Diplomarbeit, 2010
114 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung - Problembegegnung
2. „Gekreuzigte Söhne“ in der „heiligen Mutter Kirche“? - Zur aktuellen Notwendigkeit einer jungenorientierten Gemeindepädagogik aus wissenschaftlicher und alltagspraktischer Perspektive
2.1 Theoretisch-wissenschaftliche Fokussierung von „Gemeindepädagogik“
2.1.1 Die begrifflichen Ursprünge und die damit verbundenen Erwartungen
2.1.2 Die lebensweltorientierte „Kommunikation des Evangeliums“ als Wesen und Anspruch von Gemeindepädagogik
2.1.3 Zur Bedeutung der gemeindepädagogischen Berufsrolle
2.2 Kirchengemeinden im kritischen Blickfeld einer jungenorientierten Bedingungsanalyse
2.2.1 Analyse der gegenwärtigen geschlechtsspezifischen Verteilung der haupt- und ehrenamtlichen kirchlichen Mitarbeiterschaft
2.2.2 Analyse der in der gemeindepädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vorhandenen Arbeitsfelder und der primär eingesetzten didaktisch-methodischen Mittel
2.2.3 „Männer in Bewegung“ - auch in der Kirche? Eine exkursive kirchensoziologische Betrachtung
2.3 Zur aktuellen Notwendigkeit einer verstärkten Wahrnehmung von Jungen im gemeindepädagogischen Denken und Agieren
3. „Look at the boys“ - Männliche Kinder und Jugendliche im Fokus pädagogischer Forschung
3.1 Jungenpädagogik als eine Dimension geschlechtergerechter Pädagogik und Bildungspolitik
3.1.1 Versuch einer jungenpädagogischen Begriffsdefinition sowie Darstellung der bisherigen historischen Forschungsentwicklung
3.1.2 Anspruch und Ziel einer geschlechtergerechten Jungenpädagogik im Horizont einer gender-theoretischen Kritik
3.2 Biologische, psychologische und soziologische Erkenntnisse der Jungenforschung als Grundlage einer jungenorientierten Pädagogik
3.2.1 Evolutionstheoretische und neurobiologische Grundlagen des geschlechtstypischen Verhaltens von Jungen
3.2.1.1 Zur Bedeutung der biologisch veranlagten parentalen Investition
3.2.1.2 Aggression als eine Form männlicher Externalisierung
3.2.1.3 Zur Bedeutung hormonbiologischer Einflüsse
3.2.1.4 Provokation, Risikobereitschaft und Abendteuerlust als weitere typisch männliche Verhaltensweisen
3.2.1.5 Fazit
3.2.2 Relevante entwicklungspsychologische Aspekte hinsichtlich des Aufbaus einer positiven männlichen Geschlechtsidentität
3.2.2.1 Zur Bedeutung der Bekräftigungstheorie nach Thorndike, Watson und Skinner
3.2.2.2 Zur Bedeutung der sozialen Lerntheorie nach Bandura sowie der Identifikationstheorie nach Kasten
3.2.2.3 Zur Bedeutung der kognitiven Theorie nach Kohlberg und Piaget
3.2.2.4 Zur Bedeutung der entwicklungspsychologischen Theorie nach Erikson
3.2.2.5 Fazit
3.2.3 Gegenwärtige männliche Sozialisation als Herausforderung jungenpädagogischer Identitätsbildungsprozesse
3.2.3.1 Aktuelle sozioökonomische Rahmenbedingungen
3.2.3.2 Der familiäre Kontext
3.2.3.3 Der schulische Kontext
3.2.3.4 Der Freizeitbereich
3.2.3.5 Fazit
3.3 Zusammenschau der aus der pädagogischen Forschung resultierenden Kriterien für eine positive gemeindepädagogische Jungenarbeit
4. „Scouting for boys“ - Zur Bedeutung der (gemeindepädagogischen) Pfadfinderarbeit aus jungenpädagogischer Perspektive
4.1 Kurze begriffsdefinitorische und historische Betrachtung der Pfadfinderarbeit
4.2 Zur ganzheitlichen Persönlichkeitsbildung als pfadfinderischem Erziehungsziel
4.3 Die pfadfinderischen Erziehungsgrundsätze nach Hans Gerr im Horizont einer gemeindepädagogischen Jungenarbeit
4.3.1 Zur Bedeutung des erfahrungs- und erlebnisorientierten Lernens
4.3.2 Zur Bedeutung des Gemeinschaftsprinzips
4.3.3 Zur Bedeutung der Wert- und Normorientierung
