es zu analysieren, ob die Expansion von Agrartreibstoffen eine nachhaltige Entwicklung darstellt oder ob sie lediglich bestehende kapitalistische Herrschaftsstrukturen und die damit verbundene Naturbeherrschung fortsetzt.
Die Arbeit nutzt als theoretischen Bezugsrahmen das Konzept der gesellschaftlichen Naturverhältnisse, um eine qualitative sozialwissenschaftliche Analyse der Agrartreibstoffindustrie in Brasilien durchzuführen.
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Herleitung die historischen Ethanol- und Biodieselprogramme Brasiliens dargestellt und anschließend detailliert deren sozio-ökologische Auswirkungen auf Bevölkerung und Umwelt geprüft.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Soziale Ökologie, gesellschaftliche Naturverhältnisse, Naturbeherrschung, Nichtidentität, Agrartreibstoffe, Brasilien, Plantagenwirtschaft und Nachhaltigkeit.
Der Begriff dient dazu, den Eigensinn der Natur zu beschreiben, der sich der vollständigen gesellschaftlichen Instrumentalisierung widersetzt; seine Ignoranz führt laut Adorno und Görg zu ökologischen Krisen.
Es dient dazu aufzuzeigen, wie staatlich geförderte soziale Ziele (wie das "Sozialsiegel") in der Praxis mit den ökonomischen Realitäten der Plantagenwirtschaft kollidieren.
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