Masterarbeit, 2012
95 Seiten
1 Einleitung
1.1 Das Demokratiebarometer und die Demokratiequalität
1.2 Die Struktur der Arbeit
2 Der Wandel der Demokratiequalität in Ungarn
2.1 Das politische System Ungarns
2.2 Ökonomische Faktoren und ihr Einfluss auf den politischen Wandel
2.3 Die Parlamentswahl 2010 und ihre Folgen für das politische System
3 Das Demokratiebarometer und die Messung von Demokratiequalität
3.1 Idee und Konzept des Demokratiebarometers
3.2 Vor- und Nachteile im Vergleich zu anderen Demokratieindizes
3.3 Die Entwicklung der Demokratiequalität innerhalb eines Landes
4 Ergebnisse und Analyse der Verlängerung des Demokratiebarometers
4.1 Die Indikatoren und der Wandel der ungarischen Demokratiequalität
4.2 Ursachen für das Scheitern des Demokratiebarometers
5 Vergleich zwischen Demokratiebarometer und Experteneinschätzungen
5.1 Die Entwicklung der ungarischen Demokratie aus Sicht von Experten
5.2 Der Wandel der ungarischen Demokratiequalität im Vergleich
5.3 Weitere institutionelle Faktoren und der Demokratiewandel
6 Fazit und Ausblick
Anhang
Verlängerung der Indikatoren des Demokratiebarometers für Ungarn
Unstandardisierte Daten
(1) Freiheit
(2) Kontrolle
(3) Gleichheit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Eignung des Demokratiebarometers zur Messung von Veränderungen der Demokratiequalität in einem spezifischen nationalen Kontext. Im Fokus steht die Forschungsfrage, ob der Index in der Lage ist, den Wandel der demokratischen Verhältnisse in Ungarn nach dem Regierungswechsel 2010 abzubilden, und wie sich die Ergebnisse dieser Messung im Vergleich zu qualitativen Experteneinschätzungen darstellen.
1.1 Das Demokratiebarometer und die Demokratiequalität
Die Demokratiemessung ist fester Bestandteil der vergleichenden Politikwissenschaft, wobei ein Großteil der empirischen Demokratieforschung die demokratische Qualität politischer Systeme analysiert (Abromeit 2004; Bollen 1980; Bühlmann/Merkel/Weßels 2008; Bühlmann u.a. 2008; Collier/Levitsky 2009; Fuchs 2004; Fuchs/Roller 2008; Lauth 2004; Lijphart 1999 (Kap. 16); Munck/Verkuilen 2002; Müller/Pickel 2007; Stoiber 2008). Es wird versucht zu klären, ob ein Land eine Demokratie ist oder nicht und ob ein politisches System demokratischer im Vergleich zu einem anderen ist (vgl. Hüller/Deters 2011: 202). Prinzipiell lassen sich demokratische Systeme einerseits nach verschiedenen Demokratietypen (Gerring and Thacker 2008; Lijphart 1999; McGann 2006; Powell 2000) differenzieren, wobei die unterschiedlichen Merkmale auf ihrer eigenen Demokratiepraxis basieren, und anderseits variieren sie hinsichtlich ihrer Demokratiequalität, wohingegen ihr Demokratiegehalt an bestimmten Maßstäben gemessen werden soll (vgl. Kaina 2008: 519).
Ein generelles Problem der vergleichenden Demokratieforschung besteht darin, dass es kein grundlegendes sowie überzeugendes normatives Demokratiekonzept gibt (Bühlmann et al. 2008; Hüller/Deters 2011; Kaina 2008). Damit die demokratische Qualität politischer Systeme festgestellt werden kann, ist es notwendig, dass das verwendete normative Demokratiekonzept sich gegen andere behaupten kann (vgl. Hüller/Deters 2011: 204). Diese essentielle Voraussetzung wird jedoch durch den normativen Pluralismus erschwert, weil es sich bei vielen normativen Ansätzen um umstrittene Konzepte (Gallie 1956) handelt, welche aus nachvollziehbaren Gründen auf verschiedene Art und Weise interpretierbar sind (ebd.: 204). Daher sind in der vergleichenden Demokratieforschung viele verschiedene, teilweise gegensätzliche normative Konzepte vorhanden, worauf wiederum verschiedene, teilweise unvereinbare Institutionalisierungsformen sowie Indikatorensysteme der empirischen Forschung folgen (Cunnigham 2002; Schmidt 2006, Hüller/Deters 2011).