4.4 Das bedürfnisorientierte (jungen-)pädagogische Agieren in den Altersstufen
4.4.1 Die pädagogische Arbeit in der „Wölflingsstufe“
4.4.2 Die pädagogische Arbeit in der „Sipplings- und Knappenstufe“
4.4.3 Die pädagogische Arbeit in der „Akela- und Mitarbeiterstufe“
4.5 Zur jungen- und gemeindepädagogischen Plausibilität pfadfinderischer Arbeit
4.6 Der „Ring Evangelischer Gemeindepfadfinder“ (REGP) als eine Praktizierungsplattform gemeindepädagogischer Pfadfinderarbeit
5. Resümee und gemeindepädagogisch-konzeptioneller Ausblick
Die Diplomarbeit untersucht die aktuelle Notwendigkeit einer jungenorientierten Gemeindepädagogik innerhalb der Kirchengemeinden. Das primäre Ziel ist es, die Hypothese zu verifizieren, dass Pfadfinderarbeit als eine besonders geeignete Form der Jungenarbeit fungieren kann, um männliche Kinder und Jugendliche in ihren Lebenswelten besser zu erreichen, in ihrer Identitätsbildung zu fördern und sie so gleichberechtigt in das kirchliche Gemeindeleben zu integrieren.
1. Einleitung - Problembegegnung
Längst ist es kein Geheimnis mehr: Ob im praktisch-pädagogischen Alltag, im wissenschaftlichen Diskurs, in den medialen Darstellungen oder der öffentlichen Debatte: Die Äußerungen, welche männliche Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene als „kleine Helden in Not“, „Bildungsverlierer“, oder sogar als „(…) Überforderte, Vernachlässigte, Dumme, Böse, Kranke, Verhaltensgestörte [sowie dämonenhafte] Täter und [bemitleidenswerte] Opfer“ deklarieren, häufen sich seit einigen Jahren. Insbesondere durch die internationalen Schulleistungsstudien (u. a. der PISA-Studie) sind die Diskussionen um die Lage und Situation von Jungen verstärkt in Erscheinung getreten. In verschiedenen sich hier anschließenden Untersuchungen wurde festgestellt, dass Jungen vor allem im Zuge der seit den 1968er-Jahren - unbedingt notwendig gewordenen! - gesellschaftlichen und bildungspolitischen Emanzipation der Frauen förderungstechnisch nahezu „vergessen“ wurden.
Einige der zahlreichen Faktoren, welche den aktuell notwendig gewordenen pädagogischen Nachholbedarf verstärken, seien an dieser Stelle ergänzend, jedoch aufgrund ihrer Vielseitigkeit nur kurz erwähnt: Sowohl im familiären als auch im soziologischen Rahmen sehen sich Jungen und Männer mit einer Vielzahl an undefinierten Rollenbildern und Geschlechtsstereotypen konfrontiert: „Einerseits wird ihr 'Mackerverhalten' kritisiert, (…) andererseits lösen auch Jungen, sie sich untypisch verhalten oder in Konflikten nicht zur Wehr setzen, oft besondere Besorgnis aus. Männer, die nicht den Erwartungen entsprechen, die an ihre Männlichkeit gestellt werden, gelten als 'Weicheier' - ein abwertender Begriff (…)“.
Weiterhin wird mehrfach auf die nicht zu unterschätzende Wirkung der fehlenden positiven männlichen Vorbilder und Bezugspersonen sowohl im familiären, als auch im (elementar-)pädagogischen Bereich hingewiesen.
1. Einleitung - Problembegegnung: Das Kapitel thematisiert die gesellschaftliche Debatte um Jungen als „Verlierer“ und den pädagogischen Nachholbedarf, der durch einseitige Rollenbilder und fehlende männliche Bezugspersonen in Bildungsinstitutionen und Kirchengemeinden entsteht.
2. „Gekreuzigte Söhne“ in der „heiligen Mutter Kirche“? - Zur aktuellen Notwendigkeit einer jungenorientierten Gemeindepädagogik aus wissenschaftlicher und alltagspraktischer Perspektive: Hier wird untersucht, ob die aktuelle Gemeindepädagogik eher weibliche Interessen bedient, wobei theoretische Grundlagen der Gemeindepädagogik und kirchensoziologische Daten gegenübergestellt werden.
