Seminararbeit, 2011
22 Seiten, Note: 2,0
1. Textkritik
2. Formale Analyse
2.1 „Sitz im Buch“ und Kontextanalyse
2.2 Gliederung des Textes
3. Literarkritik
3.1 Literarische Uneinheitlichkeit des Textes
3.2 Literargeschichtliche Interpretation
4. Analyse des Grundtextes
4.1 Formmerkmale des Textes
4.2 Gattungsgeschichte
4.2.1 Analyse der Gattungsmerkmale
4.2.2 Die Sagenart und ihr "Sitz im Leben"
4.3. Formgeschichtlicher Vergleich
4.4 Motiv- und Begriffsgeschichte
4.4.1 Das "Wasser"-Motiv
4.4.2 Das "Verbergen"-Motiv
4.4.3 Der „Hebräer“ - Begriff
5. Redaktionsgeschichte
6. Gesamtinterpretation
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, eine wissenschaftliche Exegese des Textes Exodus 2,1-10 (Die Geburt des Mose) durchzuführen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei sowohl die literarische Beschaffenheit des Textes als auch dessen redaktionelle Erweiterungen, um die Entstehung und theologische Bedeutung der Geburtsgeschichte im Kontext des gesamten Buches Exodus zu verstehen.
4.4.1 Das "Wasser"-Motiv
Als erstes ist das "Wasser"-Motiv zu nennen. מים findet sich in allen natürlichen Bereichen und ist unter anderem im Meer (ים), in Flüssen (נהר) und in Brunnen (באר) vorhanden. Sie alle haben ihren Ursprung im Urozean (תהום) und haben dadurch einen mythologischen Aspekt inne. Eine weitere Geschichte, in der Wasser eine zentrale Rolle spielt, ist die ebenso sagenhafte Erzählung vom Durchzug der Israeliten durch das Schilfmeer (Ex 14). Dabei wird JHWHs Macht über die Naturgewalten und seine besondere Beziehung zu seinem erwählten Volk verherrlicht. Weil JHWH eben diese Macht über das Wasser hat, kann er damit auch alles machen. So ist es auch seine Entscheidung, dass sich in Ex 7 die Schleusen des Himmels öffnen und damit eine Sintflut ausgelöst wird. Des Weiteren spielt das Wasser auch in den Schöpfungserzählungen eine wichtige Rolle. Es ist seine Selbstverständlichkeit, welches es von den anderen Schöpfungen deutlich hervorheben lässt, denn es musste nicht erst geschaffen werden, sondern war schon von Anfang an vorhanden. Von den eben genannten Wassern ist der Fluss Nil (יאר) für die dort lebenden Völker der Bedeutendste.
Man kennt seinen großen Einfluss für die Fruchtbarkeit des Landes und ist sich somit auch den verheerenden Folgen von Wassermangel im Klaren. Wasser wird im Alten Testament unterschiedlich konnotiert: Einerseits wird es sowohl als lebenspendendes Element, als Grundlage jedes Lebens angesehen, aber auch als zerstörerische, todbringende Kraft. Diese beiden unterschiedlichen Charakteristiken verbinden sich in Moses Rettungsgeschichte, da Mose zu Beginn in die gefährlichen Fluten des Nils gesetzt wird, aber später doch noch aus ihnen errettet wird. Das wiederum stimmt mit den Metaphern überein, in denen Gott als Quelle des Lebens bezeichnet wird und Leben spendet: Gott spendet dort Segen und Leben, wo es am meisten gefährdet ist. Durch diese Geschichte wird die zentrale Bedeutung des Nils nicht nur für das Leben der Ägypter, sondern auch für das der Israeliten aufgezeigt.
1. Textkritik: Untersuchung der textkritischen Angaben der BHS für Exodus 2,1-10, die zeigt, dass keine Abweichungen des masoretischen Textes notwendig sind.
2. Formale Analyse: Beschreibung der Einbettung der Perikope in den Kontext des Exodus-Buches sowie eine Gliederung des Textes in narrative Abschnitte.
3. Literarkritik: Analyse der stilistischen Spannungen und der literarischen Uneinheitlichkeit, die auf eine redaktionelle Schichtung des Textes hindeutet.
4. Analyse des Grundtextes: Untersuchung der ursprünglichen Erzählung hinsichtlich ihrer Formmerkmale, Gattung (Sage) und ihrer Motive.
5. Redaktionsgeschichte: Erörterung der Gründe und Funktionen der späteren Zusätze, insbesondere des Schwesternzusatzes, für die theologische Gesamtaussage.
6. Gesamtinterpretation: Synthese der Ergebnisse, die Mose als erwählten Retter und die Bedeutung des Gottesvertrauens im familiären Kreis hervorhebt.
Exodus, Mose, Geburt, Exegese, Altes Testament, Sage, Ätiologie, Nil, Sargon-Legende, Redaktion, Hebräer, Adoption, Wasser-Motiv, Verbergen-Motiv, Gottesvertrauen.
Die Arbeit bietet eine exegetische Analyse der Geburtsgeschichte des Mose in Exodus 2,1-10 und untersucht deren literarische Entstehung sowie ihre theologischen Funktionen.
Zu den Schwerpunkten zählen die literarische Uneinheitlichkeit des Textes, die gattungskritische Einordnung als Sage sowie die Analyse zentraler Motive wie Wasser und Verbergen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine redaktionelle Erweiterung der ursprünglichen Wundererzählung ein tieferes theologisches Verständnis der Rettung Moses und seiner Rolle als Befreier Israels erreicht wurde.
Es wird eine historisch-kritische Exegese angewandt, inklusive textkritischer, literarkritischer und formgeschichtlicher Methoden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte formale Analyse, die Untersuchung literarischer Brüche, den Vergleich mit außerbiblischen Sagen und eine fundierte Motivgeschichte.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Exegese, Hebräer-Begriff, Sagenart, Redaktionsgeschichte und der Kontext der ägyptischen Unterdrückung.
Die Sargon-Legende dient als wichtiges Vergleichsbeispiel für die Erzählstruktur der Aussetzung und Rettung eines Kindes, um die Einzigartigkeit der Mose-Erzählung zu untermauern.
Die Arbeit verdeutlicht, dass die namentliche Nennung in der Perikope zweitrangig gegenüber der ethnologischen Identifikation als Levi-Nachkomme ist; die Genealogie folgt erst später als strukturierendes Element wichtiger biblischer Persönlichkeiten.
Der Zusatz (Verse 4, 7-10b) ermöglicht es dem Redaktor, die Familie des Mose stärker in die Rettungsgeschichte einzubinden und so eine Familiensage zu schaffen, die von Vertrauen auf Gott zeugt.
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