Magisterarbeit, 2012
66 Seiten, Note: 4
Einführung
Kapitel I
Inzestproblematik. Eine Einführung
1.1.Tabubegriff
1.2.Die Bedeutung des Inzestproblems
1.3.Inzesttheorien nach Claude Lévi Strauss, Sigmund Freud und Bronisław Malinowski
1.3.1.Claude Lévi Strauss und Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft
1.3.2.Das Geschlechtslebender Wilden in Nord-West-Melanesien von Bronisław Malinowski
1.3.3.Sigmund Freuds Totem und Tabu
1.4.Ödipus – Mythos und Inzest
1.5.Der Ödipus-Komplex nach Freud
Kapitel II
Die Problematik des Inzests im Roman Homo Faber von Max Frisch
2.1.Walter Faber – die Darstellung der Hauptfigur
2.2.Fabers Verhältnis zu Männern
2.3.Fabers Verhältnis zu Frauen
2.4.Inzestuöse Beziehung Fabers zu Sabeth
2.5.Anspielungen auf die griechische Mythologie
2.6.Fazit
Kapitel III
Die Problematik der inzestuösen Beziehungen im Werk Der Erwählte von Thomas Mann
3.1. Der Begriff der Sünde
3.2. Der erste Inzest
3.3. Der zweite Inzest
3.4. Die Sünde des Gregorius
3.5. Die Sünde der Mutter
3.6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und psychologische sowie moralische Bedeutung von Inzest in der deutschsprachigen Literatur, analysiert anhand der Romane Homo Faber von Max Frisch und Der Erwählte von Thomas Mann. Dabei wird erforscht, welche Motive und Ursachen zu inzestuösen Beziehungen führen und wie die Autoren das klassische Ödipus-Motiv im jeweiligen literarischen Kontext neu interpretieren.
2.4.Inzestuöse Beziehung Fabers zu Sabeth
Elisabeth ist die Tochter von Hanna und Walter. Mit Walter trafen sich auf dem Schiff, während Sabeths Rückreise zu ihrer Mutter, ohne es zu wissen, dass sie verwandtschaftlich sind. Elisabeth war ein zwanzig Jahre alt, hat ein Semester in Yale, in Amerika studiert und möchte auf dem Weg noch Station in Paris und Rom machen. Das Mädchen beginnt das Gespräch und lässt sie sich von Faber durch die Maschinenräume des Schiffs führen. Sie findet ihn und seine Darlegungen komisch. Besonders mitfühlend ist sie Faber gegenüber. Unter dem Panzer, den Walter Faber sich zugelegt hat, werden die untergründigen Wünsche und Bedürfnisse erkennbar, die er lange verdrängte. Sie gibt ihm den Rat, dass er heiraten soll und ist so überrascht, als er ihr einen Heiratsantrag macht. Von ihrer Antwort wird abhängigen, was in der Zukunft geschieht und mehr noch, inwieweit seine Vergangenheit eingeholt wird.
Dieser Antrag steht in Gegensatz zu allen Grundsätzen, die Faber vertreten hat, auch zu Erfahrungen mit Ivy. Aber was war eine Ursache dieses Schritts? Vielleicht nicht Sabeths Jugendlichkeit oder Aussehen. Walter Faber sprach mit dem fremden Mädchen Sabeth und sah Hanna. Sie haben sich zwar nicht verheiratet aber die Reise durch Frankreich, Italien und Griechenland gemacht. Auf der Reise durch Frankreich merkt er das Mädchen, das ich bisher für ein Kind hielt, in mich verliebt war. Max Frisch stellt dem Leser die Tragik dessen, was kommen wird, ganz deutlich dar.
Auf dem Schiff, in die Gestalt des Mädchens Sabeth, erreicht Walter Faber sein Schicksal. Nach Sybille Heidenreich: Hätte er sich nicht interessiert, er hätte sie nicht weiter kennenlernen müssen. Er kann keinem Zufall das Schicksal geben, sondern nur sich selbst. Der Zufall ist nach der Autorin, dass Sabeths Pferdeschwanz immer vor Fabers Gesicht baumelt. Es fehlt Walter ihre Jugend auf, die im Gegensatz zu allen anderen Passagieren steht. Aus Zeitvertrieb versucht er sein Gesicht zu erraten.
Kapitel I: Dieses Kapitel führt in die theoretischen Grundlagen des Tabubegriffs und der Inzestproblematik ein, gestützt auf die Analysen von Lévi-Strauss, Freud und Malinowski, und beleuchtet das Ödipus-Motiv.
Kapitel II: Die Untersuchung konzentriert sich auf Max Frischs Homo Faber, wobei die Hauptfigur Walter Faber als Techniker charakterisiert und seine inzestuöse Beziehung zu seiner Tochter Sabeth analysiert wird.
Kapitel III: Hier wird Thomas Manns Der Erwählte untersucht, insbesondere die Humanisierung der Gregorius-Legende und die Frage von Sünde, Schuld und göttlicher Gnade bei inzestuösen Verhältnissen.
Inzest, Tabu, Homo Faber, Der Erwählte, Ödipus-Komplex, Max Frisch, Thomas Mann, Literaturanalyse, Blutschande, Identität, Psychologie, Mythologie, Sünde, Gnade, Identitätsfindung.
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv des Inzests in den Romanen Homo Faber von Max Frisch und Der Erwählte von Thomas Mann.
Die zentralen Themen sind das Inzesttabu, der Ödipus-Mythos, die Darstellung der Protagonisten als Suchende nach Identität sowie der Kontrast zwischen schicksalhafter Zerstörung und religiöser Vergebung.
Das Ziel ist es, die Motive und Ursachen für inzestuöse Beziehungen in diesen beiden Werken zu ergründen und aufzuzeigen, wie das Inzesttabu durch Frisch und Mann literarisch neu bearbeitet wird.
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse sowie psychologische und kulturwissenschaftliche Ansätze, insbesondere Theorien von Freud und Lévi-Strauss.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen erarbeitet, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Romanfiguren Walter Faber und Gregorius sowie deren jeweiligem Umgang mit der Inzestproblematik.
Die wichtigsten Schlagworte sind Inzest, Tabu, Identität, Ödipus-Mythos, Sünde, Gnade und psychologische Rollenbilder.
Während Frisch den Inzest als zerstörerische, tragische Konsequenz einer fehlgeleiteten Weltsicht (Technikglaube) darstellt, nutzt Mann den Stoff, um Themen wie Sünde, Reue und die Erlangung göttlicher Gnade zu verhandeln.
Beide Autoren greifen auf das Ödipus-Motiv zurück, variieren es jedoch: Während bei Frisch der Vatermord wegfällt, ersetzt Mann diesen durch einen Doppelinzest, um die Problematik zu humanisieren.
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