Magisterarbeit, 2008
78 Seiten, Note: 2,2
0 Einleitung
1 Der fromme Tanz
1.1 Künstlerische Isolation
1.2 Tanz und Körperlichkeit
1.3 Eins-Werdung
2 Treffpunkt im Unendlichen
2.1 Do
2.2 Froschele
2.3 Dr. Massis
2.4 Richard
2.5 Sylvester und Sebastian
2.6 Greta
2.7 Sebastian und Sonja
3 Flucht in den Norden
3.1 Johanna und Ragnar
3.2 Karin
4 Symphonie Pathétique
4.1 Melancholie und Unrast
4.2 Homosexualität
4.2.1 Apuchtin
4.2.2 Wladimir
4.3 Tschaikowskys Verhältnis zu Frauen
4.3.1 Antonina
4.3.2 Nadeshda
4.4 Künstlerische Isolation
5 Der Vulkan
5.1 Der Schachspieler
5.2 Anna
5.3 Martin und Kikjou
5.4 Marcel
5.5 David
5.6 Benjamin
5.7 Tilly
5.8 Marion
5.9 Marie-Luise
5.10 Tilla
5.11 Friederike
6 Die Erzählungen aus dem Exil
6.1 Letztes Gespräch
6.2 Vergittertes Fenster
6.3 Speed
6.4 Afrikanische Romanze
7 Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht das zentrale Motiv der Isolation im Werk von Klaus Mann und analysiert, wie politische, künstlerische und persönliche Faktoren dazu führen, dass Individuen aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden oder sich selbst isolieren, oft mit der Folge von Einsamkeit und Todessehnsucht.
1.1 Künstlerische Isolation
Bereits hier findet ein Motiv Verwendung, das auch in Klaus Manns späteren Romanen Treffpunkt im Unendlichen, Symphonie Pathétique und Der Vulkan verarbeitet wird: das Motiv der künstlerischen Isolation, also einer auf künstlerischen Faktoren beruhenden mangelnden Bindung zu den Mitmenschen. Der Jüngling Andreas hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein vollendetes Bild zu malen, mit dem er einen Ausdruck seiner Zeit schafft. Die Reaktionen seines sozialen Umfeldes ernüchtern ihn jedoch. So zeigen sich weder sein Vater noch seine potentielle Verlobte Ursula angetan von seiner Arbeit. Letztere unterstellt ihm gar die Aussichtslosigkeit seines Unterfanges:
Ach, Andreas, Gestaltung gibt es nur da, wo dadurch, daß man das eigene Leid, das eigene Pathos zum Gebilde formt, das Pathos und Leiden der ganzen Zeit, der ganzen Generation mitgebildet, mitgeformt werden kann. Unsere Jugend hat gar kein Pathos, unsere Jugend verleugnet feige ihr Leid und will nichts von ihm wissen. Was willst du formen, Andreas? Nur immer deine eine, vereinzelte Seele wird aus deinen Bildern und Versuchen sprechen, und niemand wird dir danken dafür, daß du sie klagen läßt – von den Alten keiner und keiner von den Jungen. (DfT, S. 37)
Aus Kritiken wie dieser erwachsen in Andreas starke künstlerische Selbstzweifel: „Und wenn nun auch diese Bemühung mißlang? Wenn auch in dieser Komposition das wieder nicht atmete und lebte, was er sich seit Wochen in sie zu legen und durch sie zu formen sehnte?“ (DfT, S. 27) Er fühlt sich nicht imstande, seine jugendliche Orientierungslosigkeit, die sich aus der politischen Situation der zwanziger Jahre ergibt, in der Malerei zu verarbeiten:
0 Einleitung: Definition des Isolationsbegriffs bei Klaus Mann und Vorstellung der zentralen Thesen und untersuchten Werke.
1 Der fromme Tanz: Analyse der ersten Isolationstendenzen im Frühwerk, geprägt durch künstlerische Selbstzweifel und die Suche nach Sinn.
2 Treffpunkt im Unendlichen: Untersuchung des „Fluchs der Individuation“ und der Auswirkungen von Machtausübung, Drogen und gescheiterten Liebesbeziehungen.
3 Flucht in den Norden: Beleuchtung des Konflikts zwischen politischem Engagement und privater Liebe im Kontext der Emigration.
4 Symphonie Pathétique: Betrachtung der Isolation des Künstlers Tschaikowsky durch Melancholie und Homosexualität.
5 Der Vulkan: Analyse der verschiedenen Facetten der Emigration und des Verlusts der Heimat als treibende Faktoren für soziale Isolation.
6 Die Erzählungen aus dem Exil: Untersuchung von Kurzgeschichten, die die Themen des Exils, der politischen Kollision und der persönlichen Entfremdung weiterführen.
7 Schlussbetrachtung: Zusammenführende Analyse, welche bestätigt, dass Isolation ein durchgehendes Motiv in Klaus Manns Gesamtwerk darstellt.
Klaus Mann, Isolation, Exilliteratur, Individuation, Homosexualität, Melancholie, Todessehnsucht, Emigration, Künstlertum, Identität, Soziale Ausgrenzung, Drogenkonsum, Sinnsuche, Literarische Analyse, Selbstisolation.
Die Arbeit analysiert das zentrale Motiv der Isolation im literarischen Schaffen von Klaus Mann und zeigt auf, wie verschiedene Charaktere in seinen Romanen und Erzählungen durch äußere und innere Umstände in die Einsamkeit geraten.
Die zentralen Themen sind Emigration, Homosexualität, künstlerische Selbstzweifel, Melancholie, der politische Druck der Zeit und die Suche nach zwischenmenschlicher Nähe.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Isolation im Werk von Klaus Mann als ein wiederkehrendes, schematisches Motiv fungiert, das durch spezifische Faktoren wie Politik, Herkunft und Eros entsteht.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Werkanalyse, die auf Textstellen aus den jeweiligen Romanen und Erzählungen basiert und diese mit den Individuationstheorien und der Exilproblematik in Beziehung setzt.
Der Hauptteil gliedert sich nach den untersuchten Werken (z.B. „Der fromme Tanz“, „Treffpunkt im Unendlichen“, „Der Vulkan“), in denen jeweils spezifische Charaktere und deren Isolationsformen detailliert analysiert werden.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Klaus Mann, Isolation, Exil, Individuation, Homosexualität und Todessehnsucht.
Im Frühwerk „Der fromme Tanz“ ist eine Liebesvereinigung andeutungsweise noch möglich, während Klaus Mann in späteren Werken wie „Treffpunkt im Unendlichen“ die prinzipielle Unmöglichkeit, zueinander zu finden („Fluch der Individuation“), in den Vordergrund rückt.
Der Tod wird in den untersuchten Werken oft als letzter Ausweg oder als einzige Möglichkeit zur Aufhebung der durch die Individuation bedingten Körpergrenzen gesehen, da die Liebe in der Realität meist am Scheitern der zwischenmenschlichen Bindung leidet.
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