Magisterarbeit, 2010
82 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1 Forschungsstand
1.2 Identität und Gemeinschaft
2. Entwicklungen der KJL in der DDR
2.1 Literatur ab 1945 bis in die fünfziger Jahre
2.2 Die sechziger Jahre
2.3 Die siebziger und achtziger Jahre
3. Stellung der KJL in der DDR- Staatlicher Anspruch und politische Einflussnahme
3.1 KJL als Bildungsmedium
3.2 Ideologischer Anspruch
3.3 Ästhetischer Anspruch
3.4 Zensur
4. Suche nach Gemeinschaft und neuer Identität - Flucht und Neuorientierung in Alfred Wellms „Pugowitza oder Die silberne Schlüsseluhr“
4.1 Alfred Wellm
4.2 Erzählsituation und Figur-Handlungs-Modell
4.3 Personen
4.3.1 Heinrich Habermann
4.3.2 Komarek
4.3.3 Otwin
4.3.4 Russische Soldaten, Frau Kirsch und der Spanier
4.4 Motive der Identitätssuche
4.5 Ästhetische Darstellungsmittel
4.6 Intertextuelle Bezüge
4.7 Kritik an der Gesellschaft und den politischen Zuständen
4.8 Neue Identität und neue Gemeinschaft nach dem Krieg
5. Ausbruch aus der Gemeinschaft und Suche nach eigener Identität in Uwe Kants „Reise von Neukuckow nach Nowosibirsk“
5.1 Uwe Kant
5.2 Erzählsituation und Figur-Handlungs-Modell
5.3 Personen
5.3.1 Trainer, Eltern, Lehrer
5.3.2 Jürgen Rogge
5.3.3 Lüttjohann
5.4 Intertextuelle Bezüge
5.5 Motive der Identitätssuche
5.6 Ästhetische Darstellungsmittel
5.7 Kritik an der Gesellschaft und den politischen Zuständen
5.8 Identitätsbildung und Rückkehr in die Gemeinschaft
6. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Suche nach Identität und Gemeinschaft in der Kinder- und Jugendliteratur (KJL) der DDR. Dabei wird analysiert, inwieweit die Literatur den ideologischen Anforderungen der SED entsprach oder eigenständige, kritische Tendenzen entwickelte.
4.3.1 Heinrich Habermann
Der zwölfjährige Heinrich Habermann ist ganz allein auf der Flucht vor der näher rückenden Front. Sein Vater, ein Schmied, ist im Krieg gefallen und seine Mutter später auf der Flucht an Typhus gestorben. Heinrich bleibt allein in der der Stadt, in der seine Mutter im Krankenhaus verstorben ist, zurück.
„Er dachte nun darüber nach, dass er seit neun Tagen keinen Menschen mehr getroffen hatte, den er kannte, und er fühlte sich darüber einsam. Er musste sich auch eingestehen, dass es keinen Menschen gab, auf der er wartete. Und die Stadt war ihm ganz fremd. Aber es fiel ihm sehr schwer, sie zu verlassen.“
Hier sieht der den durchkommenden Treck von Komarek und beschließt, sich ihm anzuschließen. Der heimatlose Junge sehnt sich nach Gemeinschaft und findet sie in dem ebenfalls entwurzelten Komarek und den Frauen im Treck.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie Identität und Gemeinschaft in der KJL der DDR dargestellt wurden und welches Verhältnis zwischen Literatur und staatlicher Erziehung bestand.
2. Entwicklungen der KJL in der DDR: Ein chronologischer Überblick über die verschiedenen Jahrzehnte und ihre stilistischen sowie inhaltlichen Schwerpunkte innerhalb der Kinder- und Jugendliteratur.
3. Stellung der KJL in der DDR- Staatlicher Anspruch und politische Einflussnahme: Dieses Kapitel beleuchtet das Spannungsfeld zwischen bildungspolitischen Vorgaben, Zensurmaßnahmen und der tatsächlichen literarischen Produktion.
4. Suche nach Gemeinschaft und neuer Identität - Flucht und Neuorientierung in Alfred Wellms „Pugowitza oder Die silberne Schlüsseluhr“: Eine detaillierte Analyse der Figuren, Motive und intertextuellen Bezüge in Wellms Roman vor dem Hintergrund der Nachkriegszeit.
5. Ausbruch aus der Gemeinschaft und Suche nach eigener Identität in Uwe Kants „Reise von Neukuckow nach Nowosibirsk“: Untersuchung der Identitätsbildung und Reiseerfahrungen des Protagonisten Jürgen Rogge im Kontext seiner persönlichen und gesellschaftlichen Ablösungsprozesse.
6. Resümee: Eine abschließende Synthese der Ergebnisse, die bestätigt, dass die untersuchten Werke trotz politischer Rahmenbedingungen eine hohe ästhetische Qualität und kritische Relevanz aufweisen.
Kinder- und Jugendliteratur, KJL, DDR, Identität, Gemeinschaft, Sozialisation, Identitätsbildung, Uwe Kant, Alfred Wellm, Zensur, Literaturwissenschaft, Nachkriegszeit, Sozialistischer Realismus, Reiseliteratur, Adoleszenz
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Identitätsfindung und Gemeinschaft in ausgewählten Werken der DDR-Kinder- und Jugendliteratur.
Im Zentrum stehen die ideologischen Anforderungen der SED an die Literatur, die Möglichkeiten künstlerischer Kritik sowie die Entwicklung der Protagonisten von Kindern zu eigenständigen Individuen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass KJL in der DDR keineswegs nur einseitige "sozialistische Berieselung" war, sondern Raum für ästhetische Qualität und gesellschaftliche Reflexion bot.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Erzähltechniken, Figurenmodelle und intertextuelle Vergleiche (insbesondere zu Bertolt Brecht und Theodor Storm) anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung der KJL-Entwicklung, eine Analyse der Zensurmechanismen sowie eine tiefgehende Untersuchung der Romane von Alfred Wellm und Uwe Kant.
Identität, Gemeinschaft, Sozialisation, literarische Freiheit, DDR-Kulturpolitik und Selbstverwirklichung.
Sie fungiert als zentrales Symbol für den Wandel und die Übergabe von Verantwortung, das den Protagonisten Heinrich auf seinem Weg zur Identitätsfindung begleitet.
Lüttjohann wird als eine Art Mentor charakterisiert, der dem Protagonisten durch die Vermittlung von Literatur (Storms Schimmelreiter) hilft, gesellschaftliche Zusammenhänge und eigene Lebensmöglichkeiten zu erkennen.
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