Examensarbeit, 2009
66 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Pop-Literatur als Neuauflage der Neuen Sachlichkeit
2.1 Die Neue Sachlichkeit im Kontext der "Goldenen Zwanziger": Reaktion auf eine zerrissene Gesellschaft?
2.2 Die Pop-Literatur der neunziger Jahre
2.3 Vergleichsaspekte
3 Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele? Zur Identitätsentwicklung in der Literatur der Neuen Sachlichkeit und Pop-Literatur
3.1 Selbstbild
a) Gespaltenes Ich
b) Zur Bedeutung von ‚Zuhause‘
c) Identitätskonstruktion zwischen Anpassung und Abgrenzung zur ‚Masse‘
3.2 Identität im Zeichen von Medien- und Konsumallgegenwärtigkeit
4. Zur Konzeption von Liebe
4.1 Formen von Liebe
4.2. Liebeskonzeptionen in den untersuchten Romanen
4.3 Geschlechterverhältnisse
4.4. Sexualität
4.5 Kommunikationskrise
4.6. Konträre Funktion von Liebe: Bremse und Antrieb
5. Musik
5.1. Musik als Sub-Text?
5.2. Funktionen von Musik
a) Musik als Wertungsraster
b) Musik als Identitätsangebot
6. Schlussbemerkung
Die Arbeit untersucht, inwieweit die zeitgenössische Pop-Literatur als eine Neuauflage der Literatur der Neuen Sachlichkeit verstanden werden kann, indem sie die Konzeption von Identität und Liebe in ausgewählten Werken analysiert und Parallelen in Ästhetik, Thematik und der Verarbeitung von Medien sowie Konsumkultur aufdeckt.
3.1 Selbstbild
„Zweigespaltenes Ich – tausendgespaltenes Ich.“100 So umschreibt die Protagonistin Gilgi in Keuns Roman ihre Verfassung, nachdem sie durch die Beziehung zu dem nicht nur wesentlich älteren, sondern auch in seinem Wesen völlig konträren Martin in jeglicher Hinsicht aus der Bahn geworfen wurde. Bis zu diesem Punkt ist es allerdings eine lange Entwicklung.
„Sie hält es fest in der Hand, ihr kleines Leben, das Mädchen Gilgi.“ (Gilgi 5), teilt der erste Satz des Romans mit. Wie Kerstin Barndt in ihrer Arbeit anmerkt, wird durch das bewusste „Festhalten“ bereits das potentielle Aus-der Hand-Gleiten angedeutet.101 Zunächst aber wird eine Protagonistin gezeigt, die mit sich und der Welt im Reinen erscheint. Ihr Credo besteht darin, den „Tagesplan [einzuhalten]“ und nicht „vom System [abzuweichen]“ (Gilgi 6). Ihr Spiegelbild betrachtet sie „mit sachlichem Wohlgefallen“ und befindet, dass es „was Sympathisches [hat] so’n Spiegel, wenn man zwanzig Jahre alt ist und ein faltenloses, klares Gesicht hat. Ein gepflegtes Gesicht. Gepflegt ist mehr als hübsch, es ist eignes Verdienst.“ (ebd.). Hierbei spiegelt sich nicht nur eine übereinstimmende Zufriedenheit mit ihrem inneren und äußeren Selbstbild102, sondern lässt auch bereits ihre Arbeits- und Lebenseinstellung durchschimmern, die da lautet:
„Ich will arbeiten, will weiter, will selbstständig und unabhängig sein – ich muß das alles Schritt für Schritt erreichen. […] Es macht mir Freude, was zu schaffen. Wenn mir heut‘ einer eine Million schenkte, ich – würd‘ sie nehmen, hätt‘ aber gar nicht so furchtbar viel Spaß dran. Es macht mir Freude, aus eigener Kraft weiterzukommen. (Gilgi 70f.)
Ein wenig ins Wanken gerät ihr Selbstbild, als ihre vermeintliche Mutter, Frau Kron, ihr eröffnet, dass sie adoptiert ist. Aber „es fällt ihr nicht ein, sich durch solche Sachen aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen“ (Gilgi 31). Sie sagt sich, „immer schön fest auf den Füßen stehn, ja nicht wackeln. Wenn weiter nichts ist. Ihr Gesicht ist gleichmütig, sie reagiert nach innen.“ (Gilgi 30). Gilgi wirkt zu diesem Zeitpunkt „wie das personifizierte neusachliche Lebensgefühl“103. Allerdings hält diese Maske nur so lange, bis sie auf Martin, den „Bummler“, „Tagedieb“ und „Habenichts“ (Gilgi 75) trifft. Ab diesem Zeitpunkt beginnt ihre sachliche Fassade zu bröckeln.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung ein, die Literatur der Neuen Sachlichkeit und die Pop-Literatur auf ihre Gemeinsamkeiten hin zu untersuchen, insbesondere im Hinblick auf das Liebesideal und die Identitätskonstruktion.
2. Pop-Literatur als Neuauflage der Neuen Sachlichkeit: Dieses Kapitel vergleicht die historische Verortung und die soziokulturellen Hintergründe beider Epochen und arbeitet die Gemeinsamkeiten in Ästhetik und Programm heraus.
3 Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele? Zur Identitätsentwicklung in der Literatur der Neuen Sachlichkeit und Pop-Literatur: Hier wird die Entwicklung der Identität der Protagonisten in den ausgewählten Romanen untersucht, wobei insbesondere auf das Selbstbild und den Einfluss der Massenkultur eingegangen wird.
4. Zur Konzeption von Liebe: Das Kapitel analysiert die Darstellung von Liebe und Sexualität, beleuchtet Kommunikationskrisen der Geschlechter und untersucht, wie Liebe als Bremse oder Antrieb fungieren kann.
5. Musik: In diesem Kapitel wird die Funktion von Musik als Subtext, Wertungsraster und Identitätsangebot in den Romanen analysiert.
6. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bestätigt die These, dass trotz unterschiedlicher historischer Kontexte in beiden Literaturströmungen ähnliche Muster in Identitäts- und Liebeskonzeptionen vorliegen.
Neue Sachlichkeit, Pop-Literatur, Identitätsentwicklung, Liebeskonzeption, Medienallgegenwärtigkeit, Konsumkultur, Musik, Kommunikation, Geschlechterverhältnisse, Subjektivität, Adoleszenz, Literaturgeschichte, Vergleich, Selbstbild, Modernisierung.
Die Arbeit untersucht die These, ob die zeitgenössische Pop-Literatur als eine Art Neuauflage der Literatur der Neuen Sachlichkeit betrachtet werden kann, indem sie deren Ästhetik, Thematik und gesellschaftliche Funktion vergleicht.
Die Arbeit fokussiert sich insbesondere auf die Konstruktion von Identität, die Darstellung von Liebe und Sexualität sowie die Rolle der Musik als prägendes Element in beiden literarischen Bewegungen.
Das primäre Ziel ist es, Parallelen zwischen den beiden Strömungen aufzuzeigen, trotz ihrer zeitlichen Distanz, und zu analysieren, wie Protagonisten in diesen Kontexten ihr Leben und ihre Identität entwerfen.
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Vergleichsanalyse ausgewählter Primärtexte (Keun, Stuckrad-Barre, Bach) und stützt sich dabei auf einschlägige theoretische Konzepte der Literatur- und Mediengeschichte.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Epochenkontexte, die Analyse der Identitätsentwicklung (Selbstbild, Außenwelt), die verschiedenen Liebeskonzeptionen und schließlich die spezifische Funktion der Musik als intertextuelles und identitätsstiftendes Element.
Schlüsselwörter sind unter anderem Neue Sachlichkeit, Pop-Literatur, Identität, Liebeskonzeption, Massenmedien, Konsumallgegenwärtigkeit und Musikbezug.
In „Soloalbum“ dient Musik nicht nur als kulturelles Archiv, sondern fungiert als zentraler Maßstab für die Identität des Ich-Erzählers und als Bewertungsraster für seine Mitmenschen, wobei eine strikte Unterscheidung zwischen „guter“ (Oasis) und „schlechter“ (Rock) Musik vorgenommen wird.
Gilgi durchläuft eine klassische Entwicklung von einer „schablonenhaften Neuen Frau“ zu einer komplexen Persönlichkeit infolge einer emotionalen Krise, während der Ich-Erzähler in „Soloalbum“ eher in einem Habitus der Distanzierung und medienorientierten Selbststilisierung verharrt, der seine fundamentale Identitätskrise eher überdeckt als auflöst.
Die Metapher deutet darauf hin, dass in den betrachteten modernen Romanen oft keine echte, romantische Verschmelzung der Liebenden stattfindet, sondern eine körperbezogene, sachliche Distanz vorherrscht, in der sich die Individuen trotz Nähe fremd bleiben.
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