3. „Look at the boys“ - Männliche Kinder und Jugendliche im Fokus pädagogischer Forschung: Dieses Kapitel liefert einen interdisziplinären Einblick in die Jungenforschung (Biologie, Psychologie, Soziologie), um Grundlagen für eine positive männliche Identitätsbildung zu identifizieren.
4. „Scouting for boys“ - Zur Bedeutung der (gemeindepädagogischen) Pfadfinderarbeit aus jungenpädagogischer Perspektive: Das Hauptkapitel expliziert, wie die Pfadfinderarbeit durch ihre erlebnisorientierten Methoden und Erziehungsgrundsätze den Bedürfnissen von Jungen entspricht und als Praktizierungsplattform für eine geschlechtergerechte Jugendarbeit dient.
5. Resümee und gemeindepädagogisch-konzeptioneller Ausblick: Der Autor verifiziert seine These, dass Pfadfinderarbeit ein valides Modell für die kirchliche Jungenarbeit darstellt, weist jedoch darauf hin, dass sie nur ein ergänzender Baustein innerhalb eines breiteren Angebots sein kann.
6. Anhang: Enthält kirchenrechtliche Dokumente, Umfragebögen, statistische Auswertungen, Schemata zu pädagogischen Grundsätzen sowie pfadfinderische Gesetze und Versprechen.
Gemeindepädagogik, Jungenarbeit, Pfadfinderarbeit, Identitätsbildung, Geschlechtergerechtigkeit, Jungenforschung, Erlebnispädagogik, Sozialisation, Kirchensoziologie, Ring Evangelischer Gemeindepfadfinder, REGP, Männlichkeitsbilder, Jugendleiter, Bedürfnisorientierung, Kommunikation des Evangeliums.
Die Arbeit untersucht die Relevanz einer jungenorientierten Arbeit innerhalb der evangelischen Gemeindepädagogik und prüft, ob die Pfadfinderarbeit als ein geeignetes Modell zur gezielten Förderung männlicher Kinder und Jugendlicher dienen kann.
Die Themenfelder umfassen die theoretischen Grundlagen der Gemeindepädagogik, aktuelle Probleme der männlichen Sozialisation, biologische und psychologische Aspekte der Jungenentwicklung sowie das pädagogische Konzept der Pfadfinderarbeit.
Das Ziel ist es zu verifizieren, dass Pfadfinderarbeit aufgrund ihrer Struktur und Methoden eine befreiende und identitätsstiftende Form der gemeindepädagogischen Jungenarbeit darstellt, die Jungen dort abholt, wo sie in aktuellen kirchlichen Angeboten möglicherweise unterrepräsentiert oder nicht zielgruppengerecht angesprochen werden.
Der Autor stützt sich auf eine theoretisch-wissenschaftliche Analyse, ergänzt durch eine eigene stichprobenartige Erhebung mittels eines Fragebogens bei 33 Jungen in zwei Kirchengemeinden, um praxisnahe Einblicke zu erhalten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Reflexion über Gemeindepädagogik, eine interdisziplinäre Untersuchung der Jungenforschung sowie eine ausführliche Darstellung der pfadfinderischen Arbeitsweise, ihrer Prinzipien und der Bedeutung des "Ringes Evangelischer Gemeindepfadfinder" (REGP).
Die wichtigsten Begriffe sind Gemeindepädagogik, Jungenarbeit, Pfadfinderarbeit, Identitätsbildung, Geschlechtergerechtigkeit, Jungenforschung und erlebnispädagogische Lernprozesse.
Die Arbeit stellt eine deutliche Unterpräsenz männlicher Mitarbeiter in der ehren- und hauptamtlichen kirchlichen Arbeit fest. Der Autor betont, dass männliche Bezugspersonen für eine positive, orientierungsgebende Identitätsbildung von Jungen jedoch von zentraler Bedeutung sind.
Der Autor sieht im REGP eine wichtige Praktizierungsplattform für die kirchliche Pfadfinderarbeit, da dieser Verband die professionelle pädagogische Arbeit mit den Werten der evangelischen Kirchengemeinde verbindet und somit ein verlässliches, qualitatives Angebot für Jungen schafft.
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