Magisterarbeit, 2007
107 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Klassische Tradition und realistischer Geist
2.1 Racine und Stendhal
2.1.1 Stendhals Racine et Shakespeare
2.1.2 Racine als „Dichter der Leidenschaften“
2.1.3 Vergleich der Leidenschaften bei Racine und Stendhal
2.2 Mme de Lafayette und Stendhal: Die Liebessemantik in La Princesse de Clèves
2.3 Stendhal und die französischen Moralisten
2.3.1 La Rochefoucauld
2.3.2 La Bruyère und Vauvenargues
2.4 Helvétius als sensualistisches Vorbild
2.5 Der Stendhalsche Realismus: Die Spiegelmetapher
2.6 Stendhals Liebesauffassung in De l’Amour
2.6.1 Die vier verschiedenen Arten der Liebe
2.6.2 Die sieben Entstehungsphasen der Liebe
2.6.3 Stendhals Theorie der cristallisation
3 Liebe und Eigenliebe im Werk Stendhals
3.1 Armance
3.1.1 Die Ohnmacht Octave de Maliverts
3.1.2 Armance de Zohiloff – Ausdruck einer noblesse d’âme
3.1.3 Die cristallisation der Hauptfiguren
3.2 Le Rouge et le Noir
3.2.1 Ein Stück Zeitgeschichte
3.2.2 Die Erscheinungsformen der Liebe – amour-passion vs. amour-propre
3.2.2.1 Der Protagonist Julien Sorel
3.2.2.2 Die Frauenfiguren Mme de Rênal und Mathilde de La Mole
3.2.3 Die cristallisation der Paare
3.3 Lucien Leuwen
3.3.1 Lucien – Selbstentfremdung im Zeitalter der Bürgermonarchie
3.3.2 Die cristallisation Luciens und Mme de Chastellers
4 Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Liebe und Eigenliebe in Stendhals Romanen Armance, Le Rouge et le Noir und Lucien Leuwen. Die Forschungsfrage widmet sich der Analyse der Wechselwirkung zwischen Leidenschaft und Selbstinteresse sowie dem Einfluss klassischer französischer Traditionen auf die Liebeskonzeption des Autors.
2.6.3 Stendhals Theorie der cristallisation
Nachdem im Vorigen schon des Öfteren der für Stendhals Liebestheorie zentrale Begriff der cristallisation gefallen ist, soll nun in diesem Kapitel geklärt werden, worum es sich bei diesem Phänomen genau handelt. Ein oft zitiertes sehr berühmtes Gleichnis, welches Stendhal in De l’Amour entwickelt, gibt Aufschluss über seine Gedanken:
Laissez travailler la tête d’un amant pendant vingt-quatre heures, et voici ce que vous trouverez : Aux mines de sel de Salzbourg, on jette, dans les profondeurs abandonnées de la mine, un rameau d’arbre effeuillée par l’hiver ; deux ou trois mois après on le retire couvert de cristallisations brillantes : les plus petites branches, celles qui ne sont pas plus grosses que la patte d’une mésange, sont garnies d’une infinité de diamants, mobile et éblouissants ; on ne peut plus reconnaître le rameau primitif. Ce que j’appelle cristallisation, c’est l’opération de l’esprit, qui tire de tout ce qui se présente le découverte que l’objet aimé a de nouvelles perfections (AM 34ff).
Die cristallisation ist demnach als ein produktives, geistiges Wirken zu verstehen, welches mit dem Wachsen von Salzkristallen an einem in die Salzburger Salinen geworfenen Ast vergleichbar ist. Dabei belegt der Liebende das von ihm geliebte Objekt mit allerlei Vorzügen, um seine Gedanken und Gefühle bestätigt zu sehen und verliert dabei jegliche Objektivität: „Vous la voulez tendre, elle est tendre ; ensuite vous la voulez fière comme l’Emilie de Corneille, et, quoique ces qualités soient probablement incompatibles, elle paraît à l’instant avec une âme romaine.“ (AM 54)
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Liebesdarstellung bei Stendhal ein und setzt sie in den Kontext der französischen Klassik sowie des Sensualismus.
2 Klassische Tradition und realistischer Geist: Dieses Kapitel erörtert die literarischen Einflüsse auf Stendhal, insbesondere Racine, Mme de Lafayette, die Moralisten und Helvétius, und analysiert deren Beitrag zu Stendhals Liebesauffassung.
3 Liebe und Eigenliebe im Werk Stendhals: Im Hauptteil wird die Anwendung der theoretischen Erkenntnisse aus De l’Amour auf die drei Romane Armance, Le Rouge et le Noir und Lucien Leuwen detailliert analysiert.
4 Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Ergebnisse und stellt fest, dass Stendhals Protagonisten komplexe Charaktere sind, deren Liebe untrennbar mit gesellschaftlichen Zwängen und Eigenliebe verbunden bleibt.
Stendhal, Liebe, Eigenliebe, Leidenschaft, cristallisation, amour-passion, amour-propre, Realismus, französische Moralisten, Racine, Mme de Lafayette, Helvétius, Psychologie, Romanfragment, Sozialkritik.
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Liebe und Eigenliebe in drei zentralen Werken von Stendhal vor dem Hintergrund seiner Liebestheorie und der philosophischen Tradition Frankreichs.
Schwerpunkte sind die Liebesauffassung, der Einfluss der Moralisten und des Sensualismus auf den Autor sowie die Entwicklung der Liebesbeziehungen in den Romanen durch den Prozess der cristallisation.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Stendhal theoretische Konzepte zur Liebe in fiktionaler Form umsetzt und wie seine Helden zwischen individuellem Glück und gesellschaftlichen Zwängen agieren.
Die Arbeit nutzt eine komparatistische und literaturwissenschaftliche Analyse, indem sie Stendhals Werk mit seinen Vorbildern sowie mit seinen eigenen theoretischen Schriften vergleicht.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Figuren in Armance, Le Rouge et le Noir und Lucien Leuwen hinsichtlich ihrer Liebesentstehung und ihres Umgangs mit der eigenen Identität.
Wichtige Begriffe sind amour-passion, amour-propre, cristallisation, Eigenliebe und das Konzept des homme supérieur.
Die Impotenz dient in Armance als ein zentrales Motiv, welches den Protagonisten Octave de Malivert von der Realisierung seiner Liebe abhält und ihn in eine tiefe Identitätskrise führt.
Während Mme de Rênal einen authentischen amour-passion verkörpert, repräsentiert Mathilde de La Mole eher einen amour de vanité, der stark von gesellschaftlichen Rollenbildern und literarischen Vorbildern geprägt ist.
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