Bei der Konzeptbestimmung von Demokratie ist insbesondere der angemessene Umgang mit der normativen Komplexität von Demokratie entscheidend (vgl. Hüller/Deters 2011: 205). Hierbei können einfache von mehrdimensionalen oder komplexen Bewertungsmaßstäben unterschieden werden (ebd.: 205). Während die meisten bislang veröffentlichten Messindizes an das Polyarchy-Konzept von Dahl (1971) anknüpfen und auf mehrdimensionalen Konzepten basieren (Coppedge/Alvarez/Maldonato 2008), erkennen wenige andere die Möglichkeit für Tradeoffs zwischen den Grundwerten Freiheit und Gleichheit (Bühlmann et al. 2008 und 2011; Ganghof/Stecker 2009).
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die wissenschaftliche Debatte zur Demokratiemessung ein, formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Eignung des Demokratiebarometers für das Fallbeispiel Ungarn und stellt die zentralen Hypothesen auf.
2 Der Wandel der Demokratiequalität in Ungarn: Dieses Kapitel erläutert das ungarische politische System, ökonomische Einflussfaktoren und die tiefgreifenden politischen Veränderungen seit der Parlamentswahl 2010.
3 Das Demokratiebarometer und die Messung von Demokratiequalität: Hier erfolgt eine theoretische Analyse des Demokratiebarometers, inklusive seines Konzepts sowie einer Abwägung von Stärken und Schwächen gegenüber anderen Indizes.
4 Ergebnisse und Analyse der Verlängerung des Demokratiebarometers: Dieses Kapitel präsentiert die empirischen Daten zur Verlängerung der Indikatoren und analysiert, warum das Barometer den Demokratiewandel in Ungarn nur unzureichend erfassen kann.
5 Vergleich zwischen Demokratiebarometer und Experteneinschätzungen: Der Vergleich zwischen den empirischen Daten des Index und der qualitativen Einschätzung von Experten verdeutlicht die Diskrepanz zwischen beiden Analysemethoden.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die aufgestellten Hypothesen und diskutiert die methodischen Implikationen für die zukünftige Demokratieforschung.
Demokratiequalität, Demokratiebarometer, Ungarn, Parlamentswahl 2010, Politikwissenschaft, Verfassungsänderung, Fidesz, Institutionelle Machtbeschränkung, Demokratiemessung, Rechtsstaatlichkeit, Politikwandel, Experteneinschätzung, Politische Systeme, Gewaltenteilung, Regierungswechsel.
Die Arbeit untersucht, wie präzise das „Demokratiebarometer“ als wissenschaftliches Messinstrument in der Lage ist, Veränderungen der Demokratiequalität innerhalb eines spezifischen Landes – am Beispiel Ungarns – abzubilden.
Die zentralen Felder umfassen die vergleichende Demokratieforschung, die Operationalisierung von Demokratieindizes, das politische System Ungarns sowie die Auswirkungen des Regierungswechsels 2010 auf demokratische Institutionen.
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern das Demokratiebarometer geeignet ist, den Wandel der Demokratiequalität in einem bestimmten Land zu erfassen, wobei Ungarn als Testfall dient.
Die Autorin verwendet eine Kombination aus einer theoretischen Analyse des Messindex, einer empirischen Verlängerung der Indikatoren für den Zeitraum 2008-2012 sowie einem Vergleich dieser Daten mit qualitativen Expertenanalysen.
Der Hauptteil beinhaltet die theoretische Einordnung des Messindex, die detaillierte empirische Überprüfung der Indikatoren anhand ungarischer Daten und die Gegenüberstellung dieser Ergebnisse mit Expertenurteilen zur Lage der ungarischen Demokratie.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Demokratiequalität, Demokratiebarometer, Ungarn, institutionelle Machtbeschränkung, Regierungswechsel 2010 und Rechtsstaatlichkeit.
Ungarn wird gewählt, da sich nach den Parlamentswahlen 2010 massive Veränderungen im politischen System und der Verfassungsstruktur vollzogen haben, die eine klare Veränderung der demokratischen Verhältnisse nahelegen und somit einen idealen Testfall für die Sensitivität des Demokratiebarometers darstellen.
Die Analyse zeigt eine deutliche Divergenz: Während das Demokratiebarometer die Verschlechterung der ungarischen Demokratiequalität aufgrund seiner methodischen Ausgestaltung und der Auswahl der Indikatoren kaum erfassen kann, dokumentieren die Expertenmeinungen einhellig eine negative Beeinflussung der demokratischen Qualität durch die Regierung Orbán.
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