Masterarbeit, 2011
90 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
II. Rassismusforschung: Ansätze und Definitionen
1 Die psychologische Sichtweise: Rassismus als Vorurteil
2 Rassistisches Wissen – Rassismus als Diskurs
3 Struktureller und institutioneller Rassismus
4 Rassismus: biologistisch, kulturalistisch, alltäglich
5 Definitionen
6 Zum Rassismusbegriff in Deutschland
III. Pädagogische Konzepte zum Umgang mit Heterogenität und Rassismus
1 Ausländerpädagogik
2 Interkulturelle Bildung
3 Antirassistische Bildung
4 Rassismuskritische Bildung
5 Zusammenfassung
IV. Rassismus und Schule: Ein kritischer Blick auf die schulische Praxis
1 Schule im Spannungsfeld von Funktionszuschreibungen, Bildungsauftrag und Heterogenität
2 Blickpunkt: Schule als Institution
2.1 Institutionelle Diskriminierung
2.2 Heimlicher Lehrplan
2.3 Schulentwicklung als Chance und Gefahr
3 Blickpunkt: Inhalte
3.1 Lehrpläne
3.2 Schulbücher
3.3 Schlussfolgerungen
4 Blickpunkt: Pädagogisches Denken und Handeln
V. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Bildungsauftrag der Schule zu Gleichheit und Freiheit einerseits und der faktischen Reproduktion von Rassismus innerhalb der schulischen Institution andererseits. Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Ansätze der Rassismusforschung für die schulische Praxis zu erschließen, Schwachstellen gängiger pädagogischer Konzepte aufzudecken und Wege für eine rassismuskritische Schulentwicklung aufzuzeigen.
3 Struktureller und institutioneller Rassismus
Rassistische Denkweisen finden ihre Entsprechung in gesellschaftlichen Strukturen, indem „Menschen aufgrund ihrer (angeblichen oder tatsächlichen) Zugehörigkeit zu einer ‚anderen‘ Gruppe Ressourcen verweigert [werden]“ (MARKOM/WEINHÄUPL 2007, S. 113). Ein solcher Rassismus zeigt sich beispielsweise durch entsprechende Diskriminierung bzw. Benachteiligung im Rechts-, Bildungs- und Gesundheitssystem sowie in der Arbeitswelt. Die dortigen rassistischen Praxen sind in der Regel als formale Rechte, etablierte Strukturen und Wertevorstellungen sowie eingeschliffene Gewohnheiten in Behörden, Betrieben und Anstalten institutionalisiert (vgl. GOMOLLA/RADTKE 2007, S. 18). Unter strukturellem Rassismus können also solche Ausgrenzungsmechanismen verstanden werden, die im Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen System mitsamt seinen Rechtsvorstellungen und seinen politischen und ökonomischen Strukturen stehen (vgl. ROMMELSPACHER 2009, S. 30). Struktureller Rassismus schließt den im Folgenden stellvertretend näher zu betrachtenden institutionellen Rassismus daher mit ein.
Der Begriff des institutionellen Rassismus wurde 1967 durch die Black Power Aktivisten Carmichael und Hamilton geprägt. Mit Etablierung dieses Konzepts „erfuhr das wissenschaftlich überholte sozialpsychologisch orientierte Vorurteilskonzept eine sozialwissenschaftlich-soziologische Erweiterung“ (LÜDDECKE 2003, S. 20). Anders als in den so genannten klassischen Einwanderungsländern wie die USA und Großbritannien fand diese Forschungsperspektive jedoch erst in jüngerer Zeit Eingang in die wissenschaftliche Diskussion der BRD (vgl. GOMOLLA/RADTKE 2007, S. 13). Das Analyseinstrument des institutionellen Rassismus bietet dabei den Vorteil, dass einzelne Personen mit Blick auf gesellschaftlich verankertes rassistisches Wissen nicht allein für ihre Einstellungen und Praktiken verantwortlich gemacht, aber zugleich auch nicht aus ihre Verantwortung entlassen werden (vgl. QUEHL 2002, S. 195). Es geht darum, „sowohl die Institution und ihre diskriminierenden Mechanismen als auch die Einzelnen, die dort tätig sind, und ihr Handeln zu thematisieren und diese Aspekte zueinander in Bezug zu setzen“ (QUEHL 2002, S. 174f. Hervorh. im. Orig.).
I. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Problematik von Rassismus in einer demokratischen Gesellschaft und stellt die Forschungsfrage der Arbeit zur Bedeutung rassismuskritischer Ansätze in der Schule vor.
II. Rassismusforschung: Ansätze und Definitionen: Dieses Kapitel erläutert verschiedene wissenschaftliche Analyseebenen von Rassismus, von der psychologischen Vorurteilsforschung bis hin zum diskursiven und strukturellen Verständnis.
III. Pädagogische Konzepte zum Umgang mit Heterogenität und Rassismus: Hier werden unterschiedliche pädagogische Ansätze wie Ausländerpädagogik, interkulturelle und antirassistische Bildung sowie rassismuskritische Ansätze analysiert und auf ihre Eignung zur Prävention von Rassismus geprüft.
IV. Rassismus und Schule: Ein kritischer Blick auf die schulische Praxis: Das Kapitel beleuchtet Schule als Institution, die durch heimliche Lehrpläne und institutionelle Diskriminierung Rassismen reproduzieren kann, und diskutiert Handlungsoptionen für die Praxis.
V. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer systemischen und rassismuskritischen Neuausrichtung schulischer Arbeit.
Rassismuskritik, Schule, Institutionelle Diskriminierung, Interkulturelle Bildung, Antirassistische Pädagogik, Heimlicher Lehrplan, Migrationshintergrund, Rassismusforschung, Diskursanalyse, Critical Whiteness Studies, Machtverhältnisse, Bildungsbenachteiligung, Schulentwicklung, soziale Gerechtigkeit, Alltagsrassismus
Die Arbeit analysiert, wie Rassismus in der schulischen Institution (re-)produziert wird und welche pädagogischen Ansätze geeignet sind, diesem Phänomen durch rassismuskritisches Denken und Handeln zu begegnen.
Die Themen umfassen die wissenschaftliche Rassismusforschung, verschiedene pädagogische Konzepte zum Umgang mit Heterogenität sowie eine kritische Untersuchung schulischer Strukturen, Inhalte und des professionellen pädagogischen Handelns.
Das Ziel ist es, das Missverhältnis zwischen dem bildungspolitischen Anspruch auf Gleichberechtigung und der gelebten Realität von Diskriminierung in Schulen zu erklären und Wege für eine nachhaltige rassismuskritische Praxis aufzuzeigen.
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einer umfassenden Aufarbeitung aktueller erziehungswissenschaftlicher Forschung sowie soziologischer Rassismus- und Diskursanalysen basiert.
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Definitionsansätze von Rassismus als auch spezifische pädagogische Konzepte (Ausländerpädagogik bis rassismuskritische Bildung) sowie die konkrete Ebene der Schule als diskriminierende Institution dargestellt.
Die zentralen Schlagworte sind Rassismuskritik, institutionelle Diskriminierung, Schulentwicklung, Migration und pädagogisches Handeln im Kontext von Machtverhältnissen.
Während interkulturelle Ansätze oft Gefahr laufen, den Fokus auf kulturelle Differenzen und Stereotype zu legen, zielt die rassismuskritische Bildung auf die Analyse von Machtverhältnissen, Privilegien und strukturellen Ausschlussmechanismen ab.
Der heimliche Lehrplan beschreibt unbewusste Interaktionsmuster und Rituale der Schule, die massgeblich dazu beitragen können, diskriminierende Strukturen zu verfestigen, ohne dass dies explizit im Unterricht thematisiert wird.